Erika Steinbach über Religionsfreiheit und Menschenrechte

Erika Steinbach (MdB) twittert. Das ist erwähnenswert, weil die Unionspolitiker_innen die das tun an einer Hand abzuzählen sind. Sie twittert freundlich, höflich und professionell, immerhin ist einmal Informatikerin gewesen.

Und sie wittert über “Gott und die Welt”. Dabei betont sie hin und wieder (gegenüber katholischen Gesprächspartnern) sie sei evangelisch.

Allerdings hat sie ihrer Kirche schon vor längerer Zeit den Rücken gekehrt. Freilich nicht nur beim Amtsgericht, sondern beim damaligen Kirchenpräsidenten mit einer durch die Presse verbreiteten Erklärung (“Das Maß ist voll”).

Heute steht sie allerdings auf dem Standpunkt: Religion sei “Privatsache”. Was aufhorchen lässt, denn warum sollte ein “privater Kirchenaustritt” die Notwendigkeit einer öffentlichen Erklärung nach sich ziehen.

Und weil dieses “neue Medium Internet” gerade dabei ist die Trennung zwischen “Privatheit” und “Öffentlichkeit” neu zu definieren, sei an dieser Stelle ein kurzes Gespräch zwischen Volker Beck (MdB) und Erika Steinbach zitiert, in dem es um diesen “privaten Kirchenaustritt” geht:

.@ Wie fanden ihre homosexuellen Künstler-Freunde Ihre Kirchenaustrittsbegründung. b http://t.co/7wxxF1A3 Homosex /10 Gebote
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Das hat sie überhaupt nicht aufgeregt,weil sie wie ich der Meinung sind, dass Kirche Verkündigung und nicht Politik machen soll
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Ihre homosexuellen Freunde fanden cool, daß kirchliche Verkündigung sein soll, Homosexualität verstoße gegen die 10Gebote?
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Zusätzlich spielte die beschlossene Segnung von Homogemeinschaften in Frankfurt eine Rolle, die ich für falsch halte
@SteinbachErika
Erika Steinbach
.@ Sind Sie auch gegen die Segnung von Heteroehen Wiederverheirateter?
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Wenn eine Glaubensrichtung das in ihren Vorschriften verbietet, dann ist das deren Recht. Welche Religion auch immer.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Ja, Glaubensfreiheit ist immer auch Narrenfreiheit, solange es Rechte andere nicht verletzt.
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Ich jedenfalls halte es nicht für Sünde, selbst wenn alle Religionen so sehen.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Religionen sind keine historisches Subjekt, sie haben auch keine Sichtweisen, diese haben nur Gläubige + ihre Gemeinschaften
@Volker_Beck
Volker Beck
@ Jeder Einzelne muss für sich entscheiden, wie er mit seinem Glauben und seiner Kirche zurechtkommt. Ist Privatsache.
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ Wenn frau PM zum Kirchenaustritt herausgibt, ist es nicht mehr Privatsache, Frau Kollegin! Jetzt nicht auf unschuldig machen
@Volker_Beck
Volker Beck
Wir werden das heute nicht lösen. Jetzt muss ich beschließen, leider . Vielleicht demnächst zu diesem Thema. Es gibt aber noch viele andere
@SteinbachErika
Erika Steinbach

 

Zusätzlich finden sich zwei kurze Tweets, in denen Frau Steinbach die Gründe für ihren Kirchenaustritt direkt benennt:

@ Mein Argument zum Wechsel war:"Ich bin bereits in einer politischen Partei.Beiträge an eine andere will ich nicht bezahlen"...
@SteinbachErika
Erika Steinbach
@ @ Die Ev.Kirche in Frankfurt hat von der Kanzel mehr Politik als Verkündigung betrieben.
@SteinbachErika
Erika Steinbach

Ich empfehle Frau Steinbach ihre Homepage zu überarbeiten, dort steht aktuell ein Text zu “Religionsfreiheit und Menschenrecht”. Sie sollte ihn, auch aus biographischen Gründen, um den Gedanken der negativen Religionsfreiheit erweitern. Dann würde sich auch ein sehr viel differenzierteres Bild ergeben.

Aktuell (18.1.2012) lautet der Text so:

Religionsfreiheit ist Menschenrecht – auch für Christen

Christenverfolgung! Eine Vokabel von gestern? Mitnichten.

