Alle Artikel mit dem Schlagwort: Periskop

Epheser 5, 15-21 und das Gläschen in Ehren

„Ein Gläschen in Ehren…“ Oder etwa doch? Auch wenn im Predigttext für den morgigen Sonntag die Aufforderung ergeht mit dem Gewächs des Weinstocks in Maßen umzugehen, liegt darin nicht die erste Stoßrichtung des Abschnitts aus dem Epheserbrief. Vielmehr geht es darum unter welchem Vorzeichen ein christliches Leben stehen soll. http://www.ekir.de/url/ZWg Überraschender Weise scheinen Alkohol und der Geist Gottes ähnliche Wirkung hervorrufen zu können. Die Pfingstgeschichte erzählt es jedenfalls so. Die Möglichkeit außer sich zu geraten kann offenbar durch das Eine oder den Anderen begünstigt werden. Im Falle des Geistes Gottes führt er uns über unsere Möglichkeiten hinaus und öffnet unsere Herzen und Sinne. So können wir seine Wirklichkeit unter uns wahrnehmen, auch wenn es um uns herum vollkommen anders aussieht. Diese Anwesenheit Gottes soll unser Leben bestimmen. Sein Geist in Ehren dem kann niemand wehren.

Israel Sonntag in der Evangelischen Kirche im Rheinland

Der für den 10. Sonntag nach Trinitatis (24.8), den Israelsonntag, in diesem Jahr vorgesehene Predigttext steht in Röm 11,25-32. Vorsicht ist hier geboten, vor allem vor politischen Aktualisierungsversuchen. Schließlich ist es verdichtete theologische Rede des Paulus. Zudem hat sich im Luthertext noch ein verhängnisvoller Übersetzungsfehler eingeschlichen: Die „Verstockung“, die „einem Teil Israels widerfahren sei“, ist eigentlich eine „Schwiele“ bzw. ein „Starkwuchs bei einem Bruch“. Es handelt sich also nicht um einen negativen Vorgang, sondern um das Einsetzen eines Heilungsprozesses. Die betroffene Körperpartie wird durch die „Schwiele“ geschützt, damit das Leben weitergehen kann. Wir verweisen hier auf die Arbeitshilfe der ekir „So wird ganz Israel gerettet werden“- http://www.ekir.de/www/downloads/ekir2014arbeitshilfe_israelsonntag.pdf Sowie eine Kurzfassung unter: http://www.ekir.de/www/service/christen-und-juden-15878.php

Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit.

Von ihren Anfängen an haben Menschen die tragische Erfahrung des Bösen gemacht und versucht, die Wurzeln zu erfassen und Ursachen zu erklären. Das Böse ist keine anonyme Macht, die in der Welt am Werk ist. Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit. Diese Eigenschaft steht im Mittelpunkt des Bösen und geht ständig mit ihm einher. Es hat immer ein Gesicht und einen Namen: das Gesicht und den Namen von Menschen, die es aus freien Stücken wählen. Die Bibel sagt, dass am Anfang der Geschichte Adam und Eva sich gegen Gott auflehnten und Abel von seinem Bruder Kain erschlagen wurde. Das waren die ersten Fehlentscheidungen, auf die im Laufe der Jahrhunderte zahllose weitere folgten. Jede von ihnen hat, eine klare Verantwortlichkeit von Menschen. Wenn man nach seinen tieferen Bestandteilen sucht, wird man feststellen, dass das Böse letztlich bedeutet, sich der Notwendigkeit der Liebe zu entziehen. Das Gute hingegen erwächst aus der Liebe, zeigt sich als Liebe und richtet sich an der Liebe aus. Die Logik der christlichen Liebe drängt, konsequent zu Ende gedacht, sogar …

Trinitatis heißt Dreieinig nicht Dreifaltig

Der morgige Sonntag hat einen folgenschweren Namen: Trinitatis. Die nächsten 20 Sonntage werden nach ihm abgezählt. Bis zum 2.November. Offenbar ist dieses Fest wichtig. Theologisch bedeutsam ist es auf jeden Fall. Denn wenn der christliche Glaube Gott bekennt, tut er dass indem er ihn als Gott den Vater, Gott den Sohn, und Gott den Heiligen Geist erkannt hat. In der Beziehung dieser drei „Personen“ zeigt sich Gottes Wesen und es zeigt sicht vor allem, dass „Gott“ kein statischer Begriff, sondern lebendiger Austausch ist. In der Bezogenheit dieser drei zeigt sich eindeutig Leben. Und Eindeutigkeit meint gerade nicht „Dreifaltigkeit“. In der Geschichte von Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligem Geist zeigt sich vielmehr die Einheit Gottes. Ein einziger, in sich selbst nicht abgeschlossener, sondern lebendig und allem Lebendigem zugewandter Gott. Wenn ihr diesem Fest mit dem folgenschweren Namen einen Dienst erweisen wollt, der die EINIGKEIT Gottes betont, schreibt eine kurze Notiz an die Herausgeber des liturgischen Kalenders der ekir mit dem Hinweis, dass der Begriff „Tag der Dreifaltigkeit“ eine höchst unangemessene Bezeichnung des Festes der …

