Wieder einmal: Tanzverbot am Karfreitag

foto: sxc.hu

Das Tanzverbot am Karfreitag geht in diesem Jahr in die zweite Runde. Der Ton ist lauter geworden, die Fronten verhärtet. Keine besonders zuträgliche Situation. Für den letztjährigen Flashmob in Frankfurt hatte ich große Sympathie. Für ein diesjähriges geplantes Gesprächsangebot einer Podiumsdiskussion mit Kirchenvertretern am Gründonnerstag um 18.00 Uhr nicht.
Über eine Unkenntnis in kirchlicher Feiertagskunde könnte hinweggesehen werden, nicht aber über Agitation, die eine Absage provozieren will, um daraus erneute Bestätigung angeblich kirchlicher Ignoranz zu gewinnen.
Denn letztlich geht es gar nicht um ein Tanzverbot an sogenannten “stillen” Feiertagen. Es geht um eine striktere Trennung von Staat und Kirche.
Diese am Tanzverbot aufhängen zu wollen finde ich nur mäßig geschickt, zumal es im Nachsatz immer darum geht alle christlichen Feiertage als gesetzliche Feiertage abzuschaffen.
Aber gerade weil es darum geht, lässt sich die Diskussion mit so einer Ordnungsamtsvorschrift emotional gut befeuern.

Auf der Strecke bleiben dagegen die Überlegungen, wie sich eine postchristlich zu definierend beginnende Gesellschaft ihren Umgang mit der traditionell gewachsenen Beziehung zwischen Staat und Kirche vorstellen kann und wie willens sie ist, sich auf einen gestalterischen Prozess einzulassen.
Das überwiegende Credo einer netzaffinen Öffentlichkeit lautet schlicht: “Religion überwinden!”
Damit ist natürlich keine Kirche zu machen.
Allerdings auch kein Staat! Und so wäre es bedeutend sinnvoller sich nicht mit einzelnen Ordnungsämtern zu befassen, sondern nach gangbaren Wegen zu suchen.
Nach dem sonst immer vorbildlichen Skandinavien zu schielen bringt nicht weiter, da wir mit der “hinkenden Trennung” von Staat und Kirche immerhin eine Trennung haben, die die Staatskirche gerade nicht hat. Und US-amerikanische Verhältnisse zu preisen mag eigentlich nur für Fans der Megachurch-Industrie in Frage kommen.

Leider wird die Rolle der Religion in einer Gesellschaft oft unterbewertet, was folglich auch zu einem lässigen Umgang mit kirchlichen Fragestellungen führt.
Das hat allerdings auch einen Vorteil: Die gesellschaftliche Mehrheit, die für eine Abschaffung von (langen) Wochenenden und Brückentagen ist, muss erst einmal gefunden werden. ;-)

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Predigt über Jesaja 50,4-9

Ich habe es nötig, es würde mir gut tun, ihnen vielleicht auch.
Ja, ich meine es wäre gut für alle, wenn sie kommen würden.

Sie die guten Nachrichten.

Seit einigen Jahren gibt es Nachrichtenkanäle, die sich darauf spezialisiert haben nur gute Nachrichten zu senden.

Eine Stunde täglich nur gute Nachrichten!
Nur gute Nachrichten am laufenden Band. Das täte gut, das wäre ein notwendiges Gegengewicht gegen alles, was an schlechten Meldungen über die Sender und durch die Zeitungen rauscht. Aber, was sind eigentlich gute Nachrichten?

Ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit Niederschlag ist dem Landwirt evtl. willkommen, dem Badeurlauber dagegen wohl weniger. Ist das nun gutes oder schlechtes Wetter?

Eine ausgleichende ausgesprochen gute Nachricht wäre auch im Blick auf den Predigttext wünschenswert.
Denn dort spricht jemand, dem es so geht, wie tausend anderen auch. Dem Sprecher geht es ausgesprochen schlecht: Er wird geschlagen, auf den Rucken und die Wangen, und er wird bespuckt.
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Predigt

“Die Netzgemeinde” und “Die Religion”