Es gibt zahllose Menschen in Deutschland, die sich für jedwede Menschenrechte engagiert einsetzen. Kommt hingegen das Thema “Christenverfgolgung” auf, so werden sie entweder wortkarg oder relativieren diese Art der Menschenrechtsverletzung. Sie wollen nicht von Christen sprechen, sondern nur ganz allgemein von Religionsfreiheit. Ich bin für Religionsfreiheit, und zwar für jedermann. Das kann uns aber nicht an der klaren Erkenntnis hindern, dass Christen weltweit am intensivsten verfolgt sind. Über 100 Millionen Christen sind wegen ihres Glaubens von Misshandlung, Tod, Gefängnis oder massiver Diskriminierung bedroht.

Das Ausmaß an Diskriminierung, Unterdrückung und Bedrohung von Christen nimmt insbesondere in muslimischen Ländern seit Jahren beständig zu. Selbst in der Türkei, die ihren Blick bekanntermaßen nach Europa gerichtet hat – ein Land, dem wir freundschaftlich verbunden sind-, leben Christen nicht ungefährdet. Der Bau von Kirchen ist nahezu unmöglich. Christliche Geistliche befinden sich in Lebensgefahr, wenn sie durch ihre Kleidung als solche erkennbar sind.

Das kann nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Ihre
Code
Erika Steinbach”

Mit dem Einsatz für Verfolgte Christen in aller Welt sollten sich besonders die Mitglieder des Deutschen Bundestages befassen, die selbst einer Kirche angehören. Parteiübergreifend.

Und diejenigen, mitunter auch konfessionslosen, die keinen Unterschied, zwischen der Religionszugehörigkeit und Verfolgung von Menschen machen, wie z.B. Volker Beck, tun das durchaus überzeugend.

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Präsesbericht auf der Landessynode 2012

Nikolaus Schneider

Foto: Wikipedia

Der Bericht von Präses Nikolaus Schneider auf der Landessynode 2012 in Bad Neuenahr, liegt m.W. erstmals auch in einer kurzen Zusammenfassung vor. Eine Kurzfassung im PDF-Format findet sich hier.

Den ausführlichen Bericht gibt es in dem gleichen Format hier.

Auch wenn es einigen einfach erscheint so früh Kritik daran zu üben, was der Präses alles nicht gesagt hat:

Ich finde es bedauerlich, dass das Thema einer Digitalisierung der Gesellschaft mit keiner Silbe erwähnt wird. Dafür gibt es allerdings einen Werbeblock für die “Wallfahrt zu Heiligen Rock” nach Trier.
(-Artikel in Bearbeitung-)

ekirSpot(t)

Krippenkinder

Foto: sxc.hu

Weihnachten, stehen die Kinder im Mittelpunkt.
Und es ist schön, die Spannung der Kinder mitzuerleben, die sich auf Weihnachten freuen. Was an Kindern so fasziniert, das ist ihr Unmittelbarkeit, die wir unter uns Erwachsenen oft suchen.
Und manches Mal kann man sich dann der Vorstellung kaum entziehen, dass Kinder im Grunde die besseren Menschen sind.

„Seht welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch.“ Heißt es im Predigttext für den heutigen 1. Weihnachtstag im 1Johannesbrief Kap 3:

Wir sind Kinder Gottes, weil wir von Gott angesprochen sind, weil er unser Leben begleiten will, weil wir von ihm her kommen und er für uns da ist. Kinder Gottes gehen den Weg des Erwachsenwerdens im Glauben. Richtig erwachsen werden wir dabei aber nie, Gott sei Dank! Wir bleiben seine Kinder, aber nicht als naive Gläubige, als kindlich verträumte, sondern als solche, die Unfertiges als Chance begreifen. Gottes Kinder sollen wir heißen, ja nicht nur heißen, sondern wir sind es auch.

Wir werden also selber Jesus-Kinder, Krippenkinder, die auf Gottes Fürsorge angewiesen sind.

In diesem einen Kind fängt diese neue Wirklichkeit an.
Nicht fertig, nicht erwachsen, aber sie beginnt in ihm, damit wir aus ihm leben können.

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Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

foto: sxc.hu

Noch jung der Vorsatz.
Wenige Stunden erst.
Vielleicht Tage oder Wochen schon.
Doch ab heute zählt’s.
Es geht los.
Der Vorsatz gilt.

Die Strategie ist klar.
Die Ziele sind gesetzt.

Wohl dem, der das schon mal geleistet hat.
Denn dann ist Orientierung gegeben und für Umsetzung gesorgt.

