Aufgelesen

Neues altes System

Was sich in der Überschrift der Süddeutschen Zeitung, die sich auf den Spiegel beruft, zunächst anhört wie eine Ankündigung zur Überwindung der Krise des Kapitalismus, entpuppt sich dann doch als ein „Nachrichtlein“ bezüglich der Umstrukturierung in der Führungsetage des Deutschen Bank.

Wiedereinmal ein kleiner Beweis die Krise des kapitalistischen Systems kleinzureden als sogenannte Finanzkrise: „Krisen kommen, Krisen gehen, spätestens 2010 ist heile heile Gänschen, alles wieder gut. Das alles waren doch nur böse Banker Buben, die den Hals nicht voll kriegen konnten. Keiner hat ihnen schließlich Geld gegeben, niemand Aktien gekauft, „blue chips“ war ein Fremdwort und der Dax ein schwarz-weiss-gestreiftes Tier. Wir haben von nichts gewusst! Keiner hat die Volksaktie der Telekom gekauft und niemand ist bei der (Bank!) Allianz versichert.“ Partielle teutonische Amnesie: Die da oben waren es!

Wenn die gegenwärtige Krise des Kapitalismus mit ihren Einschnitten vergleichbar ist dem Mauerfall von 1989 (wie der ehemalige Außenminister Fischer meint) müsste doch statt der „Heile Gänschen-Rhetorik“ das Hohelied des Paradigmenwechsels gesungen werden.

Die Kirchen könnten es beginnen zu singen. Seit 1975 versuchen sie ein alternatives Modell des Wirtschaftens anzuschieben. Teilweise mit viel Gegenwind aus den eignen Reihen. Trotzdem ist der gegenwärtigen Situation ganz sicher an Oikocredit zu erinnern, und damit auch an das Modell der Genossenschaft.

In Zeiten, in denen Gesetze zur Enteignung überlegt werden, verliert selbst das Wort „Genosse“ langsam wieder seine Schrecken. Wenn es gelänge zu entdecken, welcher Schatz dahinter steckt, wäre dem „ökumenischen“ (den Erdkreis betreffenden) Gedanken mindestens genau soviel geholfen, wie gegnwärtig der FDP.