Allgemein
Schreibe einen Kommentar

Reformation in der Krise

„Selfies führen zur Vereinsamung“ ist im Memorandum zum Reformationsfest 2017 zu lesen. Herausgeber sind Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff. (Zum Text bitte auf folgenden Link klicken: Memorandum zum Reformationsfest 2017 ) Auch wenn in der Analyse vieles richtig beobachtet ist, der kirchliche Kardinalfehler zwischen „virtuell“ und „real“ findet auch im Memorandum seinen Niederschlag:

„Das „Selfie“ mit dem iPhone steht für die zunehmende und alleinige Konzentration des Menschen auf sich selbst. Von Kindesbeinen an daran gewöhnt, führt das zu einer inneren Vereinsamung, lässt menschliche Beziehungen verkümmern und den realen Nächsten zugunsten des virtuellen aus den Augen verlieren.“

Schade eigentlich, denn gerade ein Blick auf die digitale Transformation könnte helfen zu zeigen, wo kirchliches Handeln verändert werden müsste um -Zitat- „die Erkenntnisse“ der Reformation „und die Bedingungen für Überzeugungskraft ins 21. Jahrhundert zu übertragen, um so Menschen zu stärken.“ Folgerichtig taucht Digitalisierung auch gar nicht unter den gesellschaftlichen“ Anknüpfungspunkten“ auf. Die Frage, wie es „in einer schnelllebigen Zeit und einer sich rasant verändernden Gesellschaft“ zu einer „Beheimatung und … Verwurzelung im Unverwechselbaren“ kommen soll, ohne dass auch digitale Beziehungen geschaffen werden, muss daher unbeantwortet bleiben. So gilt auch für das Memorandum selbst, was von „der Kirche“ gefordert wird:

„Die Kirche wird sich gerade in diesem Jubiläumsjahr offen und ehrlich mit ihrer eigenen Krise auseinanderzusetzen haben, auch mit dem gravierenden Schwinden ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Akzeptanz. Sie wird so selbstbewusst wie konfliktfähig ihre Vergangenheit kritisch in den Blick nehmen und sich darüber klar werden, was in unserer 500jährigen Geschichte wie und warum schief gelaufen ist.“

Vielleicht sollten die in der Kirche für Digitalisierung Verantwortlichen tatsächlich einfach nur ihren „Job machen“ auch wenn darin -nach Meinung der Verfasser- kein Segen drauf liegt.