Luft nach oben

„Mit Gott hab ich ja keine Probleme, aber sein Bodenpersonal, da ist viel Luft nach oben, sag ich mal.“ Solche Sätze, egal wo, egal in welchem Zusammenhang geäußert, finden immer viel Beifall.

OK, Kirchentage ausgenommen, obwohl da wird auch immer viel geklatscht. Wenn man dem Bodenpersonal mal so richtig eine klatschen kann, ist die Beißhemmung klein und die Freude groß. Um welches Personal es sich handelt, ist auch zweitrangig. Mindestens ebenso beliebt wie das Thema Kirche ist das Thema Deutsche Bahn oder sind deutsche Politiker im Allgemeinen. Jedenfalls solange diese ein Amt bekleiden und sei es auch nur das der Ortsausschuss Vorsitzenden. Alle inkompetent. An den kleinen Mann auf der Straße denkt ja keiner, darum darf er sich auch ausmalen, was er alles macht, wenn er König von Deutschland oder Papst oder am liebsten mal kurz Gott selbst spielen darf.

Wer meint, das alles sei diesen schnellen digitalen Zeiten geschuldet und besonders diesem ach so bösen Internet, der ist überrascht, wenn er in die Bibel schaut und entdeckt, was da von Gottes Bodenpersonal zu lesen ist:

Als sich abzeichnet, dass die Sache mit Jesus nicht gut ausgehen wird, machen sich diejenigen, die mit ihm unterwegs sind, so ihre Gedanken: Wer übernimmt den Laden hier eigentlich, wenn der Meister nicht mehr da ist? Eine Frage, die sich die Jünger stellen, noch ehe Jesus gekreuzigt wird. „Na, tolle Truppe!“, wird Jesus gedacht haben, aber er kennt seine Pappenheimer.

 „Was habt ihr da unter euch getuschelt?“, fragt er und sie müssen kleinlaut zugeben: „Na, wer der Größte unter uns ist!“. Weil mit Jesus nicht nur Männer unterwegs sind, sondern auch Frauen und Kinder, nimmt er eins von den Kindern in Arm, stellt es in die Mitte der Gruppe und sagt: „Wer ein Kind mir zu Liebe aufnimmt, der nimmt mich auf!“

Also: Tut was getan werden muss! Und meint nicht, ihr müsstet erst an die Macht kommen, um Dinge verändern zu können:  »Wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen und ihnen dienen.« (Lk. 9,35)

Es ist leicht dem heutigen Bodenpersonal vorzuwerfen, aus Angst vor Kontrollverlust die eigenen Quellen nicht ernst zu nehmen.  Man muss nicht erst Macht und Einfluss haben, um etwas tun zu können. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben geschehen sowieso nur durch Zuwendung. Und da ist die Luft nach oben sogar unendlich.

Der Beitrag war am 12.9.2019 bei „Kirche in WDR2“ zu hören und kann hier noch einmal nachgehört werden.

 

Bild: https://unsplash.com/photos/3VK67FSS780