Alle Artikel mit dem Schlagwort: Papst

Aushalten statt Abschaffen

Sie haben Freude am Ausmisten? Beschäftigen Sie sich mit dem Protestantismus, denn der ist „semper“ dabei sich aufgeräumt zu präsentieren! Er hat viel Erfahrung mit Ballast, der unnütz geworden zu sein scheint: Bilder, Heilige, Papst, Tod und Teufel, Plastikverpackungen, Dieselfahrzeuge und Massentierhaltung –alles weg, selbst Kirchentage. Warum nicht auch die Predigt abschaffen? Es ist besser gar nicht zu predigen, als schlecht zu predigen, oder auch umgekehrt. Die alljährliche Diskussion um die Qualität der Weihnachtspredigt ist diesmal schon früh dran. Wer mag kann sich selbst auf Spurensuche begeben und unter #abkanzeln fündig werden oder im eulemagazin die Binnendebatte verfolgen. Erhellende Einsichten wird man dabei vor allem über den Level der Ambiguitätstoleranz innerhalb der evangelischen Kirche erhalten. Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten ertragen können ohne dabei handlungsunfähig zu werden, das könnte zu einem probaten Mittel gottesdienstlicher Gestaltung insgesamt werden. Denn was für die einen unerträgliches „Gebastel“ und „Wildwuchs“ ist, erheben andere gerade zum Programm. Dass Predigt und Gottesdienst eine Zumutung bleiben, ist in Zeiten in denen alles auf den Prüfstein muss, vielleicht sogar nützlich.   foto: https://unsplash.com/@stefyaich

Gestern war ich beim Papst

Gestern war ich beim Papst. Erwin Lindemann aus Wuppertal war auch da. Er meinte, es wäre schön, wenn Franziskus wieder rote Schuhe anziehen würde. Die Kunden in der Herren-Boutique sähen es jedenfalls lieber so. Ich musste Erwin aufklären, dass wir nicht wegen der Stilfragen hier wären, sondern um der Theologie willen, also fast, eigentlich wegen der kirchlichen Einheit. Mit der Wiedervereinigung sei das so eine Sache, meinte der Papst, das könne man doch besonders bei uns in Deutschland sehen und, ob wir unser Gespräch nicht drüben mit Joseph Ratzinger weiterführen wollten. Erwin war sofort begeistert, doch ich konnte abwiegeln. So gingen wir erst einmal Milchreis essen. Wie es denn nun mit der evangelischen Kirche in Deutschland weiterginge, wollte der Papst wissen und streute sich noch etwas Zimt über den Reis. Das sei eine schwierige Frage, antwortete ich, denn die vielen Feierlichkeiten hätten Kraft gekostet und den Blick auf Neuorientierung verstellt. Deswegen gilt es auch immer zu lächeln. In Kameras sowieso. Und viele Worte müssen es sein, „Begeisterung“ muss es sein und „Leben“ und „Menschen“ meist …

Präses Nikolaus Schneider zur Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt XVI

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erklärt zur Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt XVI. am heutigen Montag: „Die Ankündigung des Rücktrittes von Papst Benedikt habe ich mit großem Respekt zur Kenntnis genommen. In besonderer Weise denke ich an unser Zusammentreffen in September 2011 im Augustinerkloster zu Erfurt, wo Papst Benedikt an einer Lutherstätte die existentielle Frage Martin Luthers ,Wie bekomme ich einen gnädigen Gott‘ in eindrucksvoller Weise aufgenommen hat. Ich danke auch im Namen des Rates der EKD für alle theologischen Gespräche und Diskussionen. Dass Papst Benedikt, der im 86. Lebensjahr steht, von sich aus das Amt abgibt, empfinde ich als bewegend, und es erfüllt mich mit großem Respekt. Ich wünsche Papst Benedikt nun von ganzem Herzen erfüllte Jahre, die er ohne die Bürde des Amtes verleben möge. Dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen und dass man ab einem bestimmten Lebensalter von allen amtlichen Pflichten befreit ist, gehört zum Maß des Menschlichen. Es ist ein gutes Zeichen, dass Papst Benedikt dieses durch das Evangelium eröffnete Maß des …

Ökumenisches Logo in Reichweite -mehr aber gewiss nicht!

