Jetzt ist aber auch mal gut!

Es ist noch gar nicht so lange her, erst sechs Wochen. Können Sie sich noch erinnern?
Dieses Gefühl: „Jetzt ist aber auch mal gut!“ So um den 20. Dezember setzt es ein: Runter kommen, alles was jetzt noch getan werden muss, kann auch bis nächstes Jahr warten. Und sich dann freuen, dass es tatsächlich eine Zeit im Jahr gibt, wo selbst ich überlegen muss, welchen Wochentag wir gerade haben.
Solche „Jetzt ist aber auch mal gut-Tage“ sind selten. Und je älter ich werde, desto wichtiger werden sie für mich. Vor allem, weil schlagartig in der ersten, oder mit etwas Glück erst in der zweiten Januar Woche auftaucht, was gar nicht so gut gewesen ist. Und dann ist es plötzlich da: Das neue Jahr und alles was gewartet hat, duldet keinen Aufschub mehr.
„Locker lassen!“, sage ich mir dann oft, aber das ist leichter gesagt als getan. Denn: Nur der kann es „gut sein lassen“, der vorher ordentlich was geschafft hat. Ist doch so, oder?
Wie wäre es allerdings, den Tag nicht mit Kaffee und dem Öffnen der E- mails zu beginnen, sondern mit einem „Jetzt ist aber mal gut“? Führt zu Faulheit, sagen die Einen, bringt nichts, die Anderen. Also: hilft nur ausprobieren, denn in jedem Gebet sagt Gott zu uns: Junge, sagt er, Mädchen, sagt er, also eigentlich sagt er: Mensch, lass mal gut sein!
Beten ist eigentlich ganz einfach: Kaffee wegstellen, Kippe aus und Händefalten. Händefalten muss man nicht, hilft aber. Gibt inzwischen natürlich auch dafür ́ne App, ich nehme aber immer noch das kleine gedruckte Büchlein zur Hand, also vor dem Händefalten. Heute heißt es da: „Bei dir, Jesus, will ich bleiben; halt mich fest, denn ich bin schwach.“
Klingt ja fast weihnachtlich, hab ich gedacht, schade, dass der Baum schon raus ist, hätte ich heute Abend noch mal anmachen können. Denn ursprünglich dauerte die kirchliche Weihnachtszeit mal bis zum 2. Februar. Auch wenn kein Baum so lange durchhält: Ihnen noch zwei schöne Festtage.

Dieser Beitrag wurde am 31.1.2020 bei Kirche in WDR2 gesendet und kann hier noch einmal nachgehört werden:

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