Exodus 32, 7-14 Gottes Freiheit ist Barmherzigkeit

Lassen wir den Streit um den wahren und die falschen Götter mal beiseite. Lassen wir auch den monumental zu verfilmenden „Tanz um das goldene Kalb“ weg, auch wenn es bei den morgigen Predigten in Euren Gottesdiensten sicher darum gehen wird. Richten wir den Blick stattdessen auf die beiden Hauptakteure. Beide haben sich verändert. Miteinander und aneinander. Der eine wird vom Totschläger zum ständigen Gesprächspartner Gottes.  Der andere hielt es nicht für einen Verlust von Majestät seine einmal getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Ginge es bei den beiden nicht um „Mose“ und „JHWH“ seinen Gott, wäre diese Beziehungsgeschichte sicher nicht durch die Jahrtausende tradiert worden. Gott verändert! Er verändert Menschen und sich selbst. Er lässt sich bitten und ist der, der Hoffnung vermittelt. Beide, Gott und Mensch, sind frei und bewegen sich in ihrer Freiheit aufeinander zu. Gottes Freiheit ist seine Barmherzigkeit! Eigentlich ist damit der Streit um den wahren und die falschen Götter auch entschieden. Gott sei Dank. Marina del Castell via Compfight

1.Könige 19,1-8 Steh auf und iß

Manchmal ist es hilfreich sich Verzweiflungsgeschichten zu erzählen. Nicht um sich gegenseitig weiter das Leben schwer zu machen, sondern um an einen Punkt zu gelangen von dem aus es gelingt Veränderung herbei zu führen. Eine solche Geschichte wird am morgigen Sonntag „Okuli“ erzählt. Die Hauptfigur kann ihren Blick schließlich erheben, findet neuen Mut, geht gestärkt durch Gott zurück ins Leben. Zu Beginn der Erzählung ist es allerdings aus mit der Person. Durch eigenes Fehlverhalten musste sie sich auf die Flucht begeben. Wer wie ein gehetztes Tier lebt, hat bald keine Kraft mehr, sinkt mutlos in sich zusammen: „Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele.“ In tiefster Verzweiflung und größter Gefahr zweifelt der Mann Gottes an sich und ist in der Einsamkeit ausgeliefert. Er nicht in die Hände Gottes gefallen, sondern in seine eigenen. Darum möchte er, dass Gott ihn aus diesem Leben nimmt. Schließlich tritt er aber heraus aus seiner „Höhle“, denn die Zusage Gottes klingt nach basaler Aufforderung, wird aber als göttliches Segenswort gehört: „Steh auf und iß“. Manchmal schmeckt der Segen …

Gastliche Ökumene als Kirche der Zukunft (Apg. 16,9-15)

„Kommt herüber und helft uns.“ Wir sind auf Zusammenarbeit angewiesen. Erst recht wenn es darum geht Kirche zu bauen und im Namen Jesus Christi zu einander zu kommen und bei einander zu bleiben. Von beidem ist im Predigttext für den morgigen Sonntag zu lesen. http://www.ekir.de/url/dKS Ein wichtiges Ereignis wird erzählt: Der christliche Glaube kommt nach Europa, die erste Hauskirche entsteht. Sie ist weiblich, denn „Lydia tat der Herr das Herz auf, so dass sie darauf Acht hatte, was von Paulus geredet wurde.“ Jüdische Wurzeln hat diese kleine Gemeinde also, und wenngleich sie sich auf europäischen Boden befindet, ist die erste, die Gottes Wort dort hört keine europäische Frau. Lydia stammt aus einem Dorf nahe dem heutigen Izmir. Von Anfang an wird die Kirche Jesu Christi aus ökumenischen Wurzeln gespeist. Wie konnte es kommen, dass das in Vergessenheit geriet? Freie Bürger, Sklavinnen und Sklaven, Freigelassene kommen zusammen, bilden eine Sabbat Gemeinschaft, hören von Jesus und lassen sich taufen. Was folgt ist Nötigung zur Gastlichkeit: „Kommt in mein Haus und bleibt dort“ (V15). Braucht es eine andere …