Starke Leistung, wer dazu in der Lage ist: Ziele formulieren, Pläne machen. Und wenn es gut gelingt sogar die Strategien zu Selbstüberwindung mit einbauen. Dann geht es in großen Schritten auf das Ziel zu.

Grandios. Da kann man und Frau nur sagen Hut ab. Applaus.
Doch:
Das Jahr ist jung.
Der Kalender noch unbeschrieben, aber die Ahnung, dass alles so unberührt, so chancenreich und mit völlig offenen Möglichkeiten vor mir liegt, ist in Wahrheit wirklich nur eine Ahnung. Und diese Ahnung bleibt.
Sie hängt gewissermaßen schon als Begleitfaktor mit über dem neuen, noch jungen Jahr.

Schnell ist manchmal verflogen, was kraftvoll begann.
Und Biblische Weisheit geht in den Volksmund über:
“Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.”

So schleicht er sich ein dieser Gedanke.
So mischt er sich unter alle gefassten Vorsätze.
Er begleitet den strunzenden Optimismus mit einer Ahnung davon, dass auch ein Scheitern nicht ganz ausgeschlossen ist.

Das Scheitern mitzudenken gehört nun nicht zu den Tugenden, die der Coach seinem Team mit auf den Weg zu geben hat.
Der Coach soll vielmehr stärken, hart machen.
Er soll zu Selbstvertrauen führen, das grenzenlos ist und das in dem vielzitierten Satz mündet, der von Sportlern, wie von Popstars gleichermaßen gerne bemüht wird:
“Ich glaube an mich.”

Dieses “Ich glaube an mich” ist gewissermaßen die Antithese zu der Jahreslosung aus dem 2.Korintherbrief 12,9: “Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den schwachen mächtig.” Continue reading

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Das besondere “Gefühl an Weihnachten”

hüpfender Gitarrenspieler

sxc.hu

Lieder haben es in sich!
Weihnachtslieder allzumal!
„Es stellt sich ein besonderes, unverwechselbares Gefühl ein; das verliere ich nie.
Die Weihnachtslieder tragen mich jedes Jahr wieder in der Erfahrung des Besonderen“; so beschreibt ein Prominenter sein Empfinden. Selbst ein „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus dem dumpfen Lautsprecher eine Kinderkarusells gehört wohl auch ein wenig zu diesem „Besonderen“.
An Weihnachten ist das Besondere, dass es eine scheinbar identische Situation gibt. Eine identische Situation die sich gleichwohl jährlich wiederholt. An Weihnachten klingt in uns an, was wir sonst immer meiden, weil es nämlich leicht langweilig wird; an Weihnachten suchen wir das Besondere im Identischen.
Das Besondere im Identischen?

Erklärt das dieses besondere unverwechselbare Weihnachtsgefühl?
Geht es nicht genau darum, diesem Weihnachtsgefühl nachzuspüren? Es für mich fruchtbar zu machen, als eine Botschaft, als eine Lebenshaltung, die weit über diesen Heiligen Abend hinausreicht? Eben das Besondere im identischen zu entdecken?
Das nun freilich schafft man nicht so leicht.
Man und frau muss es sich vornehmen und wollen, dann kann so etwas gelingen:

-Dass ich mich neu sehe. Meine Person in neuem Licht.
-Dass ich klarer sehe, worauf es im Leben ankommt.
-Dass ich Auswege aus Sackgassen meines Lebens finde und breite, überschaubare Pfade verlasse.
-Und auch, dass ich glauben kann, und beten.

Wie ein Kind.
Zu einem Kind.
Das macht das Besondere der weihnachtlichen Situation aus, dass kann jedes Jahr von neuem beginnen.

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Digitalisierung der Gesellschaft