Logo Debatten sind langwierig und schwierig. Das weiß jeder, der schon einmal in Sitzungen saß in denen entschieden werden sollte, welcher Vorschlag nun angenommen und welcher verworfen wird. In der Kirche wird die Grundsatz Diskussion  darüber geführt, ob bzw. wie das Symbol des Kreuzes in einem Logo aufgenommen werden soll. Nun ist die Evangelische Kirche im Rheinland (ekir) vor einigen Jahren auf die Idee gekommen ein einfaches Kreuz zu wählen, allerdings erst eines, dass sich erst auf den zweiten Blick zu erkennen gibt. Manchem erscheint bis heute kein Kreuz vor Augen. Und man darf annehmen, dass genau dieser Kompromiss zu der Entscheidung geführt hat. Erstaunlicher Weise hat sich die Katholische Kirche im Kanton Zürich ein ganz ähnliches Logo gegeben.Damit allerdings dürften die Gemeinsamkeiten dann aber schon erschöpft sein. Jedenfalls, wenn man sich die jüngsten Äußerungen des sommerlichen Papst-Interviews anschaut. Den netten Kondom-Aufmacher mal beiseite gelassen, offenbart sich der Graben zwischen katholischer und evangelischer Auffassung von dem was „christlich“ genannt zu werden verdient als dermaßen gewaltig, dass es mir sehr fragwürdig erscheint, wie über diesen Graben …

Hand Gottes?

Immerhin: Der Papst guckt kein Fußballspiel. Trotzdem drückt er uns die Daumen. Dass wir deswegen „den Papst in der Tasche haben“ ist eine bemerkenswerte Äußerung des Boulevards. Alle Kritik an den Kirchen vergessen! Wenn es um das Siegen geht, weiß jeder, dass es ohne ein Quäntchen Glück, göttlichen Beistand oder sogar die „Hand Gottes“, nicht geht. Das Ereignis Fußball-WM zeigt, dass wir Wissen: WIr können noch so gut vorbereitet sein, auf das, was kommt. Letztlich haben wir es aber nicht in der Hand. Für die Lücke, die bleibt ist der „Fußballgott“ zuständig. Für die Höhen und Tiefen in unserem eigenen Leben ist ein anderer Gott zuständig,

Von Kirchen, Banken und Heuschrecken

„Der Spiegel“ aus Hamburg geht mit kirchlichen Themen nicht gerade unvoreingenommen um. Dazu passt auch dieser Artikel im Panorama. Da steht u.a. zu lesen: Eine Umfrage für manager magazin zeigt: Die katholische Kirche genießt in Deutschland noch weniger Vertrauen als Großbanken und Parteien. Und dem katholischen Oberhirten Robert Zollitsch wird weniger Wertorientierung zugetraut als Deutschbanker Josef Ackermann. In dem Stil geht es dann weiter. Beim nächsten mal ist die Evangelische Kirche dann wieder der Bumann. Das ist Berichterstattung nach dem Motto: Irgendetwas negatives wird schon hängenbleiben. Interessant ist, das der Ex-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann immer noch höchste Dignität in ethischer Orientierung zugestanden wird.

Bad Bank and Bad Pope

Was sich die einen für den Finanzsektor wünschen, nämlich eine “Sünderbank“, die alle faulen Kredite aufkauft, das ist nun für alle Gegener der Kirchen geschaffen worden! Der “bad Pope“! Der “schlechte Papst“ zieht nun allen Zorn auf sich (vergessen ist das “Wir sind Papst“) und deshalb werden nun alle Christen als reaktionäre,  undemokratische und antiaufklärerische, gestrige eingestuft. Wenn “die Kirche“ im Kreuzfeuer steht gibt es keine Konfessionen mehr, dann ist die katholische Wunschvorstellung von Ökumene schon längst Wirklichkeit. Es existiert nur noch die eine “römische“ Kirche! So fügt der Papst nicht nur der eigenen Kirche schweren Schaden zu, sondern zugleich allen anderen Kirchen, die oft genug als in seinem Schatten Segelnde wahrgenommen werden. Anders als die “Bad Bank“, die die anderen Finanzinstitute “rein“ waschen soll, tritt hier das genaue Gegenteil ein: “Das Christentum“ wird als eine Religion wahrgenommen, die nicht mehr in die Zeit passt, weil sich ihre Themen (Priorisierung der “Einheit der Kirche“ – vor – Vertretbarkeit mit rechtsstaatlichen Grundsätzen) nicht mehr mit der Gegenwart synchronisieren lassen. Der Glaubwürdigkeitsverlust des “Stellvertreters Christi“ trifft so …