Pastorenstückchen

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Boxhandschuhe

foto: sxc.hu

Nachdem der EKD Oberkirchenrat Thies Gundlach die katholische Kirche einst mit einem angeschlagenen Boxer verglichen hatte, der von einer Ecke in die andere taumele, musste er selbst einige Zeit am Boden verbringen. Nun ist er wieder aufgestanden und wird Vize Chef des Kirchenamtes.
Auch wenn es einen Krisengipfel brauchte um die Wogen wieder zu glätten, nun ist alles wieder im Lot, schließlich ist er nicht über eine rote Ampel gefahren. Und außerdem steht er nicht in der ersten Reihe, wie einst Margot Käßmann oder neuerdings Nikolaus Schneider.

Schön, dass seine Qualitäten sich durchgesetzt haben. An der Analyse der ökumenischen Situation weiter lesen

Heute im Deutschlandfunk in der Sendung “Kontrovers” ging es um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. So richtig kontrovers waren die eingeladenen Gesprächsteilnehmer allerdings nicht.
Herr Martin Lohmann ist ja bekanntlich bekennender Katholik, mit einer manchmal abenteuerlichen politischen Argumentationslinie. Herr Stefan Vesper sah zwar ein, dass ein Glaubwürdigkeitsproblem bestehe, man wurde aber den Eindruck nicht los, dass die Medien doch alles zu undiffernziert “hochgekocht” hätten. Immerhin der DLF Redakteur Hartmut Kriege gab zu bedenken, dass sie die katholische Kirche in ihrem Krisenmanagment doch sehr von der Gesellschaft entfernt habe.
Richtig haarsträubend (aus evangelischer Sicht) wurde es dann, als es “theologisch” zuging: Die Kirche sei von “oben” als göttliche Stiftung eingesetzt, durch den Stifter Christus. “Das sei nun einmal so!” Punkt.

Foto: evangelisch auf Flickr.com


Das nun als “theologisch” zu bezeichnen ist schon sehr weit hergeholt. Das ist noch nicht einmal dogmatisch, sondern einfach apodiktisch.
Zumal der 450. Todestag von Philipp Melanchton vor gerade einer Woche dazu Anlass geben könnte, diese Ekklesiologie (die im übrigen von nicht wenigen katholischen Neutestamentlern grundlegend anders beantwortet wird) aufs neue zu hinterfragen.

In der Confessio Augustana, die im wesentlichen aus Melanchtons Feder stammt, geht schon etwas differenzierter zu. Da ist zunächst von einer dreifachen Gestalt der Kirche zu unterscheiden: die ecclesia spiritualis (Gemeinschaft aller wahrhaft Glaubenden), die ecclesia universalis (als die Gemeinschaft aller Getauften) und dann die ecclesia particularis (die Kirchenorganisation). Erstere ist nach evangelischem Verständnis von grundlegender Bedeutung für das Kirche sein, dass sich in der Gemeinschaft aller Getauften realisiert und dann in verschiedener Art und Weise organisatorische Gestalt gewinnen kann.
Kennzeichen der Kirche (nota ecclesiae) ist das reine Verkündigen des Evangeliums und die rechte Verwaltung der Sakramente (CA VII).
Die äußere Organisation kann sich gerade nicht auf ein göttliches Recht, oder göttliche Stiftung berufen.
So ist der evangelische Kirchenbegriff vollkommen von der römisch-katholischen Auffassung zu unterscheiden, das gerade in der Einheit der Weltkirche und der Anerkennung des Hirtenamtes in der Nachfolge des Petrus eine konstituierende Grundlage sieht.
Aber selbst das könnte man differenzierter darstellen, als in einem, “das ist eben so”.
Oder man muss mit dem Einwand zurecht kommen: Das ist (nach evangelischem Verständnis) eben nicht so!
Und wer mit der katholischen Setzung von Kirche nicht zurecht kommt, muss noch lange nicht “die Kirche” über Bord werfen.
Alle diese Menschen sind eingeladen einer anderen kirchlichen Organisationsform zu folgen, ohne ihre Identität als getaufte Christen zu verlieren.
Werden sie evangelisch, aus gutem Grund!

Heuschrecke Franz Münte

Foto: DerDaniel1 auf Flickr.com


“Der Spiegel” aus Hamburg geht mit kirchlichen Themen nicht gerade unvoreingenommen um. Dazu passt auch dieser Artikel im Panorama. Da steht u.a. zu lesen:

Eine Umfrage für manager magazin zeigt: Die katholische Kirche genießt in Deutschland noch weniger Vertrauen als Großbanken und Parteien. Und dem katholischen Oberhirten Robert Zollitsch wird weniger Wertorientierung zugetraut als Deutschbanker Josef Ackermann.

