Alle Artikel mit dem Schlagwort: Schuld

Sündige tapfer!

Ich fahre auf der Autobahn, rechte Spur, knapp 100 km/h. Der Sportwagen, der mich gerade überholen will, verlangsamt sein Tempo. Die Fenster fahren runter. Etwas Stabartiges wird aus dem Fenster geschoben, ich erschrecke kurz, ist es eine Waffe? Dann erkenne ich die Action Cam auf einem Selfie Stick! Mein Auto und ich werden gefilmt. Was war geschehen? Hatte ich mich regelwidrig verhalten? Ich war mir keiner Schuld bewusst Ähnliches ist mir auf der Reise übrigens noch mehrmals passiert: Kurzes Hupen, Winken, Lachen, Klick –ein Foto. Um es kurz zu machen, es liegt nicht an mir, sondern am Auto. Mein „Bulli“ ist bald 40 Jahre alt, im Straßenverkehr selten zu sehen, dafür aber in jeder zweiten Werbung. Der alte Bus weckt Erinnerungen, Sehnsüchte und ist mittlerweile ein Lifestyle Produkt. Das war nicht immer so: Vor zwanzig Jahren, als ich ihn kaufte, erntete ich überwiegend Kopfschütteln. Kein Kat, ein Verbrauch zwischen 12 und 15 Litern Benzin, dazu noch Ölverbrauch und Ölverlust. In den Augen meiner Kolleginnen und Kollegen war ich ein Umweltverpester ersten Ranges. Inzwischen darf ich …

Der Mensch ist leider nicht naiv… (Predigt über Epheser2,4-10)

Liebe Gemeinde, es geht das Gerücht, ein Pfarrer aus der Provinz hätte angesichts dieses Predigttextes einen Brief an seinen Bischof geschrieben. Einen Brief mit folgendem Inhalt: „Liebe Bruder im Herrn, ich weiß nicht, was man mit der öffentlichen Lesung der Predigttexte erreichen will, wenn sie solchen Charakter haben, wie der im Epheser Brief im zweiten Kapitel vom vergangenen Sonntag. Es handelt sich hier doch um einen Text, der ohne eingehende theologische Auslegung gänzlich unverständlich bleibt. Soll ich im Rahmen einer Predigt nun Unterricht in der christlichen Religion betreiben? Das wäre doch wohl ein falsches Predigtverständnis, oder? Ich finde solche lehrhaften, theologisch dichten Texte ungeeignet zur öffentlichen geistlichen Rede und bin nicht willens meine Gemeinde mit derartiger Dogmatik zu belasten. Ich habe mich deshalb entschieden den Evangeliums Text vom Pharisäer und Zöllner zu predigen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfäfflein aus der Provinz….“

Titanic Cover zur Mißbrauchsdebatte

So schnell bin ich in meinem religiösen Empfinden nicht zu erschüttern. Vor zwanzig Jahren hab ich öfter das Magazin gekauft. Über gekreuzigte Frösche und „Madonna“ als Gekreuzigte habe ich vor einigen Monaten hier schon geschrieben, ohne die Aktionen als blasphemisch zu verbannen. Das aktuelle Titanic Cover geht (selbst) mir allerdings einen Schritt zu weit. Die „spritzende“ Wunde ist das Tüpfelchen auf dem „i“, das die ganze Karrikatur als-gar-nicht-mehr-zum-Schmunzeln erscheinen lässt. Ich empfinde das auch als einen Schlag in das Gesicht der Missbrauchs Opfer! Bei facebook sollte man dieser Gruppe beitreten. Und der anderen, damit man weiß, was die denken.

Karfreitag

Asia – Philippines / Crucifixion, ursprünglich hochgeladen von Rudi Roels Wenn jemand zu Kreuze kriechen muss, hat das einen besonderen Grund. Im Mittelalter war es üblich, am Gründonnerstag und dem heutigen Karfreitag „zu Kreuze kriechend“ des Todes Jesu zu gedenken. „Zu Kreuze kriechend“ war durchaus wörtlich zu verstehen. Das kennen wir heute (wie so vieles) nur noch aus dem Film. Heute ist der blutigen Prozession dezente Trauer gewichen. Wenn überhaupt, denn längst ist Ostern beherrschender Aufmerksamkeit zugekommen. In Form von Frühlingsfest und Schokoprozession durch häusliche Gärten.

Scheiden tut weh

Manchmal in diesen Tagen beschleicht es uns. Wir nehmen heimlich oder offen Abschied von den letzen schönen, sonnigen Tagen. Wir stellen uns ein auf rauhere Witterung. Wir werden im Einkaufsmarkt angehalten Lebkuchen und Printen zu kaufen. Und einige Weihnachtsmärkte haben schon seit drei Wochen geöffnet. Haben wir es vielleicht verlernt Abschied zu nehmen? Meist fängt gibt es diesen Punkt im Spätsommer, wenn die Luft auf einmal nach Herbst riecht. „Das wars dann wohl“ denke ich wehmütig. Doch im Hinterkopf lauert die Hoffnung auf eine Verlängerung des Sommers: Vielleicht im Herbst doch noch einmal in den Süden. Dem Herbst entfliehen, den Sommer verlängern… Fängt es damit schon an, dass wir Abschied nur schwer nehmen können? Auch am Bahnhof, wenn der ICE einfährt und Menschen ein- und aussteigen hat sich der Abschied verändert. Durch getönte Scheiben kann man kaum noch erkennen ob jemand richtig den Zug auch bestiegen hat. Kein zu öffnendes Fenster, kein Händehalte bis der Zug anfährt. Kein letztes Nachrufen eines „AUFWIEDERSEHEN“. Stattdessen die Geste ans Ohr: Wir telefonieren! Ist das wirklich nur eine banale Alttagsbeobachtung oder spiegelt sich darin schon unser Verdrängen notwendiger …

Von Weltmeistern und Doping-Sündern (Predigt über Lukas 18)

„Ich bin in der Form meines Lebens!“ Diesen Satz können Sie dieser Tage besonders oft hören, wenn Sportlerinnen und Sportler vor anstehenden Wettkämpfen nach ihren Chancen gefragt werden. Das gilt nicht nur für Leichtathleten, man könnte genauso gut Fussballer oder Radfahrer zitieren. „Ich bin in der Form meines Lebens“ das ist wohl ein Satz, den die Sportpsychologen zum Aufbau der mentalen Stärke offenbar als Mantra empfehlen, denn längst ist klar, das die physische Stärke der Athleten so eng beieinander liegt, dass das Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Und wer will schon eine Niederlage? Wer will Platz 4 oder Platz 11? Wer will Fussball-Vize-Weltmeister sein? Da wandert gleich schon nach dem Empfang die Medallie in die Hosentasche! Wir (und vor allem wir als Zuschauer) wollen Sieger sehen! Möglichst noch sympathisch und nicht maulig.Noch besser gutaussehend und an der richtigen Stelle tätowiert, dann lässt sich richtig gut verdienen –und alle sind zufrieden. Bei der folgenden Geschichte, die Jesus seinen Hörern damals erzählt wird, müssen wir, damit sie heute so funktioniert wie damals, einen …