Kategorie: Kirche im WDR

Kirche im WDR

Machen was ich will

Ich treffe ihn mitten im Wald – Reinhold – 66 Jahre alt. Es regnet in Strömen. Wir haben uns unter gestellt – in einer Schutzhütte. Reinhold sagt: „Ich mach jetzt nur noch, was ich wirklich will! Das ist zwar eine späte Erkenntnis, aber immerhin besser als gar keine. Man muss den Wald schon sehr mögen, um bei diesem Wetter unterwegs zu sein. In dem dem dunklen Unterstand riecht es nach Lehm und kalter Holzkohle. Früher bin ich oft am Wochenende in die Alpen gefahren, „zum klettern“, sagt er und deutet auf seinen Filzhut. Dort steckt eine Nadel vom Alpenverein. Seit 50 Jahren ist er bereits Mitglied. Oft ist er mit seinem Vater losgezogen – ein richtig wilder Hund. Von ihm habe er viel gelernt. Im Laufe der Zeit aber nicht alles beherzigt. Zu abgelenkt sei er gewesen, hätte nicht mehr unterscheiden können, was wichtig und unwichtig ist im Leben. „Dann ist einiges aus dem Ruder gelaufen“, sagt er…

Baby Hand
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Blau oder Rosa?

Die Einladungskarte habe ich in die Mitte unseres Adventskranzes gestellt. Ich finde dass passt. Meine Familie findet das unpassend. „Das ist so gar nicht adventlich“ sagen sie. Außerdem Brandgefahr usw. „Na gut!, sage ich, nehme die Karte mit ins Büro und stelle sie auf meinen Schreibtisch. „Herzliche Einladung zur Bestimmungsparty“ steht da auf der Vorderseite und auf der Rückseite ein Ultraschallbild von einem ungeborenen Baby, darunter steht „Blau oder Rosa?“…

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Wann reisst der Himmel auf?

Es ist immer noch sehr warm. Am Morgen. Dabei ist es erst viertel vor acht. Auf der Straße ist niemand zu sehen.Von der Bushaltestelle drüben kommt Musik. Das kleine Kofferradio liegt im Transportkorb eines blauen Rollators, auf den sich ein kleiner, älterer Herr stützt. Die Antenne des Radios berührt bei jedem Schritt seinen, kleinen Kugelbauch. Sein Strohhut ist so groß – er würde glatt noch einem zweiten Rollator Schatten spenden können. Jetzt hat er den Lautstärkeknopf bis zum Anschlag aufgedreht: „Infos, die ich brauche, Musik, die ich mag“ tönt es aus dem Lautsprecher.

Er lässt sich etwas unbeholfen auf die hölzerne Bank an der Haltestelle fallen. Dann beginnt sein Fuß im Rhythmus der Musik zu wippen…

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Keine Termine

Der Blick in den Terminkalender verheißt nichts Gutes. Die Ferien sind gerade vorbei, da geht alles wieder los. Die ganz normale Arbeit. Das Sich Abhetzen – von Termin zu Termin. Zum Einkaufen, zum Sport, der Grillabend, das Open-Air Kino, die Partei, die Kirche. Und plötzlich wird Opa auch noch 80!

Was früher ins gute alten DIN A5 Format gepasst hat, erscheint heute in schönen farbig abgesetzten Balken auf dem Bildschirm. Jedenfalls wenn man die digitale Variante wählt und das tun bekanntlich immer mehr Menschen.  Als kürzlich der Google Kalender down gewesen ist, haben  Sie da noch auf Ihre Termine zugreifen können? Im Netz  ist die Empörung natürlich groß gewesen. Empörung geht ja eigentlich immer. Hier und da hat es aber auch Erleichterung gegeben: „Hey, klasse“, schreibt da jemand, „ich habe keine Ahnung, wo ich in 30 Minuten sein soll, gehe jetzt Eis essen.“…

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Luft nach oben

„Mit Gott hab ich ja keine Probleme, aber sein Bodenpersonal, da ist viel Luft nach oben, sag ich mal.“ Solche Sätze, egal wo, egal in welchem Zusammenhang geäußert, finden immer viel Beifall.