Niemand weiß genau, was sich hinter dem Begriff “Netzgemeinde” verbirgt. Und wahrscheinlich ist sogar, dass es sie gar nicht gibt, wie Christian Jakubetz meint. Oft wird darunter schlicht das verstanden, was Mitglieder bei Facebook und Twitter so ungefiltert an Meinung ins Netz pusten.
Daraus wird dann am Abend in der Tagesschau die “Netzgemeinde”. Selbst Mitglieder dieser sogenannten “Gemeinde” erheben den Anspruch gerade keine Gemeinde zu sein. Das liegt m.E. daran, dass der Begriff “Gemeinde” religiös aufgeladen ist. Und die “Netzgemeinde” ist sich vor allem darin einig, dass “die Religion” Antidemokratisch , Antiaufklärerisch und erst recht Antifreiheitlich sei.
Dabei ist das Bild, das hinter diesem Religionsverständnis steht schnell als (Zerr-)Bild von römisch-katholischer Religion zu entlarven. Da fällt eine differenzierte Betrachtung oft schwer, zumal wenn sie in 140 Zeichen stattfinden soll.
Trotz alle dem bin ich der Meinung, dass sich eine Auseinandersetzung durchaus lohnt. Ich meine sogar, dass es sehr von Nöten ist, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein. Persönlich mit seinen Interessen und seinem Glauben, öffentlich mit seinem (kirchlichen) Beruf, und erst recht in einer Mischung aus allem, die erst dazu führt, dass Argumente, Überzeugungen und religiöse (Wert-) Urteile in umfassender Weise wahrgenommen werden können. (Christlicher) Glaube vermittelt sich am besten dialogisch, auch wenn die kirchliche Struktur sich (noch) weitgehend kerygmatisch versteht.
Aus diesem Grund, und natürlich weil ich neugierig und internetaffin bin, treibe ich mich gelegentlich auch in der “Netzgemeinde” herum. So auch an einem Sonntagnachmittag im Karneval, an dem diese kleine Unterhaltung über “Religion” und “offene Gesellschaft” stattfand:

Internet Aktivisten. Die neuen religiösen unter den religionslosen. Das macht den @ ganz putzig.
@knuuut
knut dahl
@ Was hat Religionskritik mit "Internetaktivismus" zu tun? Dein Tweet beweist meine Befürchtungen hinsichtlich den Religiösen.
@jensbest
jensbest

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Ralf Meister und Roy Black

sxc.hu

Wer Roy Black ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Bei Ralf Meister wird das schon schwieriger. Allerdings bemüht er sich in letzter Zeit sehr darum bekannter zu werden. Immerhin war Ralf Meister schon öfter im Fernsehen.
Als Sprecher des Wort zum Sonntages dürfte sein Gesicht sich dem einen oder der anderen bekannt vorkommen. Mit seiner bildschirmfüllenden Freundlichkeit gibt er die etwas asketischere Variante von Peter Hahne. Die Stärken beider liegen sicher darin, auch in strengster Unnachgiebigkeit ausgesprochen freundlich rüber zu kommen. Auch dann, wenn die verkündeten “Wahrheiten” schwer zu schluckende Kröten sind.

Ralf Meister forderte vor einigen Wochen die Einführung eines öffentlichen Instrumentes der Buße.
Leider ließ er offen, ob dieses Instrument bei Jauch, Plasberg oder doch eher bei Maischberger anzusiedeln sei. Oder ob er gar nicht an einen TV-Auftritt dachte, sondern sich eher vorstellete, dass ehemalige Ministerpräsidenten in Hannover bestimmte Kirchen (öffentlich) aufsuchen sollten um an sichtbare, öffentliche Buße zu gelangen.

In Hannover nämlich ist Ralf Meister Nachfolger von Margot Käßmann geworden. Und da hat er natürlich ein schweres Erbe anzutreten, wenn es darum geht, die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD in ihrer medialen Präsenz zu beerben.

Vermutlich dachte sich Meister deshalb, es sei gut etwas mehr an Volksnähe zu zeigen und so schwärmte er in Syke (bei Bremen) über Roy Black. Also nicht direkt über Roy Black, aber immerhin über die “Theologie der Schönheit”. Continue reading

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Predigt über Jeremia 9, 22+23

Dank Spotlight lässt sich auf dem Mac die gesamte Festplatte schnell durchsuchen. Normalerweise mache ich das selten. Doch jetzt war ich fest davon überzeugt irgendwo müsse es noch eine Predigt von mir zu Jeremia 9,22 geben. Und tatsächlich, war in die Untiefen der alten Atari 1040ST Daten eine Predigt zu finden. Aus dem Jahr 1994.

