Schäfchen im Trockenen?

In meinem Briefkasten lag neulich die Werbung eines Finanzinstitutes: „Bringen Sie ihr Schäfchen ins Trockene!“ Freilich, das war noch vor dem Finanzcrash. Am Tag danach klingt das fast wie Hohn. Viele Kirchen nehmen den Zusammenbruch des Finanzmarktes bemerkenswerter Weise nur unter der Perspektive wahr, ob sie ihre kirchlichen Finanzen im Trockenen haben, oder nicht, wie z.B. die Oldenburgische Kirche, die Millionen bei der amerikanischen Lehmann Bank lassen musste. Dabei hätten die Kirchen doch dazu einiges zu sagen: Unverdächtig könnten sie Luther zitieren, der 1524 in einer kleinen Schrift („Von Kaufshandlung und Wucher“) schon wusste: „Geld ist erforderlich aber unfruchtbar!“ Oder sie könnten die 1975 vom ÖRK ins Leben gerufene Genossenschaft oikocredit als alternative Form des Wirtschaftens in das ihr zustehende Licht rücken. Stattdessen verfasste die EKD im Juli eine Denkschrift, die sich weitaus unkritischer mit der Praxis unseres Wirtschaftens auseinandersetzt als erwartet. Hat die Oldenburgische Kirche schlussendlich nur das praktiziert, was die Denkschrift empfiehlt? Hat die „Gottesanbeterin“ sich hier tief vor der „Heuschrecke“ verneigt? Fest steht: Hinter dem Crash entdecken nur die wenigsten einen Systemfehler. Fest steht aber auch: Letztlich entscheiden Sie, wo Sie Ihr Schäfchen ins Trockene bringen.

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