Kategorie: Meinung

Meinung

Gestern war ich beim Papst

Gestern war ich beim Papst. Erwin Lindemann aus Wuppertal war auch da. Er meinte, es wäre schön, wenn Franziskus wieder rote Schuhe anziehen würde. Die Kunden in der Herren-Boutique sähen es jedenfalls lieber so. Ich musste Erwin aufklären, dass wir nicht wegen der Stilfragen hier wären, sondern um der Theologie willen, also fast, eigentlich wegen der kirchlichen Einheit. Mit der Wiedervereinigung sei das so eine Sache, meinte der Papst, das könne man doch besonders bei uns in Deutschland sehen und, ob wir unser Gespräch nicht drüben mit Joseph Ratzinger weiterführen wollten. Erwin war sofort begeistert, doch ich konnte abwiegeln. So gingen wir erst einmal Milchreis essen. Wie es denn nun mit der evangelischen Kirche in Deutschland weiterginge, wollte der Papst wissen und streute sich noch etwas Zimt über den Reis. Das sei eine schwierige Frage, antwortete ich…

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Meinung

Gezerre am Zipfel des Talars

Der Pfarrer* isst anders. Nämlich viel, weil es bei jedem Anlass etwas gibt. Mit Leib und Seele ist er außerdem bei der Sache, denn er wird dotiert und nicht nach Arbeitsleistung bezahlt. Deswegen wird auch erwartet, dass er einstecken kann. Nicht das Stück Kuchen beim Geburtstagsbesuch —obwohl auch das schon vorgekommen sein soll— sondern vor allem Kritik. Das Schicksal teilt er freilich mit Politikern*, Lehrern*, Journalisten* und allen anderen, die in irgendeiner Art und Weise „öffentlich“ ihren Beruf (ein evangelisches Wort!) ausüben. Dagegen ist rein gar nichts einzuwenden bis auf die Tatsache, dass man eigentlich über das demokratische System, Schule, irgendwas-mit-Medien und eben Kirche redet. Der Stammtisch kennt allerdings keine Systeme, sondern nur Personen, über die man sich überaus trefflich unterhalten. Manchmal braucht eine Synode auch einen Stammtisch. Nicht erst am Abend, sondern gleich im Plenum. Das heißt dann „Impuls Referat“ und der Redner* darf kräftig vom Leder ziehen…

Meinung

Reformation in der Krise

„Selfies führen zur Vereinsamung“ ist im Memorandum zum Reformationsfest 2017 zu lesen. Herausgeber sind Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff. (Zum Text bitte auf folgenden Link klicken: Memorandum zum Reformationsfest 2017 ) Auch wenn in der Analyse vieles richtig beobachtet ist, der kirchliche Kardinalfehler zwischen „virtuell“ und „real“ findet auch im Memorandum seinen Niederschlag:

„Das „Selfie“ mit dem iPhone steht für die zunehmende und alleinige Konzentration des Menschen auf sich selbst. Von Kindesbeinen an daran gewöhnt, führt das zu einer inneren Vereinsamung, lässt menschliche Beziehungen verkümmern und den realen Nächsten zugunsten des virtuellen aus den Augen verlieren.“ Schade eigentlich, denn gerade ein Blick auf die digitale Transformation könnte helfen zu zeigen, wo kirchliches Handeln verändert werden müsste um -Zitat- „die Erkenntnisse“ der Reformation „und die Bedingungen für Überzeugungskraft ins 21. Jahrhundert zu übertragen…

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Allgemein Meinung

Im Reformations-Truck nach Ohio

Wehmütig schaut Sabine B. aus dem Fenster ihres Büros nach Süden. Gerne wäre sie im Land mit den herrlichen Zwiebel-Kirchtürmen in Bayern. Wenn sie auf das Dach ihres Pfarrhauses steigt, kann sie bei gutem Wetter den Drachenfels sehen und doch träumt sie von einer Pfarrstelle am Chiemsee. Ob die Rheinländerin (48) sich auf dem dortigen kirchlichen Parkett zurechtfinden würde ist alles andere als ausgemacht, schließlich gehen die protestantischen Traditionen in deutschen Landen alles andere als synchron. Den meisten Kirchenleitungen gefällt das, sie schätzen produits reginaux, nicht nur bei Käse und Wein. Es scheint so, als könnte sich das in Zeiten, da über eine digitale Kirche nachgedacht wird, als Nachteil erweisen. Denn die Koordinierung an welchen Stellen über das Thema nachgedacht wird stockt und zwar merklich. Seit der EKD-Synode 2014 (Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft) hat sich wenig getan. Als das die Jugend-Deligierten auf der Synode im letzten Jahr anmerkten, wurde das Thema in den –Achtung!- Zukunftsausschuß verwiesen. Soweit so schlecht, zeigt es doch wie wenig eine Kirche, die immer betont „nahe bei den Menschen“ sein zu wollen, wirklich bei den Menschen ist. Es darf vermutet werden, dass in den einzelnen Landeskirchen sehr unterschiedliche Einschätzungen zu diesem Thema vorliegen, ein Umstand, der zur Normalität im Umgang miteinander geworden ist. Ein ranghoher EKD-Vertreter bezeichnete kürzlich bei einer Veranstaltung ganz in der Nähe des Drachenfelses, die Ordinationspraxis der dortigen Landeskirche als „chaotisch“…

ekirSpot(t) Meinung

Kirche kann nicht sterben lassen.

Im letzten Artikel ging es um die Angst der Ortsgemeinde vor Veränderung bzw. vor Bedeutungsverlust. Die folgenden Beobachtungen sind Variationen des Veränderungs-Themas: Nehmen wir einmal an eine junge Pfarrerin* nimmt ihren ganzen Mut zusammen, um das im Vikariat erlernte und erprobte in die Gemeindearbeit einzubringen. Nehmen wir weiter an, sie widmete ihre Aufmerksamkeit dem Gottesdienst: Neue Formen will sie entwickeln, ohne bewährte aufzugeben. Das Presbyterium ist begeistert, schließlich stand diese Formulierung schon in der Stellenausschreibung bei der Besetzung der Pfarrstelle. Ein Zusatz-Gottesdienst muss also her: Andere Uhrzeit, anderer Ort, weil das Kirchenzentrum (und alle Mitarbeitenden) ausgelastet sind. Wenn die junge Kollegin Glück hat sagt man ihr: „Machen Sie mal!“, oder es entspinnt sich eine Diskussion, ob dazu ein Beschluss gefasst werden muss. (Nur am Rande: Muss nicht!)…

ekirSpot(t) Meinung Meist geklickt

Die Angst der rheinischen Parochie

Kaum fordert der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland (ekir.de) ergänzende Angebote zu parochialem Handeln, setzt reflexartig die Ermahnung ein nur ja die Ortskirchengemeinde nicht zu vergessen, wie „langweilig und durchschnittlich sie auch sein mag.“ (Zitat des Synodalen im unteren Tweet) Und das, obwohl Rekowski mehrfach in seinem Bericht betont, wie wichtig der Kontext vor Ort sei und wie wenig Notwendigkeit er von Seiten der Kirchenleitung in Düsseldorf sehe zentralistisch einzugreifen.

Auch auf der Ebene darunter (Kreissynode) verhält es sich nicht anders. Aus Sicht der Ortskirchengemeinde ist alles verdächtig, was jenseits des eigenen Kirchturms institutionell etabliert werden soll. Angesichts des sich wiederholenden rheinischen Rituals kann sich schon die Frage stellen, ob die presbyteriale-synodale Ordnung unserer Kirche wirklich eine gute Ordnung ist…