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Socken, und Bonbons -Protestantismus für Kinder

Ob Peter Hintze an der Einführung der Luthersocken („Deutsche Luthersocke – ‚Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.’Gr. 23-26, Kinder; rubinrot, türkis; EUR 5,50 brutto“) beteiligt war, ist nicht bekannt. Erfahrung mit Sockenkampagnen hätte er immerhin. Kurz vor dem Reformationsjubiläum 2017 nimmt die Gadget-Flut mit dem Konterfei des Reformators kein Ende. Ob Lutherbonbons, Lutherol, Lutherbier oder Plastik Püppchen, D. Martinus könnte es locker mit Jürgen Klopp als Werbeträger aufnehmen. Eigentlich warte ich nur noch auf die Erasco Werbung für Dickebohnensuppe („Das Gute daran ist das Gute darin“) mit dem Slogan „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ -aber das wäre vermutlich doch zu deftig.

Indes: Die Marketing Abteilungen der verschiedenen Kirchen stricken an weiteren Produkten. Neuster Renner Lutherkaffe, „markant, kräftig, vollmundig“. Eine Mischung, die nicht jedem schmeckt, daher auch im Angebot die Mischung „Katharina von Bora“, die -kein Scherz, leider- „besser verträglich und für viele Gelegenheiten geeignet“ sei. Darauf für den Mann erst mal ein Lutherbier! Die Frauen müssen auf den „Katharina-Aperol-Spritz“ noch warten!

Was lernen wir aus alledem über den Protestantismus? Offenbar ist die evangelische Kirche nicht weit von einer Spaßkirche der Besserverdienenden entfernt. Wurde der @landesbischof schon mit einer „2017“ unter der Schuhsohle gesichtet? Es scheint derzeit nicht unwahrscheinlich, dass die EKD schon Kontakt zu Christian Lindner aufgenommen hat, um Strategien für einen Neuaufbau nach dem Reformationsjubiläum zu beraten.

Und noch etwas lernen wir: Es gibt nicht nur einen Lutherkaffe, sondern (mindestens) zwei, die unabhängig voneinander entwickelt wurden. Dezentralität ist Stärke und Verhägnis zugleich. Aber das wissen wir als Bundesbürger, die „Föderalismuskommission“ ebenso fehlerfrei schreiben können wie Schnapps Schnaps, nur allzugut. Es wird übrigens gemunkelt Udo Lindenberg solle eine Hymne zu den Feierlichkeiten beisteuern. Der Refrain ist schon fertig: „Ich mach mein Ding, egal was die andern sagen“.

Bleibt die Frage wohin mit all den Devotionalien, wenn der ganze Spaß vorbei ist? So einfach wie das alte katholische Gesangbuch lassen sich all die Sachen jedenfalls nicht recyceln. Bleibt nur noch der gelbe Sack -mit Jubiläumslogo und dem Aufdruck „Madensack“*. Die Wertstoffkette hätte sich geschlossen. Martinus Eleutherius wäre vergnügt, erlöst befreit.

*„Ich bitte, man wollt meines Namens geschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther? Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für niemand gekreuzigt. Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, daß man die Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen? Nicht also, liebe Freunde, laßt uns tilgen die parteiischen Namen und Christen heißen, des Lehre wir haben.“

P.s.: Wer eine weniger zotige Kritik am Reformationsjubiläum/Lutherjahr/Christusfest lesen möchte, sei auf „Vom Fremdeln mit dem Reformationsjubiläum 2017“ verwiesen.