Alle Artikel mit dem Schlagwort: Predigt

Betender Mann

Predigt zur Einführung im Knast

foto: sxc.hu Anlässlich einer Einführung in eine Gefängnispfarrstelle an einem Buß- und Bettag könnte einem in den Sinn kommen, dass zusammenkommt, was zusammengehört: Büßen und Beten! Knast trifft Kirche! Denn, dass das Büßen in der evangelischen Kirche ein Schattendasein führt, ist nicht erst seit der Abschaffung des Buß-und Bettages als gesetzlichem Feiertag wahrnehmbar. Dazu kommt, dass das Wort Buße im umgangssprachlichen Gebrauch lauter negative Assoziationen weckt: „Bußgeldbescheide“ sind die Strafen für Verkehrsvergehen. Wer in einer Haftanstalt seine Strafe „abbüßen“ muss, ist ein Mensch, dem die Freiheit der Lebensführung entzogen wird. „Etwas büßen müssen“ bedeutet auch sonst, die negativen Konsequenzen seines Tuns und Verhaltens ertragen müssen. „Buße“ hat es in all‘ diesen sprachlichen Wendungen immer mit einer Art Erleiden zu tun. Allerdings gilt auch, dass „Buße“ so etwas wie das erste Wort der Reformation ist: „Als unser Herr Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße‘, da meinte er, dass unser ganzes Leben eine Buße sein solle“. So lautet die erste der 95. Thesen, die Luther 1517 wenn auch nicht an die Kirchtür zu Wittenberg, so doch in großen …

Predigerinnen auf der re:publica

Ja, es gibt sie, die Predigerinnen und Prediger auf dem größten europäischen Internet Kongress, der in diesem Jahr auch hier und da als „Messe“ bezeichnet wurde. Auch wenn damit nicht die gemeint sind, die sonst auf Kanzeln anzutreffen sind. Derer war nur eine Hand voll anwesend. Und dennoch wurde „gepredigt“. Z.B. von Constantin Seibt. Seine Session erinnerte gelegentlich an die Klagelieder Jeremias, dem Propheten, der unter seinem Auftrag litt, wie kein zweiter. Er wird auch oft den Eindruck gehabt haben, dass sie ihm die „Kanzel unter dem Hintern weggezogen“ haben, als er forderte doch endlich „Haltung“ zu zeigen, statt sich in oberflächlichen Kleinigkeiten des Lebens zu ergehen. Keineswegs ein Klagelied stimmte dagegen Sarah Spiekermann an, die für die Entwicklung einer „ethischen Maschine“ eintrat. Psalm 8,6 wurde von ihr zitiert, wenngleich ohne Quellenangabe 😉

1.Kor 7, 29-31

Der Sommer vorbei. Der Weihnachtsmarkt seit 4. Oktober geöffnet. „Die Zeit ist kurz.“ Wer möchte dem Apostel Paulus da nicht zustimmen, was er im Predigttext für den kommenden Sonntag in 1.Kor.7, 29-31 formuliert. Freilich geht der Apostel das Problem grundsätzlicher an: Die Kürze qualifiziert die Zeit bis zur Wiederkunft Christi. Von dieser Erwartung her sollen Christinnen und Christen ihr Leben gestalten. Erstaunlicher Weise nicht nach dem Motto „Lasst uns essen und trinken, denn morgen kommt der HERR wieder“. Überraschend wird auch nicht zu totalem Verzicht aufgerufen, vielmehr wird eine überaus gewichtige Akzentuierung gesetzt: Menschliche Bedürfnisse haben ihre fraglose Berechtigung. Und sie haben ebenso ihre selbstverständliche Begrenzung. Totalität macht unfrei. Und weil Christus uns zu freien Menschen gemacht hat, ist ein Weg zurück in Abhängigkeit eine unmögliche Möglichkeit. Ein so verstandenes „Haben als hätte man nicht“ wird zum Dreh- und Angelpunkt christlicher Ethik. Leider verkürzt die Perikopenordnung die paulinische Argumentation. V23 liefert die Begründung , warum die Worte des Apostels für uns, die wir nicht in einer Naherwartung leben, immer noch Bedeutung haben. Ob Sommer oder …

Philipper 2, 4-11

Münzprägung war von alters her Demonstration von (göttlicher) Macht. Wer Münzen prägte, tat das mit Bildern, die Stärke und Kraft symbolisierten. Römische Kaiser verstanden sich bestens auf diese Art von Öffentlichkeitsarbeit/PR. Christen hatten in ihrer Anfangszeit dem nichts entgegenzusetzen. Fast nichts. Sie hatten Lieder. Und diese haben es in sich. Ein damals bekanntes Lied ist der Hymnus im 2.Kapitel des Philipperbriefes. Er besingt in kurzen Worten eine theologische Deutung des Kreuzestodes Jesu (VV.6-11) > http://ekir.de/url/LdG Diese Deutung ist die Begründung des Predigttextes für kommenden Sonntag, der mit folgenden Worten endet: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:“ (Phil2,4-5) In einer Zeit, in der Politiker Politik als Selbstverwirklichung betreiben können, abgehoben von der Niedrigkeit des Alltags der Menschen, ist dies ein Satz, der aufmerken lässt. Es gilt, Erfolg zu haben, voran zu kommen, auf die eigene Chance zu warten. Vieles bleibt auf der Strecke:Zuerst die, die nicht erfolgreich sein können, weil sie nicht gut …

