Trost üben

Treu ist er gewesen. So treu wie nur ein Vierbeiner es sein kann. Nun aber ist es aus. Ein zehnjähriges Hundeleben ist zu Ende gegangen. Seine Asche steht in einer Urne im Regal. Daneben ein Bild von „Moritz“ dem Golden Retriever.

„Sagen Sie mal, Herr Pfarrer, finden Sie das nicht ein wenig komisch? Manchmal überlege ich, ob das nicht etwas übertrieben ist. Ein Hund ist doch ein Hund.“

Der Mann, den ich besuche, hat nur noch sehr wenige Menschen, mit denen er sich austauschen kann. Ich habe den Eindruck, dass im Laufe des letzten Jahres die Zahl der Menschen, die kaum noch jemanden zum Reden haben, noch größer geworden ist. Das führt mitunter zu interessanten Fragen.

Es ist wie so oft: Eigentlich geht es gar nicht um die Asche von Moritz im Regal. Vielmehr ist der gestorbene Hund der Anlass, über eine ganz andere Frage nachzudenken. Nämlich: „Was sage ich eigentlich einem Menschen, der trauert? Was sage ich, wenn ich merke, dass ich ungeübt und eigentlich sprachlos bin? Wenn jemand einen großen Verlust hinnehmen muss? Ist es eigentlich blöd, wenn ich jetzt schon mal beim Tod des Hundes übe, was ich meiner Mutter oder meinem Vater sagen kann, wenn einer von den Freunden stirbt oder irgendwann sogar einer von den beiden? -Natürlich ist ein Hund ein Hund und ein Mensch bleibt ein Mensch…aber trotzdem.“

„Aber trotzdem! ist schon mal ein guter Anfang“, sage ich, „denn viel schlimmer als die Angst etwas falsches zu sagen ist, sich zu entziehen, einen Bogen um Trauernde zu machen und sie alleine zu lassen.“ „Das ist ja im letzten Jahr oft genug passiert und tut es noch,“ meint mein Gegenüber. „Eben,“ sage ich, „daher ist es gut, sich auch Gedanken darüber zu machen, wie es jemandem geht, der einen nahen Menschen verloren hat.“

Was Menschen in Trauer brauchen, ist höchst unterschiedlich. Manche wünschen sich Nähe, andere machen vieles lieber mit sich selber aus. Was der andere wünscht, lässt sich aber im Gespräch herausfinden.

Nur zwei Sachen sind schädlich: So tun, als ob nichts passiert ist, und Sätze, die man eigentlich nur ins Poesiealbum schreibt, z.B. „Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „Das wird schon wieder!“

Ein simples: „Ich wollte mal hören, ob ich etwas für dich tun kann?“, ist hilfreicher, als jeder noch so gut gemeinte Trost.

Dieser Beitrag wurde am 25.3.2021 bei Kirche im WDR gesendet

Bildnachweis: https://unsplash.com/photos/13Nt3KvEQ3w

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