Alle Artikel mit dem Schlagwort: Hoffnung

Des Apfels Kern

Seit Monaten sitzt er in seiner Zelle. Wenn er sich auf sein Bett stellt, kann er durch einen Glasbaustein den Himmel sehen. An dem kleinen Tisch versucht er in Worte zu fassen, was ihn umtrieb, als er den Entschluss fasste abzudrücken. Es gelingt nicht, er gibt auf. Einmal in der Woche gibt es einen Apfel, ein Highlight, wie er sagt. Die Kerne wickelt er in Toilettenpapier, feuchtet es an und steckt es hinter die Heizung. Keimen sollen sie, so die Hoffnung. Nach einigen Wochen ist es soweit: Zwei Kerne haben gekeimt. Beim nächsten Hofgang ergattert er etwas Erde, füllt sie in den kleinen Joghurt Becher und hofft nicht entdeckt zu werden. Immerhin das gelingt. Er pflanzt die gekeimten Kerne ein, hegt und pflegt und hofft. Hofft, dass ein Pflänzchen entsteht, hofft, dass es ihm nicht genommen wird. Es glückt, auch mit dem Schreiben. Nun schreibt er über sich in der dritten Person. Die Blätter werden voll, das Pflänzchen wächst. Heute steht das Pflänzchen in einem Pfarrgarten. Es dürfte in den letzten 17 Jahren zu einem …

Religion, Privatsache? Joh. 15,26

Photo Credit: nchenga via Compfight cc „Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen Bundeskanzlern. Weniger indes von Kanzeln. Woran liegt das? Zweifelsfrei am morgigen Sonntag! Denn der Predigttext bereitet gewissermaßen vor, dass des Evangelium nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern hinaus in die Welt soll: „Ich werde euch den Tröster senden, den Heiligen Geist, der Zeugnis geben wird von mir, aber auch ihr sollt meine Zeugen sein“. Joh.15,26 Hier werden persönliche Glaubensgewißheit und öffentliche Verkündigung als ineinander verschränkt und aneinander gekoppelt, verstanden. Die persönliche Überzeugung bleibt nicht privat. Was es mit Leben und Tod, Liebe und Hoffnung, Schuld und Verzweiflung auf sich hat, kann man nicht mit sich selbst ausmachen. Denn auch der „Tröster“ ist nicht individueller Besitz, sondern kollektives Geschenk. Mehr davon an Pfingsten, dem Tag der Abschaffung der Privatsache. Auch auf Facebook zu lesen 🙂 : Periskop über Joh.15,26-16,4 am 17.5.2015 (Exaudi)„Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen… Posted by Evangelische Kirche im Rheinland on Samstag, 16. Mai 2015

Lk 1, 46-55 am 4. Sonntag im Advent

Voll des Lobes ist da jemand im Predigttext für den morgigen 4. Sonntag im Advent. Die Freude gibt den Ton an, weil Hoffnung auf Veränderung sich breit macht. Nicht die Lauten haben das sagen die, die voll des eigenen Lobes grölend auf die Straßen ziehen und wollen, dass alles bleibt wie es ist. Die junge Maria freut sich darüber, dass eine Umwertung aller Werte unmittelbar bevorsteht: „Die Gewaltigen werden vom Thron gestoßen und die Niedrigen erhöht. Die Reichen werden leer ausgehen, während die Hungrigen gesättigt werden.“ http://www.ekir.de/url/P54 Veränderung macht sich breit. Kein Grund ängstlich zu sein, auch nicht für besorgte Bürger. Nehmt euch ein Beispiel an Elisabeth. Sie hatte allen Grund sich mit ihrem Mann in der Rentner Wohnung zu verschließen und nichts mehr zu erwarten. Denn ihr sehnlichster Wunsch würde niemals mehr in Erfüllung gehen. Tat er dann aber doch. Ein Licht ging beiden auf, aus der Höhe, damit es erscheine denen, die in der Finsternis sitzen und richte die Füße auf den Weg des Friedens. (V.79). Diesen Weg soll man loben.

