Alle Artikel mit dem Schlagwort: Sünde

Sündige tapfer!

Ich fahre auf der Autobahn, rechte Spur, knapp 100 km/h. Der Sportwagen, der mich gerade überholen will, verlangsamt sein Tempo. Die Fenster fahren runter. Etwas Stabartiges wird aus dem Fenster geschoben, ich erschrecke kurz, ist es eine Waffe? Dann erkenne ich die Action Cam auf einem Selfie Stick! Mein Auto und ich werden gefilmt. Was war geschehen? Hatte ich mich regelwidrig verhalten? Ich war mir keiner Schuld bewusst Ähnliches ist mir auf der Reise übrigens noch mehrmals passiert: Kurzes Hupen, Winken, Lachen, Klick –ein Foto. Um es kurz zu machen, es liegt nicht an mir, sondern am Auto. Mein „Bulli“ ist bald 40 Jahre alt, im Straßenverkehr selten zu sehen, dafür aber in jeder zweiten Werbung. Der alte Bus weckt Erinnerungen, Sehnsüchte und ist mittlerweile ein Lifestyle Produkt. Das war nicht immer so: Vor zwanzig Jahren, als ich ihn kaufte, erntete ich überwiegend Kopfschütteln. Kein Kat, ein Verbrauch zwischen 12 und 15 Litern Benzin, dazu noch Ölverbrauch und Ölverlust. In den Augen meiner Kolleginnen und Kollegen war ich ein Umweltverpester ersten Ranges. Inzwischen darf ich …

Kurve geht nach unten

Ein Herz für Versager

Versager sein, mag niemand. Der Versager ist nämlich jemand, dem nicht nur hier und da etwas misslingt, sondern der immer wieder auf ganzer Linie scheitert und dem deswegen das Label des „Losers“ -entweder als Fremd- oder als Eigenbeschreibung- anhaftet. Von Versagen, Scheitern, Verlieren zu erzählen ist mit Scham besetzt, obwohl es sich um zutiefst menschliche Erfahrungen handelt. Weil sich Erfolgsgeschichten aber besser verkaufen lassen, gehört es dazu Momente des Versagens zu verschleiern.  Im zwischenmenschlichen Bereich ist die Ausrede ein wirkungsvolles Mittel der Verschleierung, das allerdings im beruflichen Kontext strikt zu vermeiden ist. Die berühmte „Lücke im Lebenslauf“ ist unter allen Umständen in Bewerbungsunterlagen zu unterlassen. So nimmt das Erzählen der Erfolgsgeschichten ihren Anfang. Biblische Geschichten dagegen machen ernst mit menschlichem Versagen und dennoch muss dieses oft erst mühsam freigelegt werden: Zachäus gilt als ein Vorbild im Glauben, weil er sich beharrlich nicht davon abbringen lässt zu Jesus durchdringen zu wollen. Dass es sich bei ihm um einen notorischen Betrüger gehandelt hat, ist immerhin noch nicht ganz vergessen. Jakob, der Stammvater Israels, ist auch ein Muttersöhnchen, …

Krönchen schon auf? (Jak.1,12-18)

Auch wenn es morgen im Gottesdienst einen Predigttext mit bedeutungsschwerem Vokabular gibt: Lasst euch davon nicht irritieren. Im Jakobus Brief Kapitel 1,12-15 kommen Begriffe daher, die schwer zu Verdauen sind. Das ist beabsichtigt, schließlich befinden wir uns kirchenjahreszeitlich in der Passion. „Versuchung“, „Begierde“, die „reizt“ und „lockt“ kommen ebenso selbstverständlich daher wie die Unterscheidung von „Finsternis“ und „Licht“. Wer aller Anfechtung widersteht, wird die „Krone des Lebens“ empfangen. Soweit, so bekannt und in vielerlei Ohren schwingt Kartenspielen, Alkohol trinken, Sahne Torte essen und anderes mehr gewiss mit. Aber ist damit der Text schon hinlänglich erfasst? Die eigentliche neue Botschaft droht -angesichts des strengen Vokabulars- ungehört zu bleiben. Dabei ist sie alles andere als selbstverständlich: Gott legt euch keine Prüfungen auf derer ihr euch würdig erweisen müsstet („Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde.“) Im Gegenteil! Wir werden schon längst von Gott als die Menschen angesprochen, die wir sein möchten und zu denen er uns schon gemacht hat: Glücklich (selig), weil unsere Versagen nicht mehr das letzte Wort über uns spricht. …

