Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wirklichkeit

Nikolaus Schneider: Der Islam gehört auf andere Weise zu Deutschland

Präses Schneider hat in einem Interview in der „WELT“ über seine Motivation gesprochen Ratsvorsitzender der EKD zu werden. Daneben sprach er auch über die andauernde Integrationsdebatte, ja sogar über Theologie. Auf die Frage an seiner Freude an dem Amt des Ratsvorsitzenden „bekannte“ er: Es ist wunderbar zu erleben, wie mir hier in der EKD zugearbeitet wird, und die Möglichkeit zur Teilnahme an öffentlichen Debatten ist verlockend groß. Das heißt frei übersetzt:

Kirche ist nicht gleich Kirche!

Heute im Deutschlandfunk in der Sendung „Kontrovers“ ging es um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. So richtig kontrovers waren die eingeladenen Gesprächsteilnehmer allerdings nicht. Herr Martin Lohmann ist ja bekanntlich bekennender Katholik, mit einer manchmal abenteuerlichen politischen Argumentationslinie. Herr Stefan Vesper sah zwar ein, dass ein Glaubwürdigkeitsproblem bestehe, man wurde aber den Eindruck nicht los, dass die Medien doch alles zu undiffernziert „hochgekocht“ hätten. Immerhin der DLF Redakteur Hartmut Kriege gab zu bedenken, dass sie die katholische Kirche in ihrem Krisenmanagment doch sehr von der Gesellschaft entfernt habe. Richtig haarsträubend (aus evangelischer Sicht) wurde es dann, als es „theologisch“ zuging: Die Kirche sei von „oben“ als göttliche Stiftung eingesetzt, durch den Stifter Christus. „Das sei nun einmal so!“ Punkt. Das nun als „theologisch“ zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Das ist noch nicht einmal dogmatisch, sondern einfach apodiktisch. Zumal der 450. Todestag von Philipp Melanchton vor gerade einer Woche dazu Anlass geben könnte, diese Ekklesiologie (die im übrigen von nicht wenigen katholischen Neutestamentlern grundlegend anders beantwortet wird) aufs neue zu hinterfragen. In der …

Schleiermacher über Vulkane

„Alle Räder stehen still, wenn der starke Arm es will“. Im aktuellen Fall ist der starke Arm ein isländischer Vulkan und wir müssen als moderne Gesellschaft feststellen, wie abhängig wir von Naturgewalten sind. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, das gilt im Moment nur für eine Flughöhe über elft tausend Metern. Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl liegen offenbar sehr dicht beieinander. Das reizt den Theologen natürlich und ruft fast unweigerlich nach der Lektüre des großen Friedrich Schleiermacher. (Eine ganz kurze Einführung in Schleiermachers Denken -aus fundamental barthianischer Sicht- gibt Theoblog (link zum PDF-File). In Schleiermachers §4 der Glaubenslehre heißt es: Denken wir uns nun Abhängigkeitsgefühl und Freiheitsgefühl in dem Sinne als eines, daß nicht nur Subjekt, sondern auch das mitgesetzte Andere in beiden dasselbige ist: so ist dann das aus beiden zusammengesetzte Gesamtselbstbewußtsein das der Wechselwirkung des Subjektes mit dem mitgesetzten Anderen. (…) Demnach ist unser Selbstbewußtsein als Bewußtsein unseres Seins in der Welt oder unseres Zusammenseins mit der Welt, eine Reihe von geteiltem Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl; … Wir mögen unsere Verhältnisse zur Natur …

Erleuchtung paulinisch (Predigt 2.Kor.4,6-10)

2. Korinther 4. Kapitel, VV 6-10: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“ Glänzende Worte, gewaltige Worte, schwere Worte, die der Apostel Paulus hier den Korinthern zumutet. Uns bleibt doch vor allem der Schluss des Predigttextes in Erinnerung. Sind wir wirklich die, die bedrängt sind, die, die leiden, die Verfolgung erleiden, unterdrückt werden.

Australien ist hier!

Konnten wir letztens noch lesen: „Tote lebt!“ wähnten wir uns noch in Sicherheit. Wir sind nicht Australien! Nun passiert das ganze auch in Deutschland: „Totenschein für Lebendige“. Ist das ein Indikator für unseren Umgang mit dem Tod, der je älter wir werden, desto unspektakulärer wird? Oder ist es ein unmenschlicher, weil gewissenloser Umgang mit Gestorbenen?

Tote lebt!

Was sich erst wie eine Osterbotschaft liest, ist auf den zweiten Blick furchtbar tragisch und die Angst vieler vorm lebendig begraben werden scheint nicht gänzlich unbegründet. Einziger Lichtblick: Es passierte auf der anderen Seite der Weltkugel!

Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln! (Predigt über Lukas 24)

„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ (D. Bonhoeffer) Nur woran erkennt man den Auferstandenen? 13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. 17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; 20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. 21 Wir aber hofften, er sei …