Qualvolles Warten auf Taifun Hagupit

Beim Blick auf den morgigen Predigttext zum zweiten Advent geht mir nicht aus dem Kopf, wie die Verse aus dem Lukasevangelium dort gehört werden, wo ein Wirbelsturm erwartet wird. (Lk 21,25-33) http://www.ekir.de/url/X6w „Und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ (V25+26) Ich bleibe bei den Bildern des qualvollen Wartens auf Taifun Hagupit hängen, dort wo schon vor gut einem Jahr Haiyan wütete. http://www.ekir.de/url/Wwe Ich falte die Hände:„Gott, wir werden mit erschütternden Nachrichten konfrontiert. Wir vertrauen dir die Not der Menschen auf den Phillippinen an. Hilflos und ohnmächtig sind wir und wissen doch: Du sprichst auch dort dein ICH-BIN-DA! Wir trauen deinen Verheißungen. Verwandle qualvolles Warten in hoffnungsvolles Warten. Erbarme Dich.“

Niemals nackt im Wind 2.Kor.5,1-10

Stille Feiertage waren in den letztem beiden Jahren oft in der Diskussion. Besonders wegen oft geltender Tanzverbote. Morgen begegnet ein besonderer Feiertag. Als Volkstrauertag zeugt dieser stille Feiertag davon, wie weit die christlich-jüdische Erinnerungskultur staatliches Handeln bestimmt. Denn: Der Volkstrauertag ist kein kirchlicher Feiertag. 1952 eingeführt ist er ein „nationaler Trauertag zum Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus“. Dennoch wird es -hier und da- Anklänge im Gottesdienst geben, gerade weil der Predigttext aus 2.Kor5,1-10 eine Antwort auf die Frage zu geben versucht, warum und wie wir mit von Menschen verursachten Grausamkeiten umgehen können. http://www.ekir.de/url/D2x Krieg macht nackt und heimatlos. Er produziert Vertreibung, Flucht und Leid. Dabei soll es aber nicht bleiben! Gott wird uns neu anziehen, uns neuen Lebensraum schaffen: „Das Sterbliche wird verschlungen vom Leben“ (V4). Gleichwie unter dem Zeichen des Kreuzes Christi, neues Leben hervor tritt. Das ist keine Vertröstung auf ein Jenseits, sondern christlich bereits erfahrene Hoffnung, die von Gott kommt. Diese Anwesenheit zeigt sich im Geist, der „Gott bei uns“ ist. Darum ändert sich unser Blick auf die …

Pfingstsonntag Römer 8, 1-12

„Lasst euch nicht länger einreden, es seien die Zwangslagen in denen ihr steckt, die euch das Leben schwer machen. Seit Jesus Christus auferweckt wurde, hat er auch euch gezeigt, dass nicht alles den Bach runter geht und in der Katastrophe endet. Für euch als Christen gilt, dass ihr dafür nicht belangt werden könnt. Vor Gott nicht und auch nicht vor den Menschen. Denn wenn gilt, dass ihr euch voll und ganz auf Gottes Geist verlassen könnt, werdet ihr für die Gerechtigkeit und das Leben einstehen. Ihr seid nicht allein, sondern eure Geschwister leben aus derselben Zusage. Macht was draus, denn Pfingsten zeigt, dass alle, die sich auf Gott verlassen seine Töchter und Söhne sind. Gottes Geist macht Mut gegen die Angst.“ Falls ihr überprüfen wollt, ob das eine einigermaßen gelungene Paraphrase des Predigttextes für den morgigen Pfingstsonntag ist: http://www.ekir.de/url/3Tp EladeManu via Compfight

Ein Fitzelchen an Glauben reicht Lk 17,5-6

Espresso muss klein, stark und schwarz sein. Ab und an braucht man aber einen großen Milchkaffe zu Stärkung, da reicht kein einfacher und auch kein doppelter Espresso. Da muss es mehr sein. Einfach größer. Auf Stärke kommt es in diesen Momenten nicht mehr an. Eine große Tasse muss her. Die Milchhaube soll auch am Nachbartisch noch sichtbar sein. So ging es den Jüngern im Predigttext für den kommenden Sonntag http://www.ekir.de/url/ppw Sie wollen großen, mächtigen Glauben. Einen der wirkt, einen, der auch nach außen etwas her macht. Jesus meint: „Tut nicht nötig! Glaube so groß wie ein Senfkorn reicht. Er reicht für die Aufgaben, die vor euch liegen, mehr muss es nicht sein. Also: Kopf hoch so groß wie ein Senfkorn, solch einen Glauben habt ihr allemal!“ Martin Luthers Ausspruch kann gar nicht oft genug zitiert werden, wenn es um den Glauben geht: „Das christliche Leben ist nicht ein Fromm sein, sondern ein Fromm werden, nicht ein Gesundsein, sondern Gesund werden, überhaupt nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind’s noch nicht, …