Alle Artikel mit dem Schlagwort: Johannes

„Ewiges Leben“ – ein Erklärungsnotstand

Schnelle und einfache Antworten sind gefragt, besonders dann, wenn es kompliziert zugeht. Da mag man dem Predigttext aus dem 1.Johannes Brief mit Nachsicht begegnen, immerhin versucht er sich in der Beantwortung der Frage, wie sich Gottes Ewigkeit zu unserem Leben verhält. Da wir unser Leben nicht ohne das Vergehen von Zeit betrachten können, kommt eine Rede vom „ewigen Leben“ in Erklärungsnot. Was für die Rede von Gott als unverzichtbar erscheint, wird in der Übertragung auf den Menschen unvereinbar: Gott ist ewig, wir sind endlich. Gott ist im Himmel, der Mensch auf Erden. Hätten wir nicht gerade noch die Weihnachtsbotschaft im Ohr, dass Gott Mensch wird, würden wir dem vorbehaltlos zustimmen. So aber hören wir, dass Zeit und Ewigkeit einander nicht ablösen und auch nicht auseinander fallen. Wir hören es als Verheißung, die sich erfüllt hat und die sich im Glauben als wahr erschließt. Der Ort eines „ewigen Lebens“ ist darum dort, wo sich Bindung an den Mensch gewordenen Gott ereignet. Wer schnell und einfach antworten will, sagt dann auch Sätze wie: „Wer den Sohn hat, der hat …

Einfach bitte, bitte sagen. Joh. 16,23-28

foto: sxc.hu Einfach bitte, bitte sagen und es geschieht. Das wäre schön. Immer. Die Erfahrung sagt aber etwas anderes. Nicht jede Bitte wird gewährt, viele werden ausgeschlagen. Das ist auch nicht anders, wenn es um die Bitte in Form eines Gebetes geht. Manch einer wird sagen: „Na, da doch erst recht! Der liebe Gott, macht doch, was er will.“ Folgen wir dem Evangelisten Johannes im Predigttext für den morgigen Sonntag kommt es allerdings ganz anders: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.“ (V23) Ein riskanter Satz, der da Jesus in den Mund gelegt wird. Riskant, weil das naive Missverständnis jedweder Wunscherfüllung befeuert wird. Und riskant, weil die christologische Zuspitzung („in meinem Namen“) folgenlos überhört werden kann. Dabei ist das christliche Bittgebet, der Dreh- und Angelpunkt jeder theologischen Überlegung. Denn in diesem Gebet lassen wir uns auf die Gemeinschaft Jesu mit Gott so ein, dass wir sie zugleich an uns geschehen lassen. Beten ist daher bitten um dieses Geschehen-Lassen und staunend vor dem stehen, was Gott für mich …

Es tut sich etwas! 3. Advent über Mt.11,2-30

Eine Botschaft, die selbst durch dicke Gefängnismauern dringt: „Es tut sich etwas!“ Nur kann sich der Insasse selbst kein eigenes Bild von den Geschehnissen dort draußen machen. Also schickt er Gefolgsleute aus. Sie sollen Gewißheit bringen: „Bist du es, der da kommen soll? Oder müssen wir auf jemand anderen warten?“ Die im Matthäus Evangelium überlieferte Szene ist Advent 0.0. http://www.ekir.de/url/DaJ Eine Ersterwartung, ob sich Gottes Verheißung in Jesus tatsächlich erfüllen wird, oder ob die Zeit noch nicht reif ist. Der morgige Predigttext entfaltet seine Freudenbotschaft erst dann richtig, wenn der rote adventliche Reset-Knopf gedrückt wird: Alles auf Null! Neu hören, wie die ersten Jünger hören. Zweifeln, ob es wirklich wahr sein kann, dass der, der da kommt wirklich zu den Unvorbereiteten kommt. Zu denen, die am Rand stehen, die keine Beachtung finden, deren Stimme nichts gilt (V5). Wehe dir, Kirche, du vergisst an wessen Seite du zu stehen hast. Sein Weheruf erginge auch an dich. Foto: Knut Dahl