Alle Artikel mit dem Schlagwort: Religion

Religion, Privatsache? Joh. 15,26

Photo Credit: nchenga via Compfight cc „Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen Bundeskanzlern. Weniger indes von Kanzeln. Woran liegt das? Zweifelsfrei am morgigen Sonntag! Denn der Predigttext bereitet gewissermaßen vor, dass des Evangelium nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern hinaus in die Welt soll: „Ich werde euch den Tröster senden, den Heiligen Geist, der Zeugnis geben wird von mir, aber auch ihr sollt meine Zeugen sein“. Joh.15,26 Hier werden persönliche Glaubensgewißheit und öffentliche Verkündigung als ineinander verschränkt und aneinander gekoppelt, verstanden. Die persönliche Überzeugung bleibt nicht privat. Was es mit Leben und Tod, Liebe und Hoffnung, Schuld und Verzweiflung auf sich hat, kann man nicht mit sich selbst ausmachen. Denn auch der „Tröster“ ist nicht individueller Besitz, sondern kollektives Geschenk. Mehr davon an Pfingsten, dem Tag der Abschaffung der Privatsache. Auch auf Facebook zu lesen 🙂 : Periskop über Joh.15,26-16,4 am 17.5.2015 (Exaudi)„Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen… Posted by Evangelische Kirche im Rheinland on Samstag, 16. Mai 2015

„Die Netzgemeinde“ und „Die Religion“

Niemand weiß genau, was sich hinter dem Begriff „Netzgemeinde“ verbirgt. Und wahrscheinlich ist sogar, dass es sie gar nicht gibt, wie Christian Jakubetz meint. Oft wird darunter schlicht das verstanden, was Mitglieder bei Facebook und Twitter so ungefiltert an Meinung ins Netz stellen. Daraus wird dann am Abend in der Tagesschau die „Netzgemeinde“. Selbst Mitglieder dieser sogenannten „Gemeinde“ erheben den Anspruch gerade keine Gemeinde zu sein. Das liegt m.E. daran, dass der Begriff „Gemeinde“ religiös aufgeladen ist. Und die „Netzgemeinde“ ist sich vor allem darin einig, dass „die Religion“ Antidemokratisch , Antiaufklärerisch und erst recht Antifreiheitlich sei. Dabei ist das Bild, das hinter diesem Religionsverständnis steht, schnell als Zerrbild vor allem römisch-katholischer „Religion“ zu entlarven. Da fällt eine differenzierte Betrachtung oft schwer, zumal wenn sie in 140 Zeichen stattfinden soll. Trotz alle dem bin ich der Meinung, dass sich eine Auseinandersetzung durchaus lohnt. Ich meine sogar, dass es sehr von Nöten ist, in den sozialen Netzwerken präsent zu sein. Persönlich mit seinen Interessen und seinem Glauben, öffentlich mit seinem (kirchlichen) Beruf, und erst recht in …

Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht (D. Bonhoeffer)

Da hab ich gestern in twitternder iPod-Laune ein bekanntes Zitat von Bonhoeffer benutzt und daraus ist in einem andern Blog, (den ich hier nicht verlinke, weil der Autor anonym bleiben will) ein interessanter Kommentar entstanden, den ich hier posten möchte, damit er mir nicht verloren geht. Alexander Ebel hat ihn für sich auch schon digital archiviert. Warum diesen Kommentar dann nicht in den (kirchlichen) Kontext „zurück bringen“ in der er ursprünglich gehört. Volker Nies (helias00) hat ihn geschrieben. Es zeugt von großem theologischem Sachverstand, Chapeau! Nun hat er einen eigenen Blog eröffnet und den Diskussionsgang dort entfaltet: Volker Nies hat zu dem Bonhoeffer Zitat „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“ (Widerstand und Ergebung, DBW 8, S.514f. Er bezieht sich aber auf seine Aussagen in „Akt und Sein“ S. 94) folgendes angemerkt: Um Bonhoeffer zu verstehen ist weit mehr nötig als drei, vier tweets. Eigentlich braucht es einen soliden background an philosophischen Positionen, um das Zitat angemessen deuten zu können. Man kann den genannten Ausspruch jetzt entweder epistemologisch, fundamentalontologisch oder religionsphilosophisch deuten.


Über Unverständnis für das Religiöse an sich…

… hat Malte Lehming einen ansehnlichen Kommentar im Tagesspiegel geschrieben, der an dieser Stelle empfohlen sei: Die Debatte über den Islam, von Thilo Sarrazin entfacht und den Fehlinterpreten der Rede von Christian Wulff befeuert, wird ahistorisch geführt, aufs Nationale verengt, und sie zeugt von Unverständnis fürs Religiöse an sich. Ein Kommentar. Die drei zentralen Vorwürfe lauten, Muslime würden, erstens, das religiöse Recht, die Scharia, über das weltliche Recht stellen; zweitens sei der Islam mehr als eine Religion, er mache Politik und positioniere sich weltanschaulich; drittens sei er antiemanzipatorisch und homophob. Alle diese Vorwürfe haben einen richtigen Kern. Aber nichts an ihnen ist exklusiv islamisch. Zumindest die ersten beiden berühren das Wesen von Religion überhaupt.

Erleuchtung paulinisch (Predigt 2.Kor.4,6-10)

2. Korinther 4. Kapitel, VV 6-10: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.“ Glänzende Worte, gewaltige Worte, schwere Worte, die der Apostel Paulus hier den Korinthern zumutet. Uns bleibt doch vor allem der Schluss des Predigttextes in Erinnerung. Sind wir wirklich die, die bedrängt sind, die, die leiden, die Verfolgung erleiden, unterdrückt werden.