Alle Artikel mit dem Schlagwort: Reformation

Luther-Kondome: So geht’s auch nicht!

Freitags in der Kneipe. Mann trinkt Kölsch, Rheinland halt, nicht Düsseldorf. Ab Mitternacht fällt auf, dass der Pfarrer auch noch in der Runde sitz. Also Themenwechsel: Vom Kölsch, zu Kirche, von Kirche zu katholisch, von katholisch zu Kondom. Ein Grund, warum ich selten in die Kneipe gehe, denn leider ändert auch die Biersorte nichts am Gesprächsverlauf. Bald könnte das anders werden, denn die Evangelische Kirche im Rheinland (ekir.de) hat sich entschlossen Kondome aus dem Verkehr zu ziehen. Offenbar schmeckten die Luthergummis nicht jedem. Demnächst sitzen wir also beim Alt-Bier und diskutieren über Presbyterium, Präses und Präservative. Offenbar will die rheinische Kirche es so, denn gestern hat sie ein Video hoch geladen das nun auf YouTube steht. Einen Streisand-Effekt fürchtet sie offenbar nicht, es sei denn, sie wüsste nicht was das ist, oder aber der OKR (Oberkirchenrat) wollte es so, gegen besseres Wissen seiner Abteilung Kommunikation-Internet. Doch zum Video selber: Es lohnt sich tatsächlich bis zu Ende zu schauen und den Ton einzuschalten, denn Untertitel fehlen. Als der OKR das Kondom nämlich von seiner Verpackung „befreit“ …

Socken, und Bonbons -Protestantismus für Kinder

Ob Peter Hintze an der Einführung der Luthersocken („Deutsche Luthersocke – ‚Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.’Gr. 23-26, Kinder; rubinrot, türkis; EUR 5,50 brutto“) beteiligt war, ist nicht bekannt. Erfahrung mit Sockenkampagnen hätte er immerhin. Kurz vor dem Reformationsjubiläum 2017 nimmt die Gadget-Flut mit dem Konterfei des Reformators kein Ende. Ob Lutherbonbons, Lutherol, Lutherbier oder Plastik Püppchen, D. Martinus könnte es locker mit Jürgen Klopp als Werbeträger aufnehmen. Eigentlich warte ich nur noch auf die Erasco Werbung für Dickebohnensuppe („Das Gute daran ist das Gute darin“) mit dem Slogan „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ -aber das wäre vermutlich doch zu deftig. Indes: Die Marketing Abteilungen der verschiedenen Kirchen stricken an weiteren Produkten. Neuster Renner Lutherkaffe, „markant, kräftig, vollmundig“. Eine Mischung, die nicht jedem schmeckt, daher auch im Angebot die Mischung „Katharina von Bora“, die -kein Scherz, leider- „besser verträglich und für viele Gelegenheiten geeignet“ sei. Darauf für den Mann erst mal ein Lutherbier! Die Frauen müssen auf den „Katharina-Aperol-Spritz“ noch warten! Was lernen wir aus alledem über den Protestantismus? Offenbar ist die …

SEO und Ethik

Kaum jemand wird bestreiten wollen, dass es schon einmal besserer Zeiten für die Kirchen gab. Der Skandal um Holocaust-Leugnung und sexuellen Missbrauch hat vor allem die katholische Kirche in solch einen Misskredit gebracht, dass sie einem „angeschlagenen Boxer“ gleichkam, der von einer Ecke in die andere taumele, wie Thies Gundlach es vor einiger Zeit (kirchenintern) formulierte. Die evangelische Kirche sah sich demgegenüber in einer Art „Haftungsgemeinschaft“, wie Nikolaus Schneider formulierte, was dazu führte, dass die ethische Urteilsgabe „der Kirche“ insgesamt bestritten wurde. Die alkoholisierte Autofahrt der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann kam da gerade recht. Wo sicher geglaubte Handlungsfelder weg brechen braucht es natürlich Zeit sich neu zu orientieren. Und das dauert in der verfassten Kirche nun mal seine Zeit. Kein Wunder, dass andere in den Markt drängen. Und dabei ist Markt wirklich als „Markt“ zu verstehen wie J.A. Männing sehr anschaulich in seinem Blogbeitrag zeigt. Auch eine andere Berufsgruppe stellt sich die Frage an welchen Urteilen sich menschliche Verhaltensweisen messen lassen sollte. Gilt für die SEOs wirklich: „Was Moral ist definiert derjenige mit den meisten …

Helloluther!

