Alle Artikel mit dem Schlagwort: Reformation 2017

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Im Reformations-Truck nach Ohio

Wehmütig schaut Sabine B. aus dem Fenster ihres Büros nach Süden. Gerne wäre sie im Land mit den herrlichen Zwiebel-Kirchtürmen in Bayern. Wenn sie auf das Dach ihres Pfarrhauses steigt, kann sie bei gutem Wetter den Drachenfels sehen und doch träumt sie von einer Pfarrstelle am Chiemsee. Ob die Rheinländerin (48) sich auf dem dortigen kirchlichen Parkett zurechtfinden würde ist alles andere als ausgemacht, schließlich gehen die protestantischen Traditionen in deutschen Landen alles andere als synchron. Den meisten Kirchenleitungen gefällt das, sie schätzen produits reginaux, nicht nur bei Käse und Wein. Es scheint so, als könnte sich das in Zeiten, da über eine digitale Kirche nachgedacht wird, als Nachteil erweisen. Denn die Koordinierung an welchen Stellen über das Thema nachgedacht wird stockt und zwar merklich. Seit der EKD-Synode 2014 (Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft) hat sich wenig getan. Als das die Jugend-Deligierten auf der Synode im letzten Jahr anmerkten, wurde das Thema in den –Achtung!- Zukunftsausschuß verwiesen. Soweit so schlecht, zeigt es doch wie wenig eine Kirche, die immer betont „nahe bei den …

Luther-Kondome: So geht’s auch nicht!

Freitags in der Kneipe. Mann trinkt Kölsch, Rheinland halt, nicht Düsseldorf. Ab Mitternacht fällt auf, dass der Pfarrer auch noch in der Runde sitz. Also Themenwechsel: Vom Kölsch, zu Kirche, von Kirche zu katholisch, von katholisch zu Kondom. Ein Grund, warum ich selten in die Kneipe gehe, denn leider ändert auch die Biersorte nichts am Gesprächsverlauf. Bald könnte das anders werden, denn die Evangelische Kirche im Rheinland (ekir.de) hat sich entschlossen Kondome aus dem Verkehr zu ziehen. Offenbar schmeckten die Luthergummis nicht jedem. Demnächst sitzen wir also beim Alt-Bier und diskutieren über Presbyterium, Präses und Präservative. Offenbar will die rheinische Kirche es so, denn gestern hat sie ein Video hoch geladen das nun auf YouTube steht. Einen Streisand-Effekt fürchtet sie offenbar nicht, es sei denn, sie wüsste nicht was das ist, oder aber der OKR (Oberkirchenrat) wollte es so, gegen besseres Wissen seiner Abteilung Kommunikation-Internet. Doch zum Video selber: Es lohnt sich tatsächlich bis zu Ende zu schauen und den Ton einzuschalten, denn Untertitel fehlen. Als der OKR das Kondom nämlich von seiner Verpackung „befreit“ …

Das Luther-Mem

Da stehst du nun, du kleines Männchen. Putzig in Plastik auf jedem Schrank derer, die predigen von den Kanzeln, dass das Wort Fleisch geworden sei. Fleisch! Nicht eingeschweißt in Folie; portionsgerecht verpackt, häppchengleich. Das hätte dir nicht gepasst, der du gerne trankest und aßest und aus dessen Arsch gern ein fröhlicher Furz quwoll. Quell des Lebens nach dem der Hirsch lechzt. Stern auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh… Das wolltest du, dass wir es sehen und uns freuen an IHM, der alle Wunder tut und alle Wunden heilt. Kein Hansa Plast auf aufgeschürfter Haut, welches verdeckt das Blut das wir trinken und Fleisch, das wir essen: „Hoc est corpus meum“ in Zeit und Ewigkeit. Für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet. Erstickungsgefahr! Da stehst du nun und kannst nicht anders als durch Blister gedrückt auf die Reise zu gehen. Ausverkauft nach 72 Stunden. Mit Bonbons und Socken im Gepäck, die deinen Namen tragen. Das mit „sub contraio specie“ hattest du dir anders vorgestellt. Wenngleich: Der Kirchenmann als Kinderspielzeug ist ebenso absurd wie …

Socken, und Bonbons -Protestantismus für Kinder

Ob Peter Hintze an der Einführung der Luthersocken („Deutsche Luthersocke – ‚Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.’Gr. 23-26, Kinder; rubinrot, türkis; EUR 5,50 brutto“) beteiligt war, ist nicht bekannt. Erfahrung mit Sockenkampagnen hätte er immerhin. Kurz vor dem Reformationsjubiläum 2017 nimmt die Gadget-Flut mit dem Konterfei des Reformators kein Ende. Ob Lutherbonbons, Lutherol, Lutherbier oder Plastik Püppchen, D. Martinus könnte es locker mit Jürgen Klopp als Werbeträger aufnehmen. Eigentlich warte ich nur noch auf die Erasco Werbung für Dickebohnensuppe („Das Gute daran ist das Gute darin“) mit dem Slogan „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ -aber das wäre vermutlich doch zu deftig. Indes: Die Marketing Abteilungen der verschiedenen Kirchen stricken an weiteren Produkten. Neuster Renner Lutherkaffe, „markant, kräftig, vollmundig“. Eine Mischung, die nicht jedem schmeckt, daher auch im Angebot die Mischung „Katharina von Bora“, die -kein Scherz, leider- „besser verträglich und für viele Gelegenheiten geeignet“ sei. Darauf für den Mann erst mal ein Lutherbier! Die Frauen müssen auf den „Katharina-Aperol-Spritz“ noch warten! Was lernen wir aus alledem über den Protestantismus? Offenbar ist die …

2017 – Reformation statt Reförmchen

Ich mag meinen Bonner Kollegen und „Dorfpfarrer“ Siegfried Eckert sehr gern, ist er doch einer der wenigen, die sich trauen Klartext zu reden. Über die Häufigkeit dieses Klartextes kann man indes streiten. Auch über die Präsenz in der Regionalpresse. Darüber hinaus ist sein neues Buch bestimmt lesenswert und die Sprachmächtigkeit von Eckert beeindruckend. Ob es ihm allerdings recht ist, dass für seine klugen Zwischenrufe Kriegsrhetorik bemüht wird, darf bezweifelt werden. In Zeiten in denen weltweit allerorten von „Sperrfeuer“ und Säbelrasseln zu hören ist, leistet K. Rüdiger Durth mit seinem Artikel im Generalanzeiger dem Eckertschen Anliegen sicher keinen guten Dienst. Das meint zumindest ein treuer Leser der „Dorfzeitschrift“: In der Zeit Krieg und Waffenhandel lesen wir von evangelischer Nabelschau im @gabonn: http://t.co/2YQwXRF5EX Finde den Fehler! #Kirche — Wilfried Lücker (@willimeck) August 16, 2014 Dem Pastor und Bundesverdienstkreuz Träger K. Rüdiger Durth wünscht man bisweilen dieses „mehr an theologischer Kompetenz“, das Eckert in seinem Buch fordert.