Aufmerksamkeit mit Banane

Es mag zunächst verstörend klingen. Aber ich habe seit kurzem eine Banane auf meiner Bibel liegen. Und das kommt so: Ich habe von einem Experiment gehört, das sich mit der Frage beschäftigt, was eigentlich unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zunächst dachte ich: klar, es wird darum gehen, wie sehr uns das Smartphone beansprucht. Schließlich bin ich dankbar dafür, dass ich jeden Abend um 19.00 Uhr daran erinnert werde, mein Medikament zu nehmen. Das vergesse ich fast jeden Tag. Und seit ich weiß, wie ich andere Benachrichtigungen stumm schalten kann, meldet sich das Handy auch gar nicht mehr so oft.

Was zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich? In dem Experiment wird folgendes gemacht: Bei einem Fußballspiel haben die Teilnehmer:innen die Aufgabe zu zählen, wie oft der Ball in der Mannschaft „weiß“ gepasst wird. Die andere Gruppe hat dieselbe Aufgabe bei der Mannschaft „rot“. Während des Spiels läuft nun ein als Gorilla verkleideter Zuschauer über das Feld. Weil die Aufmerksamkeit der Probanden aber auf das Zählen der Pässe gelenkt ist, bemerkt die überwiegende Mehrheit den Auftritt des Gorillas gar nicht.

„Erstaunlich“, denke ich. Denn eigentlich habe ich erwartet, dass so eine offensichtliche Störung sofort auffällt. Tut sie aber offenbar nicht, wenn wir konzentriert mit etwas anderem beschäftigt sind.

Vielleicht ist es mit Gott ja wie mit dem Gorilla. Er läuft offensichtlich, aber unerkannt durch mein Leben und ich bin damit beschäftigt, Kalorien zu zählen, Kopfhörerkabel zu entwirren oder die richtige Reifengröße für meinen Fahrradschlauch zu ermitteln.

Deswegen liegt jetzt eine Banane auf meiner Bibel. Sie soll mir helfen, Gott im Blick zu behalten.

Vermutlich haben Sie die Bibel nicht griffbereit auf dem Schreibtisch, oder finden eine Banane zu despektierlich. Dann nehmen Sie einen anderen Gegenstand: das gute alte Taschentuch mit dem Knoten, ein kleines Kreuz oder eine Engelsfigur, und platzieren ihn an einem Ort, der sonst ganz und gar nicht Ihre Aufmerksamkeit fordert. In unserer  Ablenkung und Zerstreutheit ist vielleicht mehr Platz für Gott, als in angestrengter Konzentration.

Über seine Aufmerksamkeit müssen wir uns allerdings keine Sorgen machen. Er hat versprochen, uns immer liebevoll im Blick zu haben. Eine Gedankenstütze braucht er dazu nicht. Denn wir sind sein Gedanke. Jeden Morgen und jeden Abend und nicht nur um 19.00 Uhr.

Dieser Beitrag wurde am 26.3.2021 bei Kirche in WDR 2 gesendet.

Bildnachweis: https://unsplash.com/photos/Kl3467edwsE

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