Alle Artikel mit dem Schlagwort: Reich Gottes

Karneval

Narrenkappe, Babymütze und Schlüsselgewalt

Wir wissen wie es heute ausgeht. Trotzdem sind viele live dabei um den Schaukampf um die Macht mitzuerleben. Oder schauen WDR Fernsehen, wo das Bonn-Beuler Rathaus zum Mittelpunkt karnevalistisch interessierter Öffentlichkeit wird. Wer die Schlüssel hat, hat die Macht. Das wissen nicht nur rheinische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Aber sie sind bereit sich dem närrischen Gesetz zu beugen und dem Damenkomitee für einige Tage die Herrschaft zu überlassen. Die einen mögen die ironisch inszenierte Brechung der Rollen, die anderen suchen lieber das Weite. Sie finden Karneval ist allenfalls ein Fest für die Kinder. Auch gut, denn jeder Jeck ist bekanntlich anders. Die Bibel beantwortet die Frage wer die Herrschaft hat übrigens eindeutig: Gott hat das Regiment, auch wenn es aussieht als würde er den Schlüssel vorübergehend anderen überlassen haben. Jesus hat in vielen Geschichten von der Gottesherrschaft gesprochen und bei denen, die mit ihm unterwegs waren die Frage provoziert, welchen Rang sie denn in dieser Geschichte einnehmen würden. Bürgermeister müsste mindestens drin sein, -meinten sie. Jesus antwortet aber überraschend: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, …

Erfolg und Mißerfolg

Auch den Misserfolg loben. Mt.11-25-30

foto: sxc.hu Manchmal ist auch der Mißerfolg zu loben. Dazu gehört Mut. Wenn auch noch Weisheit abgewertet wird und Unmündigkeit als Gewinnerin erscheint, ist allerdings Stirnrunzeln angesagt. Erst recht, wenn die Empfehlung von Jesus selbst gegeben wird. Doch damit nicht genug: Der Evangelist Matthäus mag es gerne noch etwas spezieller. Nach einem kurzen Ausflug in die Gotteslehre (V27) folgt unvermittelt der sog. „Heilandsruf“ V28: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ und die Einladung in der Nachfolge Christi Ruhe zu finden. Dabei kann der Evangelist auch zugespitzter formulieren. Was er eigentlich sagen will ist schon zwanzig Verse vorher zu finden: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden auferweckt, und den Armen wird ´Gottes` gute Botschaft verkündet.“ (11, 5) Noch griffiger formuliert das Markusevangelium: „Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nicht hineinkommen.“ (10, 15) Die rettende Gegenwart Gottes in seinem Sohn erschließt sich nicht durch dessen geniales Gottesbewusstsein, sondern durch seine unumstößliche Bereitschaft alles von ihm zu empfangen. Wer empfängt, …

Das Leben ist kein Ponyhof Lk.9,57-62

Photo Credit: flapflapMLP via Compfight cc Es wird ernst: „Überlegt euch gut, worauf ihr euch einlasst!“, sagt Jesus im Lukasevangelium. Das Leben ist kein Ponyhof, erst recht nicht, wenn es das Leben eines Wanderpredigers ist. Wer es teilen will, muss wissen worauf er sich einlässt: Traditionsbruch ist nicht ausgeschlossen, manchmal sogar gefordert. Denn es geht darum heute Gottes Liebe unter die Menschen zu bringen. Heute muss angepackt werden, nicht erst dann, wenn sich weich gekochte Einmütigkeit eingestellt hat. Ein strenger Jesus tritt hier auf. Warum dieses ungewohnte Bild? Es geht um Gottes Reich, darum, dass wir es ganz und gar von Gott erwarten. Sowohl eine Verklärung der Vergangenheit wie die Suche nach Weltverbesserung sind hinderlich, wenn es darum geht, was unsere Aufgabe ist: Sich Gottes Gegenwart gefallen lassen, jetzt. Denn seine Gegenwart heißt Zuwendung! http://www.ekir.de/url/N6H

Als Sämann oder Weinbauer, Gottes Liebe bleibt verschwenderisch.

foto: sxc.hu Erinnert ihr euch noch an den Weinbergbesitzer aus dem Predigttext in der letzten Woche? http://www.ekir.de/url/MY9 Der handelte nach den Regeln der Betriebswirtschaft unverantwortlich. Nach den Regeln der Liebe dagegen höchst verschwenderisch. Im morgigen Predigttext ist aus dem Weinbauern ein Ackerbauer geworden. Es scheint, als sei er sein Zwillingsbruder. http://www.ekir.de/url/o8M Denn auch er geht höchst verschwenderisch mit dem kostbaren Saatgut um. Nur ein viertel fällt auf guten Boden. Der Rest: hoffnungslos verschwendet!So ist Gott. Wenn es ums Lieben geht kennt er kein Halten mehr. Da dreht er durch, ist vollkommen verrückt und teilt aus, was er hat. Und er hat viel: Seine Liebe ist grenzenlos! Was die Auslegung des Gleichnisses in den VV 9-15 betrifft: Die könnt ihr getrost beiseite lassen und euch lieber an Gottes verschwenderischer Liebe freuen.