Ein wesentlicher Grund für zunehmende Unzufriedenheit mit politischem Handeln innerhalb unserer parlamentarischen Demokratie ist das Ausblenden der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Die Herausforderungen vor der die politischen Parteien stehen ist nicht gering zu schätzen. Bislang scheint dieser Vorgang noch nicht die erforderliche Aufmerksamkeit gefunden zu haben. Wahlerfolge der Piratenpartei werden als “Protest-Stimmen” gedeutet, die eine diffuse Politikverdrossenheit zum Ausdruck bringen würden. Wie “das Internet” “funktioniert” wird als eine von IT-Fachleuten und Konzernen zu beantwortende Fragestellung verstanden. Dabei geht es um einschneidende, geradezu evolutionär anmutende Veränderungen moderner Gesellschaften.
Für die Kirchen ist die Fragestellung einer Digitalisierung der Gesellschaft vor allem eine bedrohliche.
“Virtualität” steht für Phantasie-Welten und “Killerspiele”. “Das Internet” stiehlt den Menschen eigentlich nur Zeit. Die Zeit, die sie aber dringend mit anderen “echten” Menschen verbringen sollten. Dualistische Vorstellungen sind dem Christentum seit den Ursprüngen nicht fremd, bilden aber keine geeignete Grundlage der Frage nach der Digitalisierung der Gesellschaft angemessen zu begegnen.
Es ist interessant an den Stellen im Vortrag von Prof. Kruse wo “Politik” gesagt wird, “Kirche” einzusetzen. Dann kann verständlich werden, dass “das Internet” mehr ist als eine Spielwiese, die man auch unbeachtet sich selbst überlassen kann.

Ich danke Jörg Lohrer für diesen Hinweis.

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Predigt über Philipper 4,4-6 (short version; für Schnelleser)

Sonntagspredigten sind oft zu lang! Vielleicht nicht in der Kirche, aber zumindest am Bildschirm. Diese Art der Rückmeldung habe ich mehrfach zu hören bekommen. Oft habe ich in der Vergangenheit auch gespürt: “Für’s Netz müsstest du das prägnanter sagen”. Das gelingt oft nicht. Hier habe ich einen Versuch gemacht, eine Predigt aus dem Jahr 2009, die in diesem Monat sehr oft gelesen wurde, in einer gekürzten Fassung noch einmal “anzubieten”. Mal sehen, welche Fassung mehr Leser_innen findet….

grinsende Himbeere

sxc.hu

Lächel doch mal!
Freust du dich denn gar nicht?
Nun sei doch nicht so!
Dir kann man aber auch gar nichts recht machen!

Vier Sätze, die wir nicht gern hören. Am Heiligen Abend in einer unbedachten Äußerung verwendet, können sie zu einem wahren Fiasko familiärer Befindlichkeit führen! Ich gebe zu ich hab´s nicht so mit dem Freuen. Der Zwang “gut drauf” zu sein, regt mich meistens mehr auf als an. Und dauergrinsende Fernsehgestalten, die mundgerecht die Welt erklären, lassen mich das Radio einschalten. Dabei schätze ich Freundlichkeit (zumal im Alltag) sehr und finde auch, dass man vor allem sich selbst gegenüber oft freundlicher sein könnte.Dann klappt´s vielleicht auch mit dem Nachbarn.

Aber wehe einer steht auf und sagt:
“Die Hände zum Himmel. kommt lasst und fröhlich sein!”
Das finde ich aufgesetzt, da mach ich nicht mit Continue reading

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Weihnachten ist unterm Baum verschieden

Frau mit Geschenk

foto: sxc.hu

Alle Kirchenjahreszeit wieder offenbar dasselbe Ritual: Die kreativen Werbetexter_innen ersinnen zu den Feiertagen einen griffige Slogan, der sich einerseits festsetzt, andererseits Widerspruch hervorruft. War es Ostern noch eine Buchhandlung, die ihre “Hasenfest” Werbung zurückzog, soll jetzt einem Elektronik Markt auf die Finger geklopft werden. Hier wie dort von der (katholischen) Kirche. Doch nicht nur institutionalisierte Formen des Christentums melden Protest an, auch in sogenannten sozialen Netzwerken meldet sich erheblicher Widerspruch gegen die “These”: “Weihnachten wird unterm Baum entschieden”.

Der christliche Widerspruch führte sogar zu einer Einheits-email, die die Elektronikkette an aufgebrachte Kritiker verfasste. Die Eindeutigkeit der dort gegebenen Erklärung führte in den meisten Fällen jedoch zu noch mehr Kritik, denn in dem Schreiben wurde in schlichter Marketing Sprache erklärt, dass Weihnachten tatsächlich unterm Baum entschieden werde, und zwar am besten mit dem Produkten, die man zu äußerst günstigen Preisen in eben jenem Markt kaufen könne. Insofern bringe der Spruch auf den Punkt, was sich am heiligen Abend, unter vielen Weihnachtsbäumen in der guten Stube, ereigne. Religiöse Gefühle wolle man nicht verletzen.