Joh. 8, 3-11 „Wir sind alle kleine Sünderlein…“

„Wir sind alle kleine Sünderlein, 
’s war immer so, ’s war immer so. 
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n, 
’s war immer, immer so“. Vermutlich hat der Predigttext für den kommenden Sonntag aus dem Johannesevangelium zu diesen Liedzeilen einiges beigetragen. Vielleicht aber ist das auch nur das Kompendium des rheinisch-katholischen Brauchtums nach Art des Willy Millowitsch. „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“ – ist auch ein in die Volksseele eingegrabener Satz. Doch was scheinbar so harmlos daher kommt, birgt bei näherer Betrachtung gewaltigen gesellschaftlichen Sprengstoff: „Wo kommen wir denn hin, wenn die Gebote für unser Zusammenleben nicht mehr in Geltung bleiben?“ „Familie ist dann, wenn….“ Jesus setzt geltendes Recht außer Kraft. Er setzt Vertrauen gegen Strafe und Einsichten gegen Tatbestände. Er sagt: „Sieh hin: Es gibt zwischen „gut“ und „böse“ eins: Das ist Leben! Und es ist kompliziert. Jeder verheddert sich drin. Aber es gibt Hoffnung: Denn Glaube lebt nicht von Sicherheit, sondern von Vertrauen. Schenkt euch dieses Vertrauen gegenseitig, Tag für Tag. Ihr werdet merken: Es wächst, in Euch und …

Der Mensch ist leider nicht naiv… (Predigt über Epheser2,4-10)

Liebe Gemeinde, es geht das Gerücht, ein Pfarrer aus der Provinz hätte angesichts dieses Predigttextes einen Brief an seinen Bischof geschrieben. Einen Brief mit folgendem Inhalt: „Liebe Bruder im Herrn, ich weiß nicht, was man mit der öffentlichen Lesung der Predigttexte erreichen will, wenn sie solchen Charakter haben, wie der im Epheser Brief im zweiten Kapitel vom vergangenen Sonntag. Es handelt sich hier doch um einen Text, der ohne eingehende theologische Auslegung gänzlich unverständlich bleibt. Soll ich im Rahmen einer Predigt nun Unterricht in der christlichen Religion betreiben? Das wäre doch wohl ein falsches Predigtverständnis, oder? Ich finde solche lehrhaften, theologisch dichten Texte ungeeignet zur öffentlichen geistlichen Rede und bin nicht willens meine Gemeinde mit derartiger Dogmatik zu belasten. Ich habe mich deshalb entschieden den Evangeliums Text vom Pharisäer und Zöllner zu predigen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfäfflein aus der Provinz….“

Titanic Cover zur Mißbrauchsdebatte

So schnell bin ich in meinem religiösen Empfinden nicht zu erschüttern. Vor zwanzig Jahren hab ich öfter das Magazin gekauft. Über gekreuzigte Frösche und „Madonna“ als Gekreuzigte habe ich vor einigen Monaten hier schon geschrieben, ohne die Aktionen als blasphemisch zu verbannen. Das aktuelle Titanic Cover geht (selbst) mir allerdings einen Schritt zu weit. Die „spritzende“ Wunde ist das Tüpfelchen auf dem „i“, das die ganze Karrikatur als-gar-nicht-mehr-zum-Schmunzeln erscheinen lässt. Ich empfinde das auch als einen Schlag in das Gesicht der Missbrauchs Opfer! Bei facebook sollte man dieser Gruppe beitreten. Und der anderen, damit man weiß, was die denken.

Der gekreuzigte Frosch

Wenn man richtig provozieren will muss das Kreuz als christliches Symbol herhalten. Neuerdings macht ein gekreuzigter Frosch von sich reden. Der kann sich rühmen, dass auch Madonna in die heftige Kritik geraten ist, als sie sich 2006 in ihrer „Confessions“ Show als Gekreuzigte inszenierte. Ich kann die Aufregung nicht verstehen. Viel schlimmer wäre es, wenn das Kreuz nicht mehr von der Kunst als Zeichen (Signum, Symbol, Index) benutzt würde. Gerade der Gebrauch (Praxis) zeigt, dass „es“ (noch!) funktioniert. Darüber sollte „die Kirche“ sich eigentlich (noch) freuen. Dass diese Freude vielleicht nicht mehr lange Bestand hat ist am europäischen Rechtshimmel abzusehen. Jan Pehrke hat dazu einen gut recherchierten Artikel geschrieben. Allerdings bleibt zu bedenken, ob das „abhängen“ von Kreuzen wirklich weiterführt. Viel interessanter ist doch die Frage, was stattdessen „aufgehängt“ werden soll. Eine Deutschland-Flagge z.B. wäre ebenso mißverständlich wie ein Kreuz. Welcher Bezugsrahmen in einer modernen, freien, demokratischen und multi-religiösen gilt, ist vielleicht noch auszumachen. Womit/Wodurch er sich aber „abbilden“ oder „symbolisieren“ lässt, ist fraglich. Nur eins ist sicher: Ohne Symbole wird es nicht gehen.