Mehr als glücklich kochen Mt. 13, 44-46

Das Glück hat Konjunktur. Jedenfalls wenn es um die einschlägige Ratgeber Literatur geht. Bis hin zu „Glücklich Kochen mit Ayurveda“ ist alles dabei. Selbst der Titel „Gott macht glücklich“ ist verfügbar. Der Predigttext für den kommenden Sonntag http://www.ekir.de/url/FPk bringt zum Thema einen ganz eigenen Beitrag, durch zwei kleine Gleichnisse, die Jesus erzählt. Eines handelt von einem Schatz, das andere von einer Perle. Beim genaueren Hinsehen jedoch geht es um das Handeln des Kaufmanns und des Mannes auf dem Acker: Beide werden ergriffen. Mitten in ihrem Alltag. Ihr Herz schlägt höher, sie haben nur noch eins im Sinn: Das Glück, der Schatz, die Perle müssen gepackt und genutzt, gekauft, gehoben werden. Jesus spricht in diesen Gleichnissen vom „Reich Gottes“ und meint, dass Gott sich schon jetzt und hier finden lässt. Nicht erst am Ende der Zeit, sondern mitten unter uns ist dieser glückliche „Umstand“ „begreifbar“. Dafür setzen die Protagonisten im Gleichnis alles auf eine Karte. Aus heutiger Sicht würden wir urteilen, dass sie ihr Ziel geradezu fanatisch verfolgen. Richtig daran ist: Wenn Gott dem Leben plötzlich …

Let´s make money? (Predigt über Matthäus 6)

Sonntagsfragen sind manchmal eine Zumutung. Besonders, wann der Wahlabend naht. Was als Analyse, Fakten, Hintergründe präsentiert wird, ist es nicht wert gehört oder gesehen zu werden. Die politische Auseinandersetzung weicht dem Kampf der Medienprofis. Und die Demoskopen beanspruchen die Deutungshoheit über Sympathiewerte der Kandidaten. „Wie jemand rüberkommt“ ist inzwischen wichtiger als was er zu sagen hat. Und versuchen Politiker sich mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen, wird große Langeweile ausgerufen. Da hilft nur noch eins: Abschalten! Zumindest den Fernseher. Ich gebe zu, auch beim Wort zum Sonntag hilft manchmal nur noch abschalten, aber das alles hat vermutlich mit einer Skepsis und auch dem eigenen Unvermögen zu tun die Welt nicht in 1Minute 30 erklären zu können. Und dann kommt auch noch ein Predigttext für den heutigen Sonntag daher, den man nicht ausschalten, bei dem man aber die Bibel gleich wieder zu machen will, weil man sich sagt: Das kann es wirklich nicht sein! Jesus sagt: Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern …

Neues altes System

Was sich in der Überschrift der Süddeutschen Zeitung, die sich auf den Spiegel beruft, zunächst anhört wie eine Ankündigung zur Überwindung der Krise des Kapitalismus, entpuppt sich dann doch als ein „Nachrichtlein“ bezüglich der Umstrukturierung in der Führungsetage des Deutschen Bank. Wiedereinmal ein kleiner Beweis die Krise des kapitalistischen Systems kleinzureden als sogenannte Finanzkrise: „Krisen kommen, Krisen gehen, spätestens 2010 ist heile heile Gänschen, alles wieder gut. Das alles waren doch nur böse Banker Buben, die den Hals nicht voll kriegen konnten. Keiner hat ihnen schließlich Geld gegeben, niemand Aktien gekauft, „blue chips“ war ein Fremdwort und der Dax ein schwarz-weiss-gestreiftes Tier. Wir haben von nichts gewusst! Keiner hat die Volksaktie der Telekom gekauft und niemand ist bei der (Bank!) Allianz versichert.“ Partielle teutonische Amnesie: Die da oben waren es! Wenn die gegenwärtige Krise des Kapitalismus mit ihren Einschnitten vergleichbar ist dem Mauerfall von 1989 (wie der ehemalige Außenminister Fischer meint) müsste doch statt der „Heile Gänschen-Rhetorik“ das Hohelied des Paradigmenwechsels gesungen werden. Die Kirchen könnten es beginnen zu singen. Seit 1975 versuchen sie ein …