Alle Artikel mit dem Schlagwort: Freiheit

Jesaja 43,1 Worte, die verändern

Worte gibt es mehr als genug. Täglich begleiten sie uns. Dem Eindruck, dass sie immer mehr werden, können wir uns nicht entziehen. Oft jedoch laufen sie ins Leere oder wiederholen sich sogar. Worte, die verändern, die wären was. Die wären eine Kostbarkeit. Ein solches Wort findet sich in der Bibel, beim Propheten Jesaja: „So spricht Gott der Herr, der dich geschaffen hat und der dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Jesaja 43,1 Warum dieses Wort eine Kostbarkeit ist? Zunächst radiert es die Buchnummer aus. Bei Gott zählt nicht als wer/was ich geführt oder gebucht werde. Menschen als Nummern, das gibt es bei Gott nicht! Der Zugang und zu ihm geschieht einzig und allein aufgrund unseres Namens. Mit diesem Namen müssen wir uns aber nicht etwa bei ihm „anmelden“ und er fragt uns auch nicht nach unserem Passwort. Im Gegenteil: Die Kontaktaufnahme geht von ihm aus. Er ruft an. Er nennt dich bei deinem Namen und spricht dich als den an, …

Synodenbericht zur Gefängnisseelsorge

Seit einer viertel Stunde steht er in der prallen Sonne. Es ist über dreißig Grad an diesem Tag im August. An seinem karierten Hemd ist ein Schildchen angesteckt.: „Besucher“ ist darauf zu lesen. Für Walter* ist es ein besonderer Tag. Er will noch einmal an den Ort seiner Jugend. Walter ist inzwischen 86 Jahre alt geworden. Baseball Kappe auf dem Kopf, Bermuda und Sandalen. So steht er aufgestützt auf zwei Walking Stöcken auf dem Eingangsgelände der JVA. Er wolle sich das Gelände noch einmal ansehen, ob das möglich wäre, hatte er an der Pforte gefragt. Durch ein Missverständnis hatte man ihm Einlass gewährt. Für einen ehemaligen Beamten hatte man ihn gehalten und bei mir angefragt, ob ich mit ihm einen Rundgang über das Gelände machen könne. Ich strecke Walter zur Begrüßung die Hand entgegen und greife in einen Fahrradhandschuh. Wir gehen los. Er kennt die Wege besser als ich, der erst seit einem knappen Jahr in der Anstalt als Gefängnispfarrer arbeitet. Von 1945-1952 sei er hier gewesen erzählt er, während wir uns mit kleinen Schritten …

Kunst im Knast

Ausstellung „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, Sechs Landschaftsbilder von Marlies Blauth. Herzliche Einladung zur Eröffnung am Sonntag, 28.2.2016 in der Kirche der JVA Euskirchen um 10.00 Uhr. Der Gottesdienst ist öffentlich. Bitte den Personalausweis mitbringen. Die ausgestellten Bilder haben alle ein „Panoramaformat“ von 50 cm x 120 cm. Als Malgrund hat die Künstlerin Hartfaserplatten gewählt, da sie bei der Bearbeitung strapazierfähiger als Leinwände sind: Sie lassen Schleifen, Kratzen und Ritzen zu, was eine Leinwand durchlöchern würde. Blauth experimentiert gern mit Strukturen und verschiedenen Arten des Farbauftrags. Eine Schichtenmalerei aus Acrylgrundierung und Übermalung mit Ölfarbe hat sich dabei bewährt. Zu Kunst in der Kirche hat sie eine enge Beziehung. Seit 2003 betreut sie ein entsprechendes Projekt (Kunst in der Apsis/ Meerbusch-Osterath). Ihre Landschaftsbilder sind bisher in zwei Kirchen gezeigt worden: In Hamburg-Duvenstedt und in Hohenlimburg im Sauerland. Kunst sieht die Künstlerin als Verdeutlichung dessen, dass Religion/ Glaube ein Blick in die Weite bedeuten muss, nicht etwa ein Gefangensein in der Enge. Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit, heißt es bei Paulus. Kunst …

Impulspapier

Medienkonzil

Man braucht zwar etwas Zeit, um das Impulspapier „Das Netz als sozialer Raum: Kommunikation und Gemeinschaft im digitalen Zeitalter“ im Netz zu finden. Jedenfalls wenn es um den Text geht. Der Hashtag #mk15 hilft aber weiter. Schließlich wird man