Predigt über Jeremia 9, 22+23

Dank Spotlight lässt sich auf dem Mac die gesamte Festplatte schnell durchsuchen. Normalerweise mache ich das selten. Doch jetzt war ich fest davon überzeugt irgendwo müsse es noch eine Predigt von mir zu Jeremia 9,22 geben. Und tatsächlich, war in die Untiefen der alten Atari 1040ST Daten eine Predigt zu finden. Aus dem Jahr 1994. Auch wenn ich heute nicht mehr so predige (das war das erste Jahr in der Zeit des Vikariats) dachte ich: „Probiers doch mal mit einem alten Hund“. Und: Siehe da, die Rückmeldungen darauf waren so zahlreich, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht sollte ich zu meinem „alten Predigtstil“ zurückkehren? Hier nun die leicht überarbeitete Version (die dicksten alten Hunde sind schon rausgekürzt) 😉 „Sparen, liebe Gottesdienstgemeinde, sparen lautet das Motto der Stunde. Überall muss gespart werden. Öffentlich wie Privat, Staatlicht wie kirchlich. Auf allen Ebenen, vom Land oder Ministerium bis zum kleinen Betrieb von der Landeskirche bis zur einzelnen Gemeinde. Und das schon seit Jahren. Etliche Zahlen erhitzen Finanz- und Haushaltsausschüsse, eine Flut von Daten hält Presbyterien in Atem. Nein, …

Das besondere „Gefühl an Weihnachten“

Lieder haben es in sich! Weihnachtslieder allzumal! „Es stellt sich ein besonderes, unverwechselbares Gefühl ein; das verliere ich nie. Die Weihnachtslieder tragen mich jedes Jahr wieder in der Erfahrung des Besonderen“; so beschreibt ein Prominenter sein Empfinden. Selbst ein „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus dem dumpfen Lautsprecher eine Kinderkarusells gehört wohl auch ein wenig zu diesem „Besonderen“. An Weihnachten ist das Besondere, dass es eine scheinbar identische Situation gibt. Eine identische Situation die sich gleichwohl jährlich wiederholt. An Weihnachten klingt in uns an, was wir sonst immer meiden, weil es nämlich leicht langweilig wird; an Weihnachten suchen wir das Besondere im Identischen. Das Besondere im Identischen? Erklärt das dieses besondere unverwechselbare Weihnachtsgefühl? Geht es nicht genau darum, diesem Weihnachtsgefühl nachzuspüren? Es für mich fruchtbar zu machen, als eine Botschaft, als eine Lebenshaltung, die weit über diesen Heiligen Abend hinausreicht? Eben das Besondere im identischen zu entdecken? Das nun freilich schafft man nicht so leicht. Man und frau muss es sich vornehmen und wollen, dann kann so etwas gelingen: -Dass ich mich neu sehe. Meine Person in neuem Licht. -Dass …

Predigt über Philipper 4,4-6 (für Schnelleser)

Sonntagspredigten sind oft zu lang! Vielleicht nicht in der Kirche, aber zumindest am Bildschirm. Diese Art der Rückmeldung habe ich mehrfach zu hören bekommen. Oft habe ich in der Vergangenheit auch gespürt: „Für’s Netz müsstest du das prägnanter sagen“. Das gelingt oft nicht. Hier habe ich einen Versuch gemacht, eine Predigt aus dem Jahr 2009, die in diesem Monat sehr oft gelesen wurde, in einer gekürzten Fassung noch einmal „anzubieten“. Mal sehen, welche Fassung mehr Leser_innen findet…. Lächel doch mal! Freust du dich denn gar nicht? Nun sei doch nicht so! Dir kann man aber auch gar nichts recht machen! Vier Sätze, die wir nicht gern hören. Am Heiligen Abend in einer unbedachten Äußerung verwendet, können sie zu einem wahren Fiasko familiärer Befindlichkeit führen! Ich gebe zu ich hab´s nicht so mit dem Freuen. Der Zwang “gut drauf” zu sein, regt mich meistens mehr auf als an. Und dauergrinsende Fernsehgestalten, die mundgerecht die Welt erklären, lassen mich das Radio einschalten. Dabei schätze ich Freundlichkeit (zumal im Alltag) sehr und finde auch, dass man vor allem sich selbst gegenüber oft …