Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kreuz

Kurve geht nach unten

Ein Herz für Versager

Versager sein, mag niemand. Der Versager ist nämlich jemand, dem nicht nur hier und da etwas misslingt, sondern der immer wieder auf ganzer Linie scheitert und dem deswegen das Label des „Losers“ -entweder als Fremd- oder als Eigenbeschreibung- anhaftet. Von Versagen, Scheitern, Verlieren zu erzählen ist mit Scham besetzt, obwohl es sich um zutiefst menschliche Erfahrungen handelt. Weil sich Erfolgsgeschichten aber besser verkaufen lassen, gehört es dazu Momente des Versagens zu verschleiern.  Im zwischenmenschlichen Bereich ist die Ausrede ein wirkungsvolles Mittel der Verschleierung, das allerdings im beruflichen Kontext strikt zu vermeiden ist. Die berühmte „Lücke im Lebenslauf“ ist unter allen Umständen in Bewerbungsunterlagen zu unterlassen. So nimmt das Erzählen der Erfolgsgeschichten ihren Anfang. Biblische Geschichten dagegen machen ernst mit menschlichem Versagen und dennoch muss dieses oft erst mühsam freigelegt werden: Zachäus gilt als ein Vorbild im Glauben, weil er sich beharrlich nicht davon abbringen lässt zu Jesus durchdringen zu wollen. Dass es sich bei ihm um einen notorischen Betrüger gehandelt hat, ist immerhin noch nicht ganz vergessen. Jakob, der Stammvater Israels, ist auch ein Muttersöhnchen, …

Mt4,11-11

Verlockungen Mt.4,1-11

Photo Credit: pshmell via Compfight cc Einfache Lösungen sind verlockend. Wie wäre es endlich dem Hunger auf der Welt ein Ende bereiten zu können? Oder endlich einen unumstößlichen Gottesbeweis liefern zu können? Oder besser noch: Die Herrschaft über die ganze Welt? So spricht der, der alles durcheinander wirft, ganz und gar diabolisch. Im Predigttext für den morgigen Sonntag schneidet Jesus den verlockenden Angeboten den Weg ab. http://www.ekir.de/url/Qfo Wer Gott ist, erfährt man nicht, wenn man Lebensversicherungen, Wundern und Machtphantasien hinterher läuft. Vielmehr ist er dort zu finden, wo Anfeindungen und Missverständnisse auf einen dunklen Leidensweg führen. Jesus nimmt dieses „Kreuz“ auf sich und zeigt so, dass Gott mitleidend, verstehend, heilend, liebend ist. Auch diese Lösung ist einfach. Aber nicht verlockend.

Kreuz statt Krone. Hebräer 13,12-14

Einfach mal raus gehen. Abstand gewinnen, zu sich kommen. Die kirchlichen Bußzeiten laden dazu ein. Die Passionszeit erst recht, auch wenn der sich -in diesem Jahr mit besonderer Macht- einstellende Frühling die Fokussierung auf Leiden mit tödlichem Ausgang nicht gerade fördert. Dennoch: Hinausgehen und die „Schmach ertragen“, dazu lädt der Predigttext des morgigen Sonntags Judika aus dem Hebräerbrief ein. Auch wenn dort ein Leiden mit Jesus gemeint ist, der „draußen vor dem Tor“ die Schmach ertragen hat, liegt in diesen Tagen auf der Hand, dass auch seine Kirche offenbar mit Schmach und mit Spott überzogen werden kann. Ob das nun in Talk-Shows oder satirischen Wochenrückblicken passiert: Doppelsitzige Badewannen und bestellte Luxuskarossen eignen sich dazu ausgezeichnet. Nur ist diese Art des Ertragens gerade nicht gemeint. Bei den Ausgestoßenen und Ausgrenzten, den Entwurzelten, da soll die Kirche Jesu Christi stehen, nicht bei denen, die die Insignien der Macht tragen. Der Kirchenvater Johannes Crysostomos hat einmal dazu aufgerufen „das Kreuz wie eine Krone zu tragen“. Vielleicht muss heute daran erinnert werden, dass die Kronen besser im Museum aufgehoben …

