Keine

Baum in der Wüste
Kirche im WDR

Wann wirds richtig Sommer?

Genau 47 Jahre mussten wir auf die Beantwortung der Frage warten „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ Ohne dieses Lied von Rudi Carrell würde sich wohl kaum jemand an den regenreichen Sommer 1974 erinnern. Wie es mit diesem Sommer 2022 in Zukunft aussieht, muss sich erst noch rausstellen. Fest steht schon jetzt: Es ist der heißeste und trockenste seit 1951. Kein Tag an dem man nicht das Wort „Klima“, hören oder lesen kann, selbst wenn man sich nicht für den Wetterbericht interessiert. Klar ist auch: Es nicht ausgeschlossen ist, dass es nächstes Jahr einen nass-kalten Sommer geben kann. Eine kontinuierliche Erderwärmung und das Wissen darum, dass das am Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre liegt, bestreiten aber die wenigsten. Im Jahr 1972 hatte der Club of Rome zum ersten Mal eine Studie über die Zukunft der Menschheit veröffentlicht. Die Vereinigung der Wissenschaftler hatte anhand umfangreicher Daten die Prognose gewagt, dass der Mensch auf Dauer für die Natur nicht zu ertragen ist. Es sei denn er ändere sein Verhalten. In ihrem neusten Bericht beschreiben die Wissenschaftler die gegenwärtige Situation nicht nur als eine ökologische Krise, sondern (und das ist neu) auch als eine soziale Krise,

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Versprechen

Wenn Versprechen nicht eingehalten werden, wie geht man damit eigentlich am besten um?Diese Frage stelle ich mir in den vergangenen Jahren öfter. Dabei geht es mir um die Versprechen, die ich selbst gegeben habe. Diejenigen, die mir gegeben wurden, finde ich gar nicht so problematisch. Entweder hab` ich auch vergessen, was mir versprochen wurde, oder es nagt noch an mir, solange bis ich es dann schließlich auch vergesse. Was ich anderen versprochen und nicht eingehalten habe, beschäftigt mich. Jedenfalls wenn es ein größeres Versprechen ist als: „Ich komme demnächst noch mal auf einen Kaffee vorbei.“ …

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Apfelschnitzel

Die Mutter holt die Apfelschnitzel aus ihrem Rucksack und das selbst gebackene Brot. Die Töchter–schätzungsweise zehn und zwölf Jahre alt– wollen lieber Schokolade. „Zuerst das Brot, dann die Äpfelchen und zum Schluss Schokolade“ bestimmt die Frau Mama. „Seid froh, dass Papa überhaupt Schokolade mitgenommen hat!“ Auch sonst ist die Familie gut vorbereitet: An den Rucksäcken aller vier hängen weiße Helme und bunte Klettersteig-Sets. Vor ihnen spannt sich eine etwa 100m lange Hängebrücke über eine eben so tiefe Schlucht. Dahinter tut sich eine Felswand auf, die man über eine 40m lange senkrechte Leiter erklimmen muss. Nach der Stärkung legt die Familie ihre Klettersteig-Sets an. „Liebster, ich habe einen Auftrag für dich!“ sagt die Frau.

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Liebesversprechen

Phillip hatte sich endlich getraut. Mit 32 Jahren kann Mann heiraten, denkt er. Und Familie haben: Kind, Haus Hund; das volle Programm. Lena ist glücklich, dass er endlich auch einverstanden ist. Wäre es nach ihr gegangen, hätte er ihr auch schon früher einen Antrag machen können. Hat er aber nicht. Nun kann die Vorbereitung zur Hochzeit beginnen. Standesamt nur klein, mit Eltern und Trauzeugen. Zum großen Fest dann die kirchliche Trauung. Das ist Lena wichtig. Als Teenager war sie Helferin im Kindergottesdienst. Deshalb soll es eine evangelische Hochzeit werden. Philipp ist katholisch und möchte das auch bleiben. Die Trauung soll in der Kirche sein, in der er früher Messdiener war. Eine evangelische Trauung in einer katholischen Kirche? Kommt gar nicht in Frage, meint die rheinisch-katholische Kirchengemeinde. Darüber ist Lena richtig sauer: „Wir haben 2020, sind zwei junge Menschen, die noch in der Kirche sind und die stellen sich so an! Unglaublich!“ Philipp schweigt. Als Lena ihren Freundinnen davon erzählt, können die nur müde lächeln. Lena ist nämlich die einzige, die überhaupt noch in der Kirche ist. „Du und dein Kirchen-Gedöns“…

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Deine Gedanken entscheiden über dein Leben

Auf dem Bahnhofsvorplatz habe ich neulich das Gespräch zweier älterer Damen belauscht. Die eine, schätzungsweise Ende siebzig, war mit dem E-Bike vorgefahren und hatte sich gerade das neue neun Euro Ticket für alle drei Monate gekauft. „Ich weiß zwar noch nicht, ob ich fahre, aber wenn ich fahre, habe ich ordentlich was gespart.“ „Ich weiß nicht, entgegnet die andere. Hier ist doch sowieso dauernd Schienenersatzverkehr. Und wenn mal ein Zug kommt, ist es mit dem neuen Ticket so voll, da bekommst du vom vielen Körper aneinander schubbern noch die Affenpocken!“ Ich überlege kurz, mich ins Gespräch einzuschalten und zu erwidern: „Nee, die Affenpocken kommen von den Chemtrails! Besinne mich dann aber eines Besseren, um nicht mit einem dummen Spruch das zarte Pflänzchen der Mobilitätswende zu gefährden und beschließe dem Gespräch besser nicht mehr zu folgen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass es so endet, wie viele Gespräche dieser Art enden:

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Panikattacken

„Seit einigen Wochen höre ich Nachrichten nur noch im Radio; oder ich lese sie am Bildschirm. Bekommt mir besser“, sagt Frank. „Ich hatte den Eindruck ich komme in so eine doomscrolling Spirale hinein. Das kann ich mir nicht leisten.“ Er hat Angst, dass die Panikattacken wieder kommen könnten. Es ist zwar schon einige Zeit her, dass Herzrasen und Luftnot ihm das Gefühl gegeben haben, zu sterben. Aber er möchte auf keinen Fall, dass die Panik wiederkommt. Erwischt hat es ihn aus heiterem Himmel, mitten bei der Arbeit, durch nichts angekündigt: „Das Schlimmste war, dass ich wirklich Todes-Angst hatte. Angst, dass mein Herz aufhört zu schlagen, nachdem es immer schneller geschlagen hat“, sagt er.“ Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren würde; dass es mich so aus den Latschen haut…

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Nie schön genug?

Mit einem leichten aber nachgiebigen Schubs wird die Katze vom Schoß vertrieben. Dann wird die Frisur begutachtet und notfalls noch gerichtet. Wenn es sein muss, die Kamera in die richtige Position gebracht. Dann kann die Videokonferenz los gehen. Nur wenige scheinen zu wissen, dass man die Kamera auch vor Beginn des Meetings einstellen kann. Ist die richtige Menu-Einstellung aber erst einmal entdeckt, wartet so manche Software mit allerlei Funktionen auf, die uns Teilnehmer*innen tatsächlich ins rechte Licht zu setzen vermag. Waren vor einem Jahr noch virtuelle Hintergründe aus diversen Urlaubsregionen beliebt, ist heute meist nur noch der Hintergrund-Weichzeichner aktiv. Immer mehr im Kommen ist die inszenierte Authentizität –wie ich gerne sage. Das ist der Fall, wenn …