Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gott

Wozu noch Kirche?

Ein nachdenkliche Wort an Heiligabend von Friedemann Greiner. Das tut gut angesichts sonst zu lesender Vollmundigkeit: „Die Kirchen sind mit ihrer eigenen Ohnmacht konfrontiert. Grauenhafter Missbrauch und Glaubwürdigkeitsverlust geschehen in einer Zeit, in der es einen unglaublichen Boom gibt, was die Sehnsucht nach ‚Sinn‘ anbelangt. Die Ressource ‚Sinn‘ ist mehr denn je gefragt. Die ‚Kundschaft‘ für die Kirchen ist zweifellos da, sie kauft sich allerdings immer öfter woanders ein, nicht jedoch bei den bisherigen ‚Sinn-Agenturen‘. Die Kirchen manövrieren sich ins Abseits, wenn sie nicht begreifen, dass ihr Monopolanspruch schon längst aufgehört hat zu existieren. Wer ein Monopol aufgeben muss, das weiß Gott satt und träge im Geist macht, der sollte nicht jammern, sondern sich der Konkurrenz stellen. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Gesellschaft auf die christliche Botschaft nicht verzichten kann, ohne wesentliche geistige, kulturelle und soziale Errungenschaften preiszugeben. Allerdings verbietet sich jegliche geistige und geistliche Arroganz. Respekt im Gespräch mit Andersdenkenden und Andersglaubenden – als Christen haben wir darin durchaus Nachholbedarf!“ Friedemann Greiner, 64, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing

Reden von einem Gott, den es nicht gibt.

Einfach von Gott zu reden, dieser Versuch wird tagtäglich von hauptamtlichen Christen unternommen, und von vielen anderen auch. Die Berufschristen haben viel Literatur darüber zur Kenntnis genommen und noch mehr davon links liegen lassen. Die Ausgangslage hat sich (seit 1925 „Welchen Sinn hat es von Gott zu reden?“) nicht verändert. Ergänzend könnte natürlich gefragt werden welchen Sinn es macht, das in 140 Zeichen bzw. 1:30 Min zu tun. Aber das wäre einen neuen Blogeintrag wert. Gott als Wort unserer Sprache, als Begriff, als etwas das wir damit bezeichnen, ist weniger fragwürdig als zu Bultmanns Zeiten. Der Status-Reflex (Wenn der Papst/Pfarrer bzw. theologische Fachmann das glaubt, kann es so verkehrt nicht sein!) greift in einer komplexer werdenden Welt weit stärker als gedacht (siehe P.L. Berger in seiner neuen „Elefanten Analyse“). In der Universitären Theologie ist das oft nicht anders: Wenn allen voran Luther, Schleiermacher, Barth, Tillich, Pannenberg, Jüngel, Dahlferth, Herms usw. das gut begründen können, muss es für den stud. theol. und späteren Pfarrer auch reichen. Das kann man beklagen aber nicht leugnen. In anderen Bereichen …

Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht (D. Bonhoeffer)

Da hab ich gestern in twitternder iPod-Laune ein bekanntes Zitat von Bonhoeffer benutzt und daraus ist in einem andern Blog, (den ich hier nicht verlinke, weil der Autor anonym bleiben will) ein interessanter Kommentar entstanden, den ich hier posten möchte, damit er mir nicht verloren geht. Alexander Ebel hat ihn für sich auch schon digital archiviert. Warum diesen Kommentar dann nicht in den (kirchlichen) Kontext „zurück bringen“ in der er ursprünglich gehört. Volker Nies (helias00) hat ihn geschrieben. Es zeugt von großem theologischem Sachverstand, Chapeau! Nun hat er einen eigenen Blog eröffnet und den Diskussionsgang dort entfaltet: Volker Nies hat zu dem Bonhoeffer Zitat „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht“ (Widerstand und Ergebung, DBW 8, S.514f. Er bezieht sich aber auf seine Aussagen in „Akt und Sein“ S. 94) folgendes angemerkt: Um Bonhoeffer zu verstehen ist weit mehr nötig als drei, vier tweets. Eigentlich braucht es einen soliden background an philosophischen Positionen, um das Zitat angemessen deuten zu können. Man kann den genannten Ausspruch jetzt entweder epistemologisch, fundamentalontologisch oder religionsphilosophisch deuten.


