Alle Artikel mit dem Schlagwort: Beten

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Wir sitzen nach dem Handballturnier im Schnellrestaurant. Sieben Köpfe sind nach vorne geneigt, (jeder blickt auf sein Handy) Die linke Hand fingert nach etwas Essbarem, während der Daumen der Rechten unablässig tippt. Plötzlich hebt sich ein Kopf, dreht sich und sagt zu seinem Nachbarn: „Hast du meine Nachricht gelesen?“ Als Antwort kommt nur ein müdes „Mhm“, freilich ohne den Kopf zu heben. Es wird weiter getippt und gegessen, keiner findet etwas seltsam an dieser Szenerie. Kein Wunder, es sind Teenager, denke ich und will gerade meinen Laptop aufklappen, da höre ich: „Ernsthaftjetzt, Papa? Voll peinlich!“ „Ach, ja? Aber eure Metakommunikation ist nichtpeinlich oder was!“, entfährt es mir. Plötzlich sind alle Köpfe oben und wir mittendrin in einer Diskussion, was geht, und was nicht in einem Restaurant mit freiem WLAN. Um es kurz zu machen: In der Bewertung sind wir zu keinem gemeinsamen Ergebnis gekommen, da bleibt der Generations- Unterschied als technische und kulturelle Differenz bestehen. Aber das Gespräch darüber, was das Handy so mit uns macht, war aufschlussreich: Es geht gar nicht so sehr um den …

Einfach bitte, bitte sagen. Joh. 16,23-28

foto: sxc.hu Einfach bitte, bitte sagen und es geschieht. Das wäre schön. Immer. Die Erfahrung sagt aber etwas anderes. Nicht jede Bitte wird gewährt, viele werden ausgeschlagen. Das ist auch nicht anders, wenn es um die Bitte in Form eines Gebetes geht. Manch einer wird sagen: „Na, da doch erst recht! Der liebe Gott, macht doch, was er will.“ Folgen wir dem Evangelisten Johannes im Predigttext für den morgigen Sonntag kommt es allerdings ganz anders: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.“ (V23) Ein riskanter Satz, der da Jesus in den Mund gelegt wird. Riskant, weil das naive Missverständnis jedweder Wunscherfüllung befeuert wird. Und riskant, weil die christologische Zuspitzung („in meinem Namen“) folgenlos überhört werden kann. Dabei ist das christliche Bittgebet, der Dreh- und Angelpunkt jeder theologischen Überlegung. Denn in diesem Gebet lassen wir uns auf die Gemeinschaft Jesu mit Gott so ein, dass wir sie zugleich an uns geschehen lassen. Beten ist daher bitten um dieses Geschehen-Lassen und staunend vor dem stehen, was Gott für mich …

Qualvolles Warten auf Taifun Hagupit

Beim Blick auf den morgigen Predigttext zum zweiten Advent geht mir nicht aus dem Kopf, wie die Verse aus dem Lukasevangelium dort gehört werden, wo ein Wirbelsturm erwartet wird. (Lk 21,25-33) http://www.ekir.de/url/X6w „Und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ (V25+26) Ich bleibe bei den Bildern des qualvollen Wartens auf Taifun Hagupit hängen, dort wo schon vor gut einem Jahr Haiyan wütete. http://www.ekir.de/url/Wwe Ich falte die Hände:„Gott, wir werden mit erschütternden Nachrichten konfrontiert. Wir vertrauen dir die Not der Menschen auf den Phillippinen an. Hilflos und ohnmächtig sind wir und wissen doch: Du sprichst auch dort dein ICH-BIN-DA! Wir trauen deinen Verheißungen. Verwandle qualvolles Warten in hoffnungsvolles Warten. Erbarme Dich.“

Der Haupttext des Judentums – das Sch’ma Israel (5.Mose 6,4)