OK, Kirchentage ausgenommen, obwohl da wird auch immer viel geklatscht. Wenn man dem Bodenpersonal mal so richtig eine klatschen kann, ist die Beißhemmung klein und die Freude groß. Um welches Personal es sich handelt, ist auch zweitrangig. Mindestens ebenso beliebt wie das Thema Kirche ist das Thema Deutsche Bahn oder sind deutsche Politiker im Allgemeinen. Jedenfalls solange diese ein Amt bekleiden und sei es auch nur das der Ortsausschuss Vorsitzenden. Alle inkompetent. An den kleinen Mann auf der Straße denkt ja keiner, darum darf er sich auch ausmalen, was er alles macht, wenn er König von Deutschland oder Papst oder am liebsten mal kurz Gott selbst spielen darf.

Wer meint, das alles sei diesen schnellen digitalen Zeiten geschuldet und besonders diesem ach so bösen Internet, der ist überrascht, wenn er in die Bibel schaut und entdeckt, was da von Gottes Bodenpersonal zu lesen ist…

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Ein Herz für Streuner

Mein Nachbar glaubt jetzt an Gott. Also an eine höhere Macht. Also eigentlich an etwas, was größer ist als wir, aber dafür einen Plan hat. So hat er es mir gestern jedenfalls erzählt. Und das kam so:

In unserer Gegend gibt es einen streunenden Kater und der Nachbar kümmert sich drum, denn er ist schon sehr alt. Also der Kater und der Nachbar übrigens auch. Vielleicht verstehen die beiden sich deswegen so gut. Jedenfalls darf der Kater beim Nachbarn kommen wann er will und auch wieder gehen so lange er will. Beiden ist diese Freiheit wichtig. Das gefällt nicht allen in der Nachbarschaft. Wer etwas gegen Katzen hat, hat auch etwas gegen Freiheit meint der Nachbar und meint damit die Dame aus dem Erdgeschoss gegenüber. Sie ist auch der Grund, warum er jetzt an Gott glaubt. Vor einigen Wochen, im April, als es noch einmal so richtig kalt wurde, hat er sie nämlich dabei beobachtet, wie sie den Kater zu verscheuchen suchte. Und zwar mit einem kalten Eimer Wasser, den sie über ihn schüttete. Daraufhin habe sich der Kater so erkältet, dass er sogar zum Tierarzt gehen musste. Eine ganze Woche musste er ihn richtig aufpäppeln. Das ist doch Tierquälerei! Und die werde bestraft. Das wisse er nun. Denn kurze Zeit später, nach der Aktion mit dem Wassereimer sei die Dame aus dem Erdgeschoss selber an einer Lungenentzündung erkrankt. Und da sei ihm deutlich geworden, dass es einen Gott gäbe…

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Wir schaffen das

Der Fahrrad Verkauf über das Kleinanzeigen-Portal im Internet hat bisher immer gut geklappt. Besonders Räder für Kinder und Jugendliche gehen gut weg, schließlich werden sie verhältnismäßig wenig genutzt, denn irgendwann sind die Beine länger geworden, dann muss ein größeres Gerät her. Diesmal hatte ich etwas zu verkaufen. Der Hersteller bewirbt es mit: „Das Fahrrad, das mit wächst.“ Und in der Tat: Es war nicht nur einen Sommer, sondern ganze drei Jahre im Einsatz, dank der pfiffigen Konstruktion. Ein Anrufer meldete sich noch schneller als sonst auf die Anzeige und noch am selben Abend gab es einen Besichtigungstermin. Oma und Opa waren auf der Suche nach einem Geschenk für ihre Enkelin und der Geburtstag war schon morgen! Lange hatten beide gesucht und nicht das passende gefunden, denn das Mädchen war sehr klein für ihr Alter und die meisten Räder passten einfach nicht. Während ich Opa die Technik der Verstellmöglichkeiten erkläre, schaut Oma sich im Flur um…