Allgemein

Erfahrungen mit meinem ersten Twittergottedienst

TwittergottesdienstAm 13.2.2011 habe ich einen den Twittergottesdienst in unserer Gemeinde gefeiert.
Dabei gab der bevorstehende Valentninstag das Thema vor: Es sollte ein Gottesdienst für Liebende sein.
Inhalt (Thema: Liebe) und Form (Technik: Gezwitscher) in einen losen Zusammenhang gestellt werden.
Twitter wurde in einer besonderen Form angewandt, indem ein Twitterwall (twitterwallr.com) errichtet wurde, auf denen die Tweets der Gottesdienstbesucher erschienen.
Eigentlich diente die Twitterwall im Gottesdienst dazu, das was sonst bei der Methode des Bibelteilens durch sprachliche Betonung (Lautcollage) entsteht zu Visualisieren (Textcollage). Dieser Versuch ist gelungen, wenngleich die Leinwand (3x2m) im Kirchraum ruhig noch etwas größer hätte sein können.
Von den gut 60 Besuchern war nur ein kleiner Teil mit Laptops gekommen und nur der anwesende Lokal- Journalist hatte ein Smartphone, war aber mit der Dokumentation beschäftigt und konnte daher nicht mitfeiern.
Der Großteil der Tweets wurde daher von zwei aufgestellten Laptops abgesetzt, die im Kirchraum per WLAN mit dem Internet verbunden waren. Leider blieben die zahlreich erschienenen Konfirmanden mit ihren iPod´s ausgesperrt, weil entweder der Router oder die Telekom sich weigerte mehr als fünf IP´s im unverschlüsselten WLAN zu verteilen.
Dem muss ich noch auf den Grund gehen…

Inhaltlich wurde die Twitterwall dazu genutzt dem Lesungstext aus dem 1. Korintherbrief besondere Betonungen zu verleihen. Dazu waren die Gottesdienstbesucher aufgerufen diejenigen Worte, Satzteile, Begriffe zu Twittern, die ihnen besonders nahe lagen. So entstand in zwei Textlesungsrunden eine Wortkollage zum Bibeltext vor den Augen der Teilnehmer. Als augenzwinkender Gimmick kam die Lesung „stilgerecht“ von einem iPad.
Zum Abschluss des Gottesdienstes waren alle aufgefordert sich an dem Fürbittengebet twitternd zu beteiligen.
Das war dann aber doch etwas zuviel verlangt. Denn für die meisten Gottesdienstbesucher war es nicht nur der erste Twittergottesdienst, sondern auch die erste Begegnung mit Twitter überhaupt.

Neben dem technischen Aufwand (zwei Beamer, zwei Rechner, ausreichendes WLAN durch Repeater) ist besonders zu erwähnen, dass allein der Umstand, „das Internet“ 🙂 in den Gottesdienst einzubeziehen für viele Besucher doch sehr fremd ist.
Allerdings wurde im Nachgespräch doch erkannt, dass darin doch noch weiteres Potential stecke z.B. wäre in der Tat durch diese Technik die Möglichkeit gegeben Kommunikation der Teilnehmer untereinander herzustellen oder auch Anmerkungen zur Predigt zu machen, die dann vielleicht sogar in diese einfliessen könnte.
Aus dem „Frontalgottesdienst“ würde ein „Mitmachgottesdienst“ wie einer der Besucher in seinem Blog anmerkte.
Dort gab es auch noch eine wichtige Anmerkung, was die Erscheinung der eigenen TL (Timeline) angeht: „Was ist wen ich sonst nur über Linux twittere und plötzlich erscheint ein Gebet dort.“ Will ich das, schließlich weiß dann jeder, dass ich einen Gottesdienst besuche (und vielleicht -GAU- kostet das Follower!).

Soll man also noch mehrere öffentliche Accounts bereitstellen, die man ggf.s nach dem Gottesdienst wieder löschen kann?
Immerhin zeigen diese Erfahrungen, dass in dem Vorhaben noch Entwicklungspotential steckt.
Den nächsten Twittergottesdienst werde ich als Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden vorbereiten. Die haben das freie WLAN für ihre Handys und iPods jedenfalls schneller entdeckt, als man schauen kann…
Und die Mitarbeitenden Jugendlichen in der Konfirmandenarbeit hätten dann auch eine Aufgabe: Sich um die technische Realisation zu kümmern. Dann habe ich mehr Zeit für die inhaltliche Vorbereitung. Denn das Verhältnis zwischen beiden geriet -wie bei Premieren üblich- aus dem Lot.
Womit nicht gesagt ist, dass meine Predigt zum Liebespaar Sara und Abraham schlecht gewesen wäre, aber die Aufmerksamkeit im Gottesdienst liegt eindeutig auf der Visualisierung. Daher gilt es gen Ablauf eines Twittergottesdienstes noch einmal genau zu überlegen, insbesondere wenn die Wall nicht nur zum posten, sondern zur gegenseitigen Kommunikation (evtl. sogar im Virtuellen Raum!) genutzt werden soll.
Vielleicht ergeben sich ja neue Einsichten auf dem Barcamp im Mai in Frankfurt….