Alle Artikel mit dem Schlagwort: Periskop

Wer genug hat vom Warten ziehe die Stiefel aus (Jes.52,7-10)

Ihr wollt mehr als Warten? Genauer gesagt: Ihr habt eigentlich genug vom Warten? Dann solltet ihr einen Blick auf den Predigttext vom vierten Adventssonntag werfen. Darin wird wortgewaltig deutlich, dass Advent mehr ist als das Warten auf „das Fest“. http://www.ekir.de/url/PFH Mit lauter Stimme wird gerufen. Vor Freude. Voll Hoffnung. Gegen inhaltsleere Warterei. Die Botschaft derer, die vom Berg die bessere Übersicht haben und die Sehnsüchte des Lebens kennen lautet: „Frieden kommt! Frieden wird nicht gemacht. Gott selbst wird ihn bringen. Wo Trümmer sind soll Aufbruch entstehen. Gott geht auf diesem Weg voran, er nimmt uns mit.“ Selber sollen wir Freudenboten sein, Gutes reden und von unserer Hoffnung weitererzählen. Nicht vertrösten sonder Trost geben wo Anlass genug ist zu trauern. Wer genug hat vom Warten ziehe die Stiefel aus. Wir werden merken, wie lieblich doch unsere Füße sind wenn unser Mund sagt: „Mein Gott ist König“.

Before I die…

„Seid wachsam!“ Dieser Aufruf kann am kommenden Sonntag, an dem der Verstorbenen in den Gottesdiensten gedacht wird, schon bedrohlich wirken. Nicht ausgeschlossen, dass auch Gedanken an „Wachtturmträger“ zum Tragen kommen. Kein Wunder eigentlich, denn die Szenerie aus dem Markus Evangelium schildert nicht weniger als eine kosmische Katastrophe. http://www.ekir.de/url/gv7 Will man hinter dieses endzeitliche Bild auf den Gehalt der Mahnrede kommen, ersetzt man vielleicht „Wachsamkeit“ durch „Achtsamkeit“: Achtet auf euch und auf die Menschen um euch herum. Lebt bewusst im Angewiesen sein auf Gott. Verschiebt wichtiges im Leben nicht in die Ferne, „denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.“ (V33) „Before I die…“ – heißt eine Aktion, die nicht auf den Ewigkeitssonntag beschränkt sein muss. Unter http://beforeidie.cc/site/aachen/ findet ihr auch ein ökumenisches Projekt aus Aachen.

Menschen haben Vorfahrt, nicht die Kirche!

Darf man die Möhren vom Erntedank Altar verzehren? Auf den ersten Blick könnte es so scheinen, als ob der Predigttext aus dem Markusevangelium (2,23-28) eine Antwort auf die Frage zu geben versucht. Aber es geht nicht um Möhren oder „Schaubrote“; es geht auch nicht darum, was an einem Feiertag erlaubt ist zu tun, oder was sogar zu unterlassen ist. Es geht um weit mehr: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbats willen“. In seiner letzten Zuspitzung erklärt Jesus alle Vorschriften und Gesetze, selbst jegliche Institutionen, und damit auch „die Kirche“ zu Instrumenten, die dem Menschen dienen sollen. Tun sie das nicht, erfüllen sie nur noch einen Selbstzweck, sind sie überflüssig geworden. Am Ende der Geschichte steht übrigens ein Eklat. Kein Kompromiss und keine Win-Win-Situation. Danke Jesus, für klare Worte!

Ein Fitzelchen an Glauben reicht Lk 17,5-6

Espresso muss klein, stark und schwarz sein. Ab und an braucht man aber einen großen Milchkaffe zu Stärkung, da reicht kein einfacher und auch kein doppelter Espresso. Da muss es mehr sein. Einfach größer. Auf Stärke kommt es in diesen Momenten nicht mehr an. Eine große Tasse muss her. Die Milchhaube soll auch am Nachbartisch noch sichtbar sein. So ging es den Jüngern im Predigttext für den kommenden Sonntag http://www.ekir.de/url/ppw Sie wollen großen, mächtigen Glauben. Einen der wirkt, einen, der auch nach außen etwas her macht. Jesus meint: „Tut nicht nötig! Glaube so groß wie ein Senfkorn reicht. Er reicht für die Aufgaben, die vor euch liegen, mehr muss es nicht sein. Also: Kopf hoch so groß wie ein Senfkorn, solch einen Glauben habt ihr allemal!“ Martin Luthers Ausspruch kann gar nicht oft genug zitiert werden, wenn es um den Glauben geht: „Das christliche Leben ist nicht ein Fromm sein, sondern ein Fromm werden, nicht ein Gesundsein, sondern Gesund werden, überhaupt nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind’s noch nicht, …