So mancher evangelische Christ würde am 31.10 am liebsten wohl auch die Kürbissuppe verbieten. Seit sich das „Gruselfest“ in den letzten zehn Jahren immer mehr zum Kassenschlager entwickelt hat, radikalisiert sich die Debatte um den Brauch zunehmend. Seit diesem Jahr gebe ich mich geschlagen! Man kann eben keine Kürbisse an Kirchentüren nageln, und falls es doch gelingen sollte: leuchten werden sie davon immer noch nicht! Das heisst aber doch lange noch nicht, dass damit inhaltlich irgendetwas beschrieben wäre. Vielleicht müssten wir Evangelische so kreativ sein und das Thema „Ewigkeit“ nicht nur am „Totensonntag“, sondern auch am Reformationstag zur Sprache bringen? 2007 in der Evangelischen Kirchengemeinde Eppelheim wurde ein Jugendgottesdienst gefeiert zu Helloween und dem Reformationstag! Und die Churchnight wird ja auch immer bekannter. Die mittlerweile auch überaus bekannten Lutherbonbons sind zwar witzig gemeint (hoffentlich!) kommen aber weniger süß als vielmehr „moralin-sauer“ rüber. Heiko hat auf evangelisch.de einen schönen Artikel dazu verfasst, daran hätte Luther bestimmt seine Freude gehabt. Und für alle die dem nicht meinen zustimmen zu können (und im „seinem“ Jahr sei das erlaubt anzumerken): Melanchton hätte daran gar keinen Spass gehabt. …

Keine Gnade? (Röm.3,23-24) Predigt

Er kniet am  Boden. Vollkommen  durchnäßt . Es ist dunkel und regnet in Strömen. Sein Gesicht ist verzerrt, die Augen geschlossen. An seinem Kopf ein Revolver!- Großaufnahme Gesicht. Großaufnahme Finger am Abzug. Wieder Großaufnahme Gesicht und gleich  wieder: Finger am Abzug. Der Zuschauer-also ich- genauso gespannt wie die Waffe. Immer wieder hin und her zwischen den Großaufnahmen. Doch dann,  nach  scheinbar  unendlichen  Momenten  voller Angst  für  das  Opfer  und  Spannung  für  den  Zuschauer, wird die Waffe vom Kopf in den Halfter gesteckt. Erleichterung auf ganzer Linie. Sich entfernende Schritte, wieder in Großaufnahme. Abspann: Sie  sahen:  Der  Akt  der  Gnade! Bleiben  sie dran, denn gleich geht’s weiter mit: „Der Mann, der keine Gnade  kannte!“ -Werbung. „das  muss  ich  sehn“  zap, AUS.__ Es ist  schon  verwunderlich:  Sucht  man  danach,  wo  das Wort Gnade begegnet, befindet man sich entweder im Kino bzw. vor dem Fernseher, in der Kirche, oder in Österreich, wo der Damenwelt noch die ihr angemessene Anrede zu Teil wird: „Gestatten gnä‘ Frau“. Eine Ausnahme gibt es davon allerdings dann doch noch: Staatsoberhäupter haben in aller Regel das …

Amos und die Pflegeversicherung (Predigt über Amos 5)

Amosbuch 5.  Kapitel  die  Verse 21-24: „Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ I.) Hatte Amos  hatte  unser Gesundheitssystem   im  Sinn,  als  er diese Worte sprach? Amos- und die unser Gesundheitssystem? Das klingt doch wirklich wie an den Haaren herbeigezogen! Doch klingen seine Worte für mich  zunächst  so, als wolle er sich in  die  Diskussion  um  unser Gesundheitswesen und die Streichung von Feiertagen einschalten: „Ich hasse eure Feiertage; ich verwerfe eure Feste“ Weg  also  mit  Pfingstmontag;  wozu  einen  zweiten Weihnachtfeiertag?  Der Buss- und Bettag ist je bereits nicht mehr arbeitsfrei. Immer wenn es um die Streichung von Feiertagen zugunsten unseres Gesundheitssystems geht, werden diese nur unter dem Kostenfaktor gesehen. Wenn die Menschen mehr arbeiten, arbeiten …