Der Mensch ist leider nicht naiv… (Predigt über Epheser2,4-10)

Liebe Gemeinde, es geht das Gerücht, ein Pfarrer aus der Provinz hätte angesichts dieses Predigttextes einen Brief an seinen Bischof geschrieben. Einen Brief mit folgendem Inhalt: „Liebe Bruder im Herrn, ich weiß nicht, was man mit der öffentlichen Lesung der Predigttexte erreichen will, wenn sie solchen Charakter haben, wie der im Epheser Brief im zweiten Kapitel vom vergangenen Sonntag. Es handelt sich hier doch um einen Text, der ohne eingehende theologische Auslegung gänzlich unverständlich bleibt. Soll ich im Rahmen einer Predigt nun Unterricht in der christlichen Religion betreiben? Das wäre doch wohl ein falsches Predigtverständnis, oder? Ich finde solche lehrhaften, theologisch dichten Texte ungeeignet zur öffentlichen geistlichen Rede und bin nicht willens meine Gemeinde mit derartiger Dogmatik zu belasten. Ich habe mich deshalb entschieden den Evangeliums Text vom Pharisäer und Zöllner zu predigen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfäfflein aus der Provinz….“

Vom Kreuz mit dem Amtseid und Dackeln

Da gibt es also eine Verlegenheit bei den Kirchen, wenn eine Muslima ihren ministerialen „religiösen“ Amtseid spricht. Das ist auf evangelisch.de zu lesen. Ich finde es wesentlich schlimmer, wenn die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ihren Amtseid ohne „religiöse“ Formel spricht. Kann man wirklich auf „religöse“ Begründung von Recht (als ganz und gar menschliche Angelegenheit) verzichten? Dies ist eine verfassungsrechtlich wohl nicht minder schwer zu beantwortende Frage, wie die theologische nach dem Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam. Nach dem Ökumeniker Hans Küng ist das wohl ein äußerst zu begrüßender Vorgang. Aber die Bedenkenträger sind immer schnell bei der Sache. Ich halte es da mit Hermann Barth, dem Präsidenten des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zwischen Christen und Muslimen gebe es zwar erhebliche Unterschiede beim Gottesbild und im Verständnis von Jesus Christus, doch sei der Bezug auf Gott in der Eidesformel wie auch in der Präambel des Grundgesetzes nicht exklusiv an das christliche Gottesverständnis gebunden, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Ministerin habe damit zum Ausdruck gebracht, „dass sie ihre Verantwortung in einem …

Titanic Cover zur Mißbrauchsdebatte

So schnell bin ich in meinem religiösen Empfinden nicht zu erschüttern. Vor zwanzig Jahren hab ich öfter das Magazin gekauft. Über gekreuzigte Frösche und „Madonna“ als Gekreuzigte habe ich vor einigen Monaten hier schon geschrieben, ohne die Aktionen als blasphemisch zu verbannen. Das aktuelle Titanic Cover geht (selbst) mir allerdings einen Schritt zu weit. Die „spritzende“ Wunde ist das Tüpfelchen auf dem „i“, das die ganze Karrikatur als-gar-nicht-mehr-zum-Schmunzeln erscheinen lässt. Ich empfinde das auch als einen Schlag in das Gesicht der Missbrauchs Opfer! Bei facebook sollte man dieser Gruppe beitreten. Und der anderen, damit man weiß, was die denken.

Keine weichgespülte Nächstenliebe. Philipper 2,5-11

Die römischen Kaiser prägten das Bild selbst, das sich die Welt von ihnen machen sollte: Auf den Münzen, die sie schlagen ließen, sehen sie daher so aus, wie sie aussehen wollten –stark und machtvoll. Kaiser Augustus zum Beispiel schaute auf seinen frisch geprägten Denaren … noch im Alter von siebzig so aus wie mit dreißig. Die Münzbilder waren Propaganda. Sie brachten die richtige Botschaft unter das Volk: den ewig jungen Herrscher.“ * „Ihr kauft mit den Schneid nicht ab“, dass war die Botschaft, die unter das Volk sollte. Heute gibt es diese Form der Münzenpropaganda nicht mehr.