Almosen und Knöpfe im Klingelbeutel Mt 6,1-4

Wollte man den Predigttext des kommenden Sonntags Mt 6,1-4 auf eine Kurzformel bringen, sähe die vielleicht so aus: „Der Knopf im Klingelbeutel ist genauso verkehrt wie der 500 EUR Schein in der Plexiglas Spendenbox.“ Was Jesus im Matthäus Evangelium über das Geben von Almosen sagt klingt verdächtig und radikal: Bergpredigt eben. Wenn die eine Hand nicht mehr weiß, was die andere tut (V3) mag das für jemanden, der mit Spendengeldern zu tun hat, kein guter Ratschlag für eine tüchtige Haushalterschaft zu sein. Verborgene Zahlen sind keine guten Zahlen. Letztlich geht es um die Frage nach der Gerechtigkeit, die in einer Gesellschaft Einzug halten soll. Neudeutsch auch einfach „Teilhabe“ genannt, damit es weniger philosophisch/theologisch klingt. Da geht es dann schon um mehr als um Almosen. Denn wer den Blick auf das Himmelreich außer Acht lässt, verliert auch leicht den „Nächsten“ aus dem Blick. Leben bemisst sich eben nicht in Zahlen von Soll und Haben. Wer es in dieser Situation fertig bringt für einen Augenblick vor sich selbst verborgen zu sein, ist für diesen kurzen Moment Gott …

Jesus ist keine „moralische Instanz“ Lk.19,1-10

Die Klage über den Zustand „der Kirche“ (oder auch die Zustände „der Gesellschaft“) reißt nicht ab. Immer wieder stößt man auf Sätze wie: „Es fehlt eine moralische Instanz, die in einer komplexen Welt Leitlinien vorgibt.“ Der Predigttext für den kommenden Sonntag aus dem Lukasevangelium http://www.ekir.de/url/KQP macht deutlich: Jesus will so eine moralische Instanz nicht sein. Seine Botschaft verhält sich quer zur gängigen Deutung von Erlaubtem und Verbotenem. Der kleine Mann, soll herunter vom Baum. Nichts muss er vorweisen. Keine Vorleistung. Im Gegenteil, jeder kannte seine Verstrickung in den Handel mit der Bestechlichkeit. Auch Buße fordert Jesus nicht. Was zu sagen ist, das geschieht. Sie kehren ein. Eine Provokation für alle Hüter moralischer Instanzen. Zuerst kommt das Evangelium. Mit Moral-Predigten steigt keiner vom Baum, selbst Katzen nicht. Die Liebe allein bringt es. Und diese Liebe gibt. Sie nimmt nichts, aber sie befreit zu geben. Wenn es nötig ist vierfach.

Matthäus 9, 35-39

Ist denn heute schon Erntedank? Wem beim Lesen der Predigttextes für den kommenden Sonntag solche Gedanken kommen, hat sie nicht zu Unrecht. Schließlich sind auch die Erntehelfer genannt, deren Aufgabe das Einfahren des Geernteten ist. Dass „Ernte“ im vorliegenden Abschnitt des Matthäus Evangeliums für ein „Weltgericht“ am Ende der Zeit steht, erschließt sich nicht von selbst. Dass nahe herbeigekommene „Himmelreich“, so die Botschaft des Evangelisten, wird am Ende die Unterscheidung von Gut und Böse bringen. Dann wird Klarheit herrschen, auch im Hinblick auf Erlösung und Verdammnis. Dass Klarheit erst am Ende der Zeit herrschen wird, bewahrt menschliches Urteilsvermögen vor Absolutheitsanspruch. Und es verdeutlicht: Ein „alles wird gut“ springt zu kurz. Wir haben Hoffnung auf Erlösung durch das Gericht hindurch, nicht aber an ihm vorbei. Was sonst noch über Gericht zu sagen wäre, muss warten, bis es wieder Karfreitag und Ostern ist. Vorher jedoch kommt wirklich Erntedank.