Es liegt natürlich nahe zu opponieren: Schließlich werde Weihnachten nicht unter dem Baum, sondern in der Krippe entschieden. Allerdings ist es mir dann doch lieber die Unterhaltungselektronik liegt unterm Baum und nicht in der Krippe. Denn auch das ist doch nicht von der Hand zu weisen: Das Zeug muss doch irgendwohin!
Es beschleicht mich der Verdacht, dass Kirchenmenschen doch einwenig neidisch sind, auf die Macht der Worte, mit denen die Werbeindustrie sich die Deutehoheit über den Dezember erkauft. Das “Eigentliche”, so der weitere Verdacht gerät doch dadurch immer mehr ins Hintertreffen. Das dürfen “wir” nicht zulassen, da müssen “wir” gegenhalten ist die faktische Konsequenz zu einem derartigen Machtspiel.
Doch sind wir als Christenmenschen gut beraten uns auf diese Art des Kräftemessens einzulassen und ebenso lautstark gegen die großmäuligen Sprüche zu reagieren?

ER kam auf einem Esel und nicht auf einem Roß.
ER kam als schutzloses Kind und alle knieten nieder.
ER zog durch die Provinz und nicht durch die Gassen von Jerusalem.
ER starb schändlich als geächteter Verbrecher. Abseits.

Vergessen?
Manchmal frage ich mich, ob das Evangelium von Jesus Christus nicht sogar verraten wird, indem man auf Recht, Verantwortung, und Auftrag pocht. Welch Kleinglauben, das Evangelium könne sich seinen Weg in die Herzen der Menschen nicht auch durch den größten Trubel hindurch bahnen. Ich freue mich übrigens (dem “Internetz” sei dank) über jeden Agnostiker, der brav sein Adventstürchen öffnet und über jeden Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters der des Sonntags seinen Adventskranz bedient.

Und was den Slogan betrifft, warum nicht antworten:
“Stimmt Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Aber das iPad ist zu flach. Da gehört dann doch die Krippe drauf!”

Vermutlich würden mehr Türen auf als zu gehen.

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Pastorenstückchen in Chrismon plus Rheinland

Gestern zitierte mein Chef im Pfarrkonvent aus der aktuellen Ausgabe von Chrismon plus Rheinland und ich traute meinen Ohren nicht: Werbung für meinen Blog! Meine Bemerkung: “Oh! habe ich noch gar nicht gelesen, iss ja Print”, sorgte für allgemeine Erheiterung. Aber man kann Chrismon plus Rheinland auch online lesen. Die “Werbung” für Pastorenstueckchen  findet sich auf S.9 der aktuellen Ausgabe ;-)

Chrismon plus Rheinland screenshot

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Predigt über Offenbarung 5,1-5 1.Advent

sound knopf

foto: sxc.hu

Weil Predigt eigentlich fürs Hören geschrieben wird. Hier ein Mitschnitt aus dem Gottesdienst am ersten Advent in der Friedenskirche. Die Qualität ist noch verbesserungswürdig, aber das Geraschel hört nach einer Minute immerhin auf. Leider war das richtig gute Gemeindemikro nicht verfügbar, aber für elf Minuten und 50 Sekunden mag es für dieses Mal gehen….

Predigt Offenbarung 5,1-5

Und für die, die nicht die Zeit zum Hören haben, folgt eine Kurzfassung:

„Ich sehe was, was du nicht siehst.“ Das kennen Sie.
Das beliebte Spiel „ich sehe was, was du nicht siehst“ war einst besonders auf langen Autofahrten beliebt. Continue reading

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Wer alles richtig machen will….

Kreuz vor blauem Hintergrund

foto: sxc.hu


Sie will alles richtig machen.
Wenigstens wenn sie einmal im Jahr alle beisammen hat, soll alles stimmen.
Es soll schön werden. Doch sie will nichts erzwingen. Nichts soll durchgeplant werden. Am besten stellt sich das Gefühl “zu Hause” von selbst ein.
Fast wie von selbst wenigstens. Diese Hoffnung hatte sie jedes Jahr.

