Alle Artikel mit dem Schlagwort: Apostelgeschichte

Areopag und re: publica (acta 17,22-34)

„Franz stand mitten in Berlin auf der re:publica und sprach: Liebe Nerds, ich sehe, dass ihr das Netz in allen seinen Teilen sehr verehrt. Ich bin durch viele Sessions gezogen und fand eine Bühne auf der stand: Grundrauschen.Vielleicht hilft euch, wenn ich euch erzähle, wie ich dieses Grundrauschen verstehe: Es rauscht, weil Gott es so will. Er selbst wohnt nicht in Kirchen oder auf öffentlichen Plätzen. Er muss auch nicht von irgendwem herbeigeredet werden. Er, der uns WLAN, Wasser und Wein gegeben hat, ist empört. Jedem Menschen hat er Freiheit gegeben und den Forschergeist zu suchen, was glücklich macht. Wir sollen in allem Rauschen IHN spüren und finden, denn er ist jedem von uns so nahe wie das Heimnetzwerk. Durch IHN allein leben wir, ihm verdanken wir, was wir sind. Weil wir von IHM herkommen ist es doch Unsinn zu glauben, er ließe sich in Heiligenbildchen und Domen einsperren. Bisher wollen wir nicht wahrhaben, dass Gott und Grundrauschen etwas miteinander zu tun haben. Seit Gott aber Jesus von den Toten auferweckt hat, ist doch klar, …

Gastliche Ökumene als Kirche der Zukunft (Apg. 16,9-15)

„Kommt herüber und helft uns.“ Wir sind auf Zusammenarbeit angewiesen. Erst recht wenn es darum geht Kirche zu bauen und im Namen Jesus Christi zu einander zu kommen und bei einander zu bleiben. Von beidem ist im Predigttext für den morgigen Sonntag zu lesen. http://www.ekir.de/url/dKS Ein wichtiges Ereignis wird erzählt: Der christliche Glaube kommt nach Europa, die erste Hauskirche entsteht. Sie ist weiblich, denn „Lydia tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.“ Jüdische Wurzeln hat diese kleine Gemeinde also, und wenngleich sie sich auf europäischen Boden befindet, ist die erste, die Gottes Wort dort hört keine europäische Frau. Lydia stammt aus einem Dorf nahe dem heutigen Izmir. Von Anfang an wird die Kirche Jesu Christi aus ökumenischen Wurzeln gespeist. Wie konnte es kommen, dass das in Vergessenheit geriet? Freie Bürger, Sklavinnen und Sklaven, Freigelassene kommen zusammen, bilden eine Sabbat Gemeinschaft, hören von Jesus und lassen sich taufen. Was folgt ist Nötigung zur Gastlichkeit: „Kommt in mein Haus und bleibt dort“ (V15). Braucht es eine andere …

Spiel nicht mit den Schuddelkindern…

„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder!“ – das mag wohl Petrus am Anfang der Erzählung aus der Apostelgeschichte gedacht haben, die am kommenden Sonntag Predigttext für den dritten Sonntag nach Epiphanias ist. Apg.10,21-35 . Für den ersten unter den Aposteln war klar, dass der Umgang mit nicht jüdischen Menschen unrein mache. Heute müsste er sich den Vorwurf des „Rassismus“ gefallen lassen. Beinahe jedenfalls, den Petrus zeigt sich lernfähig. Eine einzige menschliche Begegnung lässt ihn umdenken, seine Erziehung vergessen. Im Lichte des Evangeliums bekommt er Klarheit: „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1.Tim.2,4) –nicht nur einige wenige Auserwählte. Oder wie es im Predigttext heißt: „Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm.“ Der Apostel Paulus würde wohl ergänzen: „Spiel ruhig mit den Schmuddelkindern, sing ruhig ihre Lieder. Sing sie aber nach der neuen Melodie des Evangeliums!“

Apostelgeschichte 12, 1-12

„Wegschließen und zwar für immer.“ Das war in der Antike keine Lösung. Da wurden unliebsame Gegner schon mal schnell einen Kopf kürzer gemacht. Davon weiß der Predigttext des kommenden Sonntages aus der Apostelgeschichte Kap.12,1-12 zu berichten. Aber nicht nur das. Vielmehr geht es um eine Befreiungsaktion aus dem Knast. Petrus wird von einem Engel aus seinen Ketten befreit und so aus der Hand seines Peinigers Herodes errettet. Was bei Petrus durchaus in Ordnung geht, und in der lukanischen Erzählung der Ausbreitung des frühen Christentums sogar zwingend erscheint, bereitet als grundsätzliches Programm immense Schwierigkeiten: Wer sich für die Öffnung von Gefängnissen einsetzt, wird -außer von Seiten der Gefangenen- wenig Zustimmung erfahren. „Wegschließen und zwar für immer“ trifft da eher den Ton, den die Massen sprechen. Deswegen hält Gott dagegen: Er setzt von Anfang an in seiner Geschichte mit den Menschen alles unter das Vorzeichen der Freiheit. Der Exodus („Auszug“ der Israeliten aus der Sklaverei) ist die alles bestimmende Erfahrung in der Geschichte Israels, auf der alle Freiheitsthematik kirchlicher Tradition fußt. Wenn die lukanische Geschichtsdeutung an dieser …