„Der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer.“ So heißt es im Predigttext für den morgigen Sonntag. Damit wird inhaltlich an das Thema des letzten Sonntages (Trinitatis) angeschlossen: Dreieinigkeit. Der Haupttext des Judentums – das Sch’ma Jisrael (5.Mose 6,4)– wird zugrunde gelegt und damit zugleich die enge Verbindung von Judentum und Christentum betont. Das „Sch’ma Jisrael“ (Höre Israel) ist ein Glaubensbekenntnis, wird als Morgen- und Abendgebet gesprochen. Jedes Kind kann es auswendig, so wie das Vater-Unser-Gebet. Dabei ist der Text eigentlich kein Gebet, weil nicht Gott (JHWH) angesprochen wird, sondern die Gläubigen. Gleichwohl geht es um ein Beziehungsgeschehen. Es geht um die Beziehung zwischen Israel und seinem Gott. Bestimmende Kraft in dieser Beziehung aber ist die Liebe. So wie Gott sein Volk liebt, soll er von „ganzem Herzen und mit aller Kraft“ geliebt werden. „Schreibt Euch das hinter die Ohren“ (V.8+9). Denn der täglich Umgang mit Liebeserklärungen ist wichtig. Darum: Höre Christenheit, der Gott Israels ist unser Gott. Gott allein! jacinta lluch valero via Compfight

Smartphone zu Hause lassen und seufzen, Röm. 8,26

„Ich weiß am besten, was für mich gut ist“. Klar, darunter geht nichts mehr. Das selbstbestimmte Subjekt ist auf dem Gipfel der Erkenntnis angekommen. Wozu dann nur die kleinen Apps auf dem Smartphone die den Schlaf, die Ernährung, die Bewegung und vieles andere mehr aufzeichnen, um daraus zu errechnen, was am Organismus verbessert werden kann? App und An scheint es der Fall zu sein, dass ich nicht mehr am besten weiß, was für mich gut ist. Was ist, wenn die Situation so verfahren und hoffnungslos ist, dass Auswege überhaupt nicht mehr möglich scheinen? „Dann hilft nur noch beten.“ Sagt zumindest der Volksmund und belässt es dabei. Papst Franziskus hat unlängst bei seinem Besuch in Israel/Palästina betont, dass er tue, was er könne: Beten. Diese Nachricht ging durch die Welt ohne den Zusatz, dass der Papst gesagt habe, jetzt helfe „nur noch“ beten. „Ich tue, was ich kann, und das ist beten“ – dazu bedarf es weder schöner Worte noch großer Gesten, sondern bloß eines kleinen Seufzers:“Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, …

Beten, aber wie? (Lk 11,5-13) Predigt

Alles ist angerichtet. Alles vorbereitet. Monatelange Planungen sind an ihrem Ziel angekommen. Der Tisch gedeckt, der Wein entkorkt. Köstlichkeiten stehen bereit. Gäste werden erwartet und haben zugesagt. Alles passt. Nur das Wetter muss noch mitmachen, denn die Feierlichkeit findet unter freiem Himmel statt. Und immer, wenn etwas unter freiem Himmel stattfindet kommt sprichwörtlich der Petrus ins Spiel, zu welchem kirchlichem Bodenpersonal stets eine besondere Beziehung nachgesagt wird. Offenbar hilft jetzt nur noch beten. Szenenwechsel: Das Stadion ist bis zum letzten Platz gefüllt. 75.000 Menschen schauen auf einen einzigen Punkt. Es ist die 89. Spielminute. Elfmeter im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft. Bringt dieser Elfmeter die Entscheidung? Die Hände der Fans sind ineinander verschränkt. Die Knöchel vom Druck weiß und blutleer. Der Blick geht vom Elfmeterpunkt weg auf den Boden. Die gefalteten Hände bleiben über dem Kopf nach oben zum Himmel gereckt. Offenbar hilft jetzt nur noch einer: Der vielbeschworene Fußballgott.