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Mediale Aufmerksamkeit und deren Folgen

Wenn ich mir den 9/11 Hype um die krude PR-Aktion von „Pastor“ Terry Jones ansehe, bekomme ich doch den Verdacht, dass sich Nachrichten (und leider auch deren Bewertung!) immer öfter in 140 Zeichen pressen lassen müssen.
Schaue ich mir meine Twitter-Timeline an, bekomme ich beim hashtag #kirche überwiegend Beiträge, die am liebsten alle Religionen abschaffen würden. Gegen „Islam“ und „Christentum“ kann man offenbar guten Gewissens sein, schließlich sind Religionen doch an den meisten Konfliktherden der Welt unmittelbar beteiligt…

Streichholz

foto: sxc.hu


Dass „die Medien“ die Zuspitzung lieben (siehe „Deutschland schaffte sich ab“) und gerade deshalb mit kurzen „Top-News“ die größte Verbreitung finden ist jedenfalls gewollt. Für Hintergründe und Recherche bleibt den jeder „Konsument“ selbst verantwortlich. Gerade diese Recherche bleibt aber oft aus, denn die vielen „Häppchen-Nachrichten“ geben doch das gute Gefühl informiert zu sein. Da kann dann bei vielen Themen munter mit-schwadroniert werden. Und selbst ein Bundespräsident gibt in seinem Amt plötzlich eine Bewertung ab, wenn ihm ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird.

Im Fall der Christen-Sekte in Florida konnte man leicht herausfinden, dass die ganze 50 (!) Mitglieder hat. Wenn dann 4000 Menschen (aus verschieden Religionen) gegen Fundamentalismus auf die Strasse gehen, ist das nur noch eine Randnotitz wert. Die Intervention verschiedener US-amerikanischer Kirchen (z.B. der UCC) wurde dann schon gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. „Der Spiegel“ hat übrigens etwas vollkommen richtiges getan: Er hat die Tochter des „Problem-Pastors“ interviewt. Darin entsteht der Eindruck: Armer Irrer!

Differenzierung ist halt sperrig (-;
Und braucht auch in einem kurzen Blog Beitrag so um die 250 Worte (!) und natürlich ein paar links…

Weiterhin bedenklich ist, dass in vielen Freitagsgebeten die 50 Mitglieder Sekte thematisiert wurde. Und ebenso bedenklich ist, dass die latente Islamfeindlichkeit in Deutschland auch vor unseren Kirchentüren nicht halt macht.