Auch wenn ich heute nicht mehr so predige (das war das erste Jahr in der Zeit des Vikariats) dachte ich: “Probiers doch mal mit einem alten Hund”. Und: Siehe da, die Rückmeldungen darauf waren so zahlreich, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht sollte ich zu meinem “alten Predigtstil” zurückkehren?

sxc.hu


Hier nun die leicht überarbeitete Version (die dicksten alten Hunde sind schon rausgekürzt) ;-)

“Sparen, liebe Gottesdienstgemeinde, sparen lautet das Motto der Stunde. Überall muss gespart werden. Öffentlich wie Privat, Staatlicht wie kirchlich.
Auf allen Ebenen, vom Land oder Ministerium bis zum kleinen Betrieb von der Landeskirche bis zur einzelnen Gemeinde. Und das schon seit Jahren.
Etliche Zahlen erhitzen Finanz- und Haushaltsausschüsse, eine Flut von Daten hält Presbyterien in Atem.
Nein, den letzten Satz streichen wir, damit es sich einer der Kandidaten nicht noch schnell anders überlegt, wenn es heute Abend darum geht die Wahl anzunehmen… Eigentlich wollte auch ich mich in die Liste der Sparer einreihen.
Ich dachte: Dieser Spruch Jeremias klingt so rund und selbstverständlich, dass ich ihn nur zur Kenntnis nehmen und bestenfalls noch “Ja” und “Amen” sagen kann. Das wäre doch mal eine kurze Predigt. Die kann ich mir sparen!

Es klingt fast wie ein “antikes Wort zum Sonntag”, was Jeremia hier schreibt.
Ein gutes, rundes Wort zum Thema “Weisheit, Stärke, Reichtum”
Gut und richtig, aber doch eigentlich selbstredend.
Doch mit dem Sparen ist es oft nicht so einfach. Es kann auch am falschen Ende gespart werden, wenn man sich nicht die Mühe macht noch einmal ganz von
vorne anzufangen. Continue reading

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Erika Steinbach über Religionsfreiheit und Menschenrechte

Erika Steinbach (MdB) twittert. Das ist erwähnenswert, weil die Unionspolitiker_innen die das tun an einer Hand abzuzählen sind. Sie twittert freundlich, höflich und professionell, immerhin ist einmal Informatikerin gewesen.

Und sie wittert über “Gott und die Welt”. Dabei betont sie hin und wieder (gegenüber katholischen Gesprächspartnern) sie sei evangelisch.

Allerdings hat sie ihrer Kirche schon vor längerer Zeit den Rücken gekehrt. Freilich nicht nur beim Amtsgericht, sondern beim damaligen Kirchenpräsidenten mit einer durch die Presse verbreiteten Erklärung (“Das Maß ist voll”).

Heute steht sie allerdings auf dem Standpunkt: Religion sei “Privatsache”. Was aufhorchen lässt, denn warum sollte ein “privater Kirchenaustritt” die Notwendigkeit einer öffentlichen Erklärung nach sich ziehen.

Und weil dieses “neue Medium Internet” gerade dabei ist die Trennung zwischen “Privatheit” und “Öffentlichkeit” neu zu definieren, sei an dieser Stelle ein kurzes Gespräch zwischen Volker Beck (MdB) und Erika Steinbach zitiert, in dem es um diesen “privaten Kirchenaustritt” geht:

.@ Wie fanden ihre homosexuellen Künstler-Freunde Ihre Kirchenaustrittsbegründung. b http://t.co/7wxxF1A3 Homosex /10 Gebote
@Volker_Beck
Volker Beck

@ Das hat sie überhaupt nicht aufgeregt,weil sie wie ich der Meinung sind, dass Kirche Verkündigung und nicht Politik machen soll
@SteinbachErika
Erika Steinbach

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Präsesbericht auf der Landessynode 2012

Nikolaus Schneider

Foto: Wikipedia

Der Bericht von Präses Nikolaus Schneider auf der Landessynode 2012 in Bad Neuenahr, liegt m.W. erstmals auch in einer kurzen Zusammenfassung vor. Eine Kurzfassung im PDF-Format findet sich hier.

Den ausführlichen Bericht gibt es in dem gleichen Format hier.

Auch wenn es einigen einfach erscheint so früh Kritik daran zu üben, was der Präses alles nicht gesagt hat:

Ich finde es bedauerlich, dass das Thema einer Digitalisierung der Gesellschaft mit keiner Silbe erwähnt wird. Dafür gibt es allerdings einen Werbeblock für die “Wallfahrt zu Heiligen Rock” nach Trier.
(-Artikel in Bearbeitung-)

ekirSpot(t)