Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kirchenkritik

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Gezerre am Zipfel des Talars

Foto: Maik Meid Der Pfarrer* isst anders. Nämlich viel, weil es bei jedem Anlass etwas gibt. Mit Leib und Seele ist er außerdem bei der Sache, denn er wird dotiert und nicht nach Arbeitsleistung bezahlt. Deswegen wird auch erwartet, dass er einstecken kann. Nicht das Stück Kuchen beim Geburtstagsbesuch —obwohl auch das schon vorgekommen sein soll— sondern vor allem Kritik. Das Schicksal teilt er freilich mit Politikern*, Lehrern*, Journalisten* und allen anderen, die in irgendeiner Art und Weise „öffentlich“ ihren Beruf (ein evangelisches Wort!) ausüben. Dagegen ist rein gar nichts einzuwenden bis auf die Tatsache, dass man eigentlich über das demokratische System, Schule, irgendwas-mit-Medien und eben Kirche redet. Der Stammtisch kennt allerdings keine Systeme, sondern nur Personen, über die man sich überaus trefflich unterhalten. Manchmal braucht eine Synode auch einen Stammtisch. Nicht erst am Abend, sondern gleich im Plenum. Das heißt dann „Impuls Referat“ und der Redner* darf kräftig vom Leder ziehen. Tut er auch meistens, wie kürzlich auf der EKD Synode. Warum sich allerdings unter dem Titel „Herausforderungen für eine reformbereite Kirche“ banale Ratschläge wie …

Kirche!

„Mein Bild von Kirche“ oder auch welche „Vision von Kirche“ habe ich? In unzähligen Runden meines Berufslebens wurde dieses Thema hin und her gewälzt. Um es vorweg zu nehmen: Der Erfolg ist mäßig. Ich kann nicht erkennen, dass sich an kirchlicher Praxis einschneidendes geändert hat. Irgendwann steht man im Basisgremium (Kirchenvorstand/Presbyterium) vor der Frage, was wünschbar wäre und was machbar ist. Meistens wird dann die Formel bemüht „Bewährtes erhalten und Neues wagen“. Leider ist dieses Konzept zum Scheitern verurteilt, denn die Kapazitäten reichen oft nur bis Erhaltung aller wichtigen Dinge, die man als Gemeinde so veranstaltet. Und da der eine diese und die andere jene Dinge für wichtig erachtet, ist schlussendlich „alles“ wichtig und erhaltenswert. „Neues“ birgt die Gefahr der Veränderung, die meistens als bedrohlich empfunden wird und setzt es sich tatsächlich einmal durch ist es oft der Beharrlichkeit einer einzelnen Person zu verdanken. Das klingt, als könne man getrost auf Visionen von Kirche verzichten. Doch so einfach ist das Thema dann doch nicht von der Tagesordnung zu bekommen, weil im Wesen der Kirche die …

Kirche im Dorf lassen

Zum Glück bekommen auch Pfarrerinnen und Pfarrer die Zeitschrift ekir.info zugestellt. Eigentlich ist sie für Presbyterinnen und Presbyter gedacht. Kein schlechter Service für diese informiert zu bleiben oder zu werden. Bemerkenswert finde ich ein Interview mit der Vizepräses der rheinischen Kirche Petra Boss-Huber. Unter dem Titel „Damit die Kirche im Dorf bleibt“ ist u.a. zu lesen: „Frage: Wird die Kirche im Dorf bleiben? Bosse-Huber: Das ist unser Ziel. Es soll nicht auch noch im Pfarrhaus das Licht ausgehen…“ Unter Kirche im Aufbruch hatte ich eigentlich wirklich Aufbruch verstanden und nicht Neubelebung des protestantischen Kirchenbegriffs aus dem 19. Jahrhunderts (und auch nicht die Neuauflage irgendwelcher church-grow Programme aus den 1980er Jahren). „Kirche“ = „Pfarrhaus“? Selbst wenn das eine Verkürzung des Interviews sein sollte, bezeichnend ist doch das das Pfarrhaus als Erstes in den Blick kommt. Wenn es hieße: „Wir wollen nicht, dass in den Landgemeinden das Licht auch noch in den Kirchen ausgeht“, wäre das verständlich, aber die (unreflektierte?) Gleichsetzung von „Kirche“ und „Pfarrhaus“ ist bedenklich. Mich beschleicht der Verdacht Frau Bosse-Huber ist im „Reformstress“. Manchmal soll …

Über den Antisemitismus bei Katharina von Bora

Der streitbare Prof. Friederich Wilhelm Graf hat mal wieder ordentlich „seine“ Kirchenleitung vorgeführt und (wie immer) deutliche Worte zu „überaus theologischer Übersichtlichkeit“ gefunden. Der Artikel gefällt mir, gerade weil so wenig Kritik aus der akademischen Theologie an die Kirchen geübt wird. Dabei gilt für Hochschullehrer nicht, was fürs Pfäfflein (meistens) gilt: „Wes Brot ich eß, des Lied ich sing“.