Über Unverständnis für das Religiöse an sich…

… hat Malte Lehming einen ansehnlichen Kommentar im Tagesspiegel geschrieben, der an dieser Stelle empfohlen sei: Die Debatte über den Islam, von Thilo Sarrazin entfacht und den Fehlinterpreten der Rede von Christian Wulff befeuert, wird ahistorisch geführt, aufs Nationale verengt, und sie zeugt von Unverständnis fürs Religiöse an sich. Ein Kommentar. Die drei zentralen Vorwürfe lauten, Muslime würden, erstens, das religiöse Recht, die Scharia, über das weltliche Recht stellen; zweitens sei der Islam mehr als eine Religion, er mache Politik und positioniere sich weltanschaulich; drittens sei er antiemanzipatorisch und homophob. Alle diese Vorwürfe haben einen richtigen Kern. Aber nichts an ihnen ist exklusiv islamisch. Zumindest die ersten beiden berühren das Wesen von Religion überhaupt.

Der Mensch ist leider nicht naiv… (Predigt über Epheser2,4-10)

Liebe Gemeinde, es geht das Gerücht, ein Pfarrer aus der Provinz hätte angesichts dieses Predigttextes einen Brief an seinen Bischof geschrieben. Einen Brief mit folgendem Inhalt: „Liebe Bruder im Herrn, ich weiß nicht, was man mit der öffentlichen Lesung der Predigttexte erreichen will, wenn sie solchen Charakter haben, wie der im Epheser Brief im zweiten Kapitel vom vergangenen Sonntag. Es handelt sich hier doch um einen Text, der ohne eingehende theologische Auslegung gänzlich unverständlich bleibt. Soll ich im Rahmen einer Predigt nun Unterricht in der christlichen Religion betreiben? Das wäre doch wohl ein falsches Predigtverständnis, oder? Ich finde solche lehrhaften, theologisch dichten Texte ungeeignet zur öffentlichen geistlichen Rede und bin nicht willens meine Gemeinde mit derartiger Dogmatik zu belasten. Ich habe mich deshalb entschieden den Evangeliums Text vom Pharisäer und Zöllner zu predigen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Pfäfflein aus der Provinz….“

Titanic Cover zur Mißbrauchsdebatte

So schnell bin ich in meinem religiösen Empfinden nicht zu erschüttern. Vor zwanzig Jahren hab ich öfter das Magazin gekauft. Über gekreuzigte Frösche und „Madonna“ als Gekreuzigte habe ich vor einigen Monaten hier schon geschrieben, ohne die Aktionen als blasphemisch zu verbannen. Das aktuelle Titanic Cover geht (selbst) mir allerdings einen Schritt zu weit. Die „spritzende“ Wunde ist das Tüpfelchen auf dem „i“, das die ganze Karrikatur als-gar-nicht-mehr-zum-Schmunzeln erscheinen lässt. Ich empfinde das auch als einen Schlag in das Gesicht der Missbrauchs Opfer! Bei facebook sollte man dieser Gruppe beitreten. Und der anderen, damit man weiß, was die denken.

Keine weichgespülte Nächstenliebe. Philipper 2,5-11

Die römischen Kaiser prägten das Bild selbst, das sich die Welt von ihnen machen sollte: Auf den Münzen, die sie schlagen ließen, sehen sie daher so aus, wie sie aussehen wollten –stark und machtvoll. Kaiser Augustus zum Beispiel schaute auf seinen frisch geprägten Denaren … noch im Alter von siebzig so aus wie mit dreißig. Die Münzbilder waren Propaganda. Sie brachten die richtige Botschaft unter das Volk: den ewig jungen Herrscher.“ * „Ihr kauft mit den Schneid nicht ab“, dass war die Botschaft, die unter das Volk sollte. Heute gibt es diese Form der Münzenpropaganda nicht mehr.