Alle Artikel mit dem Schlagwort: Versager

Kronkorken

Vergibt Gott alles?

Er brauche eine ganz besondere Art von Vergebung meint Hartmut. Sein Blick geht stumpf gerade aus durch die Windschutzscheibe des Autos. Er sitzt auf dem Beifahrersitz, müsste eigentlich nur 50m zur Pforte des Krankenhauses gehen, aber er kann nicht. Zu oft ist er im letzten Jahr „eingefahren“ wie er es nennt. Als er endlich mit großer Mühe die Aufnahme erreicht hat, kann er auf die Frage, was er habe, gerade noch „Entgiftung“ sagen, dann verlässt ihn die Kraft. Zu schmerzlich die Erfahrung schon wieder versagt zu haben, zu niederschmetternd die Erkenntnis, dass die Droge größer ist als der Wille. Als Hartmut nach einer Woche Aufenthalt in der Klinik wieder zu klaren Gedanken fähig ist, frage ich ihn, was er denn gemeint habe mit dem Satz, er brauche eine „besondere Vergebung“. Zunächst druckst er rum, gibt vor, sich nicht mehr richtig erinnern zu können. Aber das stimmt nicht, wir haben schon mehrmals über Vergebung gesprochen. Dabei ist rausgekommen, dass Hartmut sich selbst nicht vergeben kann. Dass was er getan hat hält er für so schlimm, dass …

Kurve geht nach unten

Ein Herz für Versager

Versager sein, mag niemand. Der Versager ist nämlich jemand, dem nicht nur hier und da etwas misslingt, sondern der immer wieder auf ganzer Linie scheitert und dem deswegen das Label des „Losers“ -entweder als Fremd- oder als Eigenbeschreibung- anhaftet. Von Versagen, Scheitern, Verlieren zu erzählen ist mit Scham besetzt, obwohl es sich um zutiefst menschliche Erfahrungen handelt. Weil sich Erfolgsgeschichten aber besser verkaufen lassen, gehört es dazu Momente des Versagens zu verschleiern.  Im zwischenmenschlichen Bereich ist die Ausrede ein wirkungsvolles Mittel der Verschleierung, das allerdings im beruflichen Kontext strikt zu vermeiden ist. Die berühmte „Lücke im Lebenslauf“ ist unter allen Umständen in Bewerbungsunterlagen zu unterlassen. So nimmt das Erzählen der Erfolgsgeschichten ihren Anfang. Biblische Geschichten dagegen machen ernst mit menschlichem Versagen und dennoch muss dieses oft erst mühsam freigelegt werden: Zachäus gilt als ein Vorbild im Glauben, weil er sich beharrlich nicht davon abbringen lässt zu Jesus durchdringen zu wollen. Dass es sich bei ihm um einen notorischen Betrüger gehandelt hat, ist immerhin noch nicht ganz vergessen. Jakob, der Stammvater Israels, ist auch ein Muttersöhnchen, …