Langsam tut der Seele gut

„Langsam tut der Seele gut!“, „Sei gut zu dir selbst und achte auf das, was deine Seele braucht.“, „Was auch immer gut ist für deine Seele, mach es!“

An guten Ratschlägen an sich herrscht kein Mangel. In letzter Zeit bin ich vermehrt auf Zeitungsartikel und Radiosendungen gestoßen, die fragten: „Was tut eigentlich der Seele gut?“ Und auch auf dem reichhaltigen Büchermarkt, der für jede Vorliebe eine Antwort auf Lebensfragen bietet, wird man mehr als fündig.

Wenn es um die Seele geht, geht es meistens um das Glück; wo es zu finden ist und wie man es erreichen kann. Und es geht darum, was passiert, wenn etwas mit der Seele nicht stimmt, wenn etwas aus dem Ruder gelaufen, aus dem Gleichgewicht gebracht ist. Spätestens dann wird klar: Das mit der Seele ist eine hochkomplexe Angelegenheit.

Folgt man biblischen Spuren, ist es überraschend, dass weite Teile der Bibel gar nichts über „die Seele“ sagen. Das Wort, das für „Seele“ in der Bibel benutzt wird, verweist eher auf eine Lebendigkeit, die sich in Atem (Schlund, Rachen, Kehle) und Wollen (Verlangen, Begehren, Lebensenergie) ausdrückt.

Die Betonung liegt eindeutig auf der Lebenskraft des Menschen. Und diese Kraft nutzen Menschen um sich an Gott zu wenden.  Diese Fähigkeit gehört gewissermaßen zur Grundausstattung. Ohne Offenheit für Gott und Beziehung auf Gott, kann die Bibel nicht vom Menschen reden.

Deswegen reden Menschen auch mit Gott. Zum Beispiel so:

„Warum nur bin ich so traurig? Warum ist meine Seele so schwer? Auf Gott will ich hoffen, denn ich weiß: Ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott, er wird mir beistehen!“ (Ps 42,6 )

Bei der Frage was der Seele gut tut, geht es nicht um die Erfüllung von wünschbarem. Indem er zu Gott spricht erfährt der Mensch Gottes Zuwendung.

Vielleicht versuchen Sie es heute mit einer einfachen Antwort an Gott.

Einer, die Ihnen gut tut: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele“ (Ps 139,14)

Ich wünsche Ihnen viel Kraft für den Tag.

Dieser Beitrag wurde am 15.6.2021 bei Kirche im WDR gesendet

Foto: https://unsplash.com/photos/YSJ7Eoz-e2M

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