Feuerzungen und Schläfenlappen

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an „einem“ Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen.“ Der Schläfenlappen spielt in dieser Erzählung eine überaus wichtige Rolle, obwohl er ungenannt bleibt. Das ist nicht weiter verwunderlich, war die Hirnforschung zur Zeit der Abfassung der Apostelgeschichte nocht nicht mal in den Kinderschuhen.

Als ein Teil des Großhirns hat der Schläfenlappen eine besondere Funktion bei der Entstehung von religiösem Bewußtsein. Stimuliert man ihn mithilfe eines Magnetfeldes berichten die Testpersonen von einem Verbundensein mit einer höheren Wirklichkeit.

Sie hatten sozusagen ein „Pfingsterlebnis“ – wenn auch künstlich herbeigeführt. Die Pfingstgeschichte berichtet von nichts anderem als der besonderen spürbaren Anwesenheit Gottes. „WIE“ Gott unter uns wohnt ist in der Erzählung enorm wichtig. Nicht so sehr das „WO“, dass sie nur am Rand (Feuerzungen) andeuten will.

Und zu dem WIE gehört nun ganz besonders, dass die Pfingsterfahrung eine zutiefst gemeinschaftliche Erfahrung ist, die alle modernen Versuchsanordnungen sprengen würde: An Pfingsten nämlich „tickten“ alle Schläfenlappen sozusagen gleich, so dass jeder ganz allein für sich und dennoch alle zusammen „eins“ waren durch die Anwesenheit Gottes als Geist.

Das heute die Frage nach dem „WO“ stärker nachgefragt wird ist verständlich, schließlich gibt uns der Fortschritt immer mehr und bessere Möglichkeiten, bewußtseinserweiternde Phänomene einzuordnen genau hinzusehen. Genauso sollten die bibllischen Texte dann aber auch angeschaut werden; doch die biblischen Texte wollen unmittelbarer gelesen werden dass Gott im Schläfenlappen „wohne“, ist dann nämlich nur begrenzt wichtig und richtig, allenfalls eine Lokalisierung insofern es die Anwesenheit Gottes beim Menschen zwar lokalisiert, nicht aber die „Existenz“ Gottes schlechthin.

Der kesse Spruch „Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ bringt es erstaunlicherweise auf den Punkt: Um unsere Gemeinsamkeit mit Gott geht es, wenn er in unser Leben eingreift. Um Leben mit Gott geht es, wenn Gott zugunsten des Menschen eingreift. Wenn Gott eingreift tut er das immer dann, wenn es den Menschen zutiefst in seiner Existenz betrifft. Und er tut es nie ohne den Menschen außen vor zu lassen. Er schafft nicht einfach Fakten. Handelt nicht einfach und verändert die Situation. Er bezieht den Menschen mit ein. So ist Gottes Handeln auch menschlich.

Gott greift bei uns Menschen ein und sei es, dass er uns beim Schläfenlappen packt! Darum feiern wir Pfingsten.

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