Alle Jahre wieder. Wohl wissend, dass es eine Gratwanderung war, bei der auch der Absturz drohen konnte. Doch daran will sie gar nicht denken. Schließlich sei das Fest kein Fest der Angst, sondern eines der Freude.
Und es bedeutet ihr viel. Eigentlich immer mehr. Und obwohl sie viel vorbereitet, weiß sie, dass zum Gelingen alles vom Himmel her kommen muss. Das wünscht sie: Den Himmel offen stehen sehen und merken, dass es doch gut ausgeht.
Das Leben. Ihr Leben und das ihrer Kinder.
Mit dieser Hoffnung fühlt sie sich allein. Viele reden schlecht über das Fest. Das Fest der Liebe sei zum Fest des Schenkens verkommen. Inhaltslos und verkitscht. Gerade noch tauglich dazu, Sehnsüchte zu wecken. Aber längst nicht mehr im Stande, sie auch zu stillen.
Doch sie lässt sich ihr Fest nicht klein reden. Wenn sie Kerzen, Kranz und Schmuck vom Dachboden holt, bereitet sie einem Weg.
Sie bereitet ihm einen Weg. Ihm, der versprochen hatte Weg, Wahrheit und Leben nicht nur zu zeigen sondern zu sein. Der die Mächtigen vom Thron stößt und die Niedrigen erhöht.
Seinem Glanz, so weiß sie, kann keine Marzipankugel etwas anhaben und Licht ist seine besondere Spezialität. Aber ohne Ketten.
Er ist zu ihr gekommen. Hat sich Herberge genommen. Er geht nicht mehr.
Nicht aus dem Kopf, nicht aus dem Herz. Gott hat Wohnung genommen bei ihr. Und ihre Wohnung ist schön.

Durch ihn weiß sie auch:
Wer alles richtig machen will, hat den ersten Fehler schon hinter sich. Darüber freut sie sich alle Tage und an ihrem Fest besonders.

“Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.” (Jesaja 9,1)

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Im Pfarrhaus soll es rein zu gehen!

foto: sxc.hu Zumindest “rein evangelisch”.
Das ist der Wille der Mehrheit der Synode der EKD, und gehört seit einem Jahr zum Bestand des neuen EKD Pfarr-Dienstrechtes, dass Eheschließungen von Pfarrerinnen und Pfarrern (zunächst einmal) nur unter konfessionell evangelischen Partner_innen möglich sein lässt.

Das wundert nur Außenstehende, denn in den meisten Landeskirchen findet dieses Vorgehen den gesetzlichen Rückhalt in bestehenden Pfarrdienstgesetzen. Nun hat der Fall einer Vikarin aus der Würtembergischen Landeskirche für größere Resonanz gesorgt. Man darf vermuten, dass es in diesem Fall zu enormen Kommunikationsstörungen gekommen sein muss, denn im Regelfall werden derartige Fälle überaus geräuschlos geklärt. Meistens wird nämlich von den (gesetzlich vorgesehene) Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht.

Ein “Im Prinzip schon, aber…” ist besonders bei Kirchen synodal verfasster Struktur beliebt, da die Freiheit des Leitungsgremiums in seinen Entscheidungskompetenz als höchstes Gut betrachtet wird. Da wundert es nicht, dass die Synode der EKD so weiter zu machen gedachte. Allerdings hat eine andere Synode, die der reformierten Kirche unlängst in Emden darauf hingewiesen, dass diese Anwendung pfarrdienstrechtlicher Praxis schlichtweg überflüssig sei.
Es kann der reformierten Synode nicht hoch genug angerechnet werden, dass sie mit ihrer Beschlussfassung ein deutlich evangelisches Zeichen setzt (Mehr als ein Zeichen wird es allerdings wohl kaum sein). Denn im Evangelium ist die “Liebe” die größte unter den Gnadengaben. Wie könnte es “evangelisch” sein der Liebe konfesionelle Handschellen anzulegen?

An diesem Beispiel wird augenfällig , unter welcher Beobachtung und unter welchem ideologischen Gezerre die Diskussion um Lebensformen im Pfarrhaus steht.
In der evangelischen Kirche im Rheinland z.B., kann das Leitungsgremium immerhin beschließen, dass schwule und lesbische Partnerschaften im Pfarrhaus zusammenleben dürfen (was zu begrüßen ist, aber in anderen evangelischen Kirchen immer noch für erheblichen Wirbel sorgt). Soll jedoch eine Eheschließung mit einem nicht evangelischen Ehepartner vorgenommen werden, ist ein Gespräch mit der Kirchenleitung notwendig. Diese “fein abgestufte” Praxis ist kaum mit plausiblen Argumenten zu füllen.
Hier gleicht die kirchengesetzliche Praxis eher der eines “angeschlagenen Boxers”, der von einer in die nächste ideologische Ecke taumelt, wie es OKR Thies Gundlach einmal von der römischen Kirche meinte aussagen zu müssen.

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