In dem Stil geht es dann weiter. Beim nächsten mal ist die Evangelische Kirche dann wieder der Bumann. Das ist Berichterstattung nach dem Motto: Irgendetwas negatives wird schon hängenbleiben.

Interessant ist, das der Ex-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann immer noch höchste Dignität in ethischer Orientierung zugestanden wird. weiter lesen

Bild: vaticarsten auf flickr.com

Vor dem ökumenischen Kirchentag in München bewegt nicht nur die Frage, zu welchen Veranstaltungen Margot Käßmann erwartet wird die Öffentlichkeit, sondern auch, ob es ein gemeinsames Abendmahl geben können wird.
Allerdings wird sich diese Erwartung so schnell nicht erfüllen. Denn der eigentliche Streitpunkt ist das unterschiedliche Verständnis vom “Amt”, sprich von Priestern und Pfarrern (und besonders Pfarrerinnen).

Das hat der bayrische Landesbischof Johannes Friedrich in einem epd-Interview jüngst noch einmal bekräftigt:

epd: Ein festgefahrenes Problem ist das gemeinsame Abendmahl.
Friedrich: Da wird auch durch den Ökumenische Kirchentag keine neue Bewegung kommen. Nach katholischem Verständnis ist nur dann eine gemeinsame Eucharistiefeier mit Kirchen möglich, mit denen eine vollständige Kirchengemeinschaft besteht. Das Abendmahl wäre dann also der absolute Endpunkt der Entwicklung. Der Hauptunterschied liegt nach wie vor im unterschiedlichen Amtsverständnis: Der katholische Priester hat im Gegensatz zum evangelischen Pfarrer als geweihter Mitarbeiter des katholischen Bischofs einen anderen Stand als die Laien.

Den kirchenfernen Leser dürfte erstaunen, dass weiter lesen

Hektische Betriebsamkeit in der Ökumene!

Schnelles Krisenmanagment und die Pressemitteilungen sind wieder positiv. Fragt sich nur um welchen (evangelischen) Preis? Kaum jemand scheint das Papier gelesen, geschweige denn ausgewertet zu haben. Kein Wunder, lag es doch nur ausgewählten Medienvertretern vor; und ist wohl nur durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt  (inzwischen aber hier veröffentlicht).

Abgesehen davon, dass Bewertungen von Personen natürlich immer heikel sind, und auch nicht in Arbeitspapiere gehören, ist es ein sehr lesenswerte Analyse ökumenischer Beziehungen der letzten zehn Jahre. Inhaltlich gibt es die “langfristige Entwicklungen in der Ökumene … allerdings zutreffend” wieder, muss selbst die offizielle Seite der EKD eingestehen.

Bleibt noch die Sache mit dem “angeschlagenen Boxer”. Leider ein etwas unglücklicher Vergleich, weil man sich in der Kirche ja niemals (offiziell) prügeln darf. Aber liest man etwas genauer ist auch die evangelische Kirche ein “angeschlagener Boxer”:

“ Wie ein angeschlagener Boxer wird die katholische Kirche schwanken zwischen öffnenden Gesten und ruppiger Abgrenzung, zwischen ökumenischen Einladungen und profilierender Abgrenzung. Da die evangelische Kirche dieses interne Ringen zwischen Profil und Öffnung ebenfalls sehr gut kennt, wird sie Verständnis und Geduld für die römisch katholischen Geschwister aufbringen und mit Dankbarkeit … Gesprächsfäden aufgreifen…”

Harsche Kritik hört sich anders an, oder?

Fazit: Als einfacher Pastor darf man solche alles äußern, als hochrangiger EKD-Vertreter aber nicht. Wie gut, dass ich ein Pfäfflein bin!

Nun ist es also wieder soweit: Wahlkampfzeit, Zeit die Boxhandschuhe der Geschmacklosigkeiten, Halbwahrheiten und Diffamierungen auszupacken. CSU Landesgruppenchef Ramsauer attakiert (als Katholik!) die evangelsische Bundeskanzlerin wegen ihres “Zungenschlages” in der Aufforderung an den Vatikan (den er heute besuchte), sich deutlicher vom Holocaustleugner Williamson zu distanzieren (das Thema ist eigentlich schon genug erörtert worden).

Nun erscheint just ein Buch über die “Protestantin Merkel” von einem römischen Autor (Volker Resing), der sich die Zeiten des rheinisch-römischen Katholizismus in der CDU zurückwünscht. Das Interview im Deutschlandfunk zur Vermarktung seines Buches ist wirklich sehr empfehlenswert, kann man sich die 9,90 dann doch sparen.

Nur zur Erinnerung: Merkel hatte gesagt: ”Es geht hier darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann, und diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.”

Resing findet dazu: “Ich denke sicher, dass in der Form und auch in der Art und Weise diese Kritik viele verstört hat und sie auch falsch war, ungeschickt war.” Und faselt dann noch etwas von “Einkuschelbedürfnis” der deutschen Bischöfe.

Mir ist vollkommen schleierhaft, dass hier mit der Briefwaage Äußerungen der Bundeskanzlerin gewogen werden, wo deutsche Bischöfe mit Kanonen auf Spatzen schießen und wahrlich nicht “kuscheln” wollen. Die Worte “Gebährmaschinen”, (Mixa) und “Entartete Kunst”, (Meissner) stehen immer noch brüllend da und sind weit mehr als ein “Zungenschlag”. Von anderen Skandalen nicht deutscher Bischöfe ganz zu schweigen! Und auch innerhalb der römischen Kirche brodelt es doch gewaltig, so sehr, dass Bischof Müller seine eigenen Theologie-Professoren gehörig unter Druck setzt.

Der Verdacht drängt sich auf, dass bei der Misere in der sich die römische Kirche befindet schnell abgelenkt werden soll. Da macht man doch schnell mal einen konfessionellen Seitenhieb! Aber mit den Evangelischen Christen kann man es machen, zumal in der Passionszeit, die lieben es bekanntlich zu leiden und haben sich außerdem in der ganzen Debatte in geschwisterliches Schweigen gehüllt.

Da möchte man die Boxhandschuhe anziehen und fordern: Schluss mit der Ökumene!

Es ist ja schließlich Wahlkampfzeit.

Bad Bank and Bad Pope

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Was sich die einen für den Finanzsektor wünschen, nämlich eine ”Sünderbank”, die alle faulen Kredite aufkauft, das ist nun für alle Gegener der Kirchen geschaffen worden! Der ”bad Pope”! Der ”schlechte Papst” zieht nun allen Zorn auf sich (vergessen ist das ”Wir sind Papst”) und deshalb werden nun alle Christen als reaktionäre,  undemokratische und antiaufklärerische, gestrige eingestuft.

Wenn ”die Kirche” im Kreuzfeuer steht gibt es keine Konfessionen mehr, dann ist die katholische Wunschvorstellung von Ökumene schon längst Wirklichkeit. Es existiert nur noch die eine ”römische” Kirche!

So fügt der Papst nicht nur der eigenen Kirche schweren Schaden zu, sondern zugleich allen anderen Kirchen, die oft genug als in seinem Schatten Segelnde wahrgenommen werden.

Anders als die ”Bad Bank”, die die anderen Finanzinstitute ”rein” waschen soll, tritt hier das genaue Gegenteil ein: ”Das Christentum” wird als eine Religion wahrgenommen, die nicht mehr in die Zeit passt, weil sich ihre Themen (Priorisierung der ”Einheit der Kirche” – vor – Vertretbarkeit mit rechtsstaatlichen Grundsätzen) nicht mehr mit der Gegenwart synchronisieren lassen. Der Glaubwürdigkeitsverlust des ”Stellvertreters Christi” trifft so letztlich alle Christenmenschen.

Wundern kann man sich über die Entscheidungen eigentlich nicht. Der, der früher als Kardinal noch Ratzinger hieß, war im Grunde schon immer ein Gegner des 2. Vaticanums. Und die Unterschrift unter dem Lehrverbot von Hans Küng und  Eugen Drewermann ist auch die des ehemaligen Präfäkten der Glaubenskongregation. Das wurde alles nur, während des Aufstiegs zum Popstar, vergessen. Ratzinger ist sich treu geblieben und keineswegs ein alternder Herr mit leichtem Hang zur Sinilität, wie einige meinen.

Die Sueddeutsche Zeitung gibt heute Ratschläge, wie die Kirchenmitgliedschaft gekündigt werden kann. Es werden auch diesmal wieder einige evangelische dabei sein, die des Papstes wegen austreten, wie seinerzeit Dagmar Berghoff.

Isidor ist der Schutzpatron aller Internetsurfer. Man lernt als “Evangele” ja nie aus, mit den Heiligen… Hat der Heilige Isidor beim neusten Auftritt des Vatikan etwas mitzureden gehabt?
Da überspringt die katholische Kirche einen gewaltigen Schritt. War das Web-Seitenangebot eher dürftig, gibt´s seit heute einen eigenen Kanal bei YouTube! Dagegen sieht die Weihnachtsbotschaft des “höchsten Repräsentanten der zweitgrößten evangelischen Landeskirche” -schon allein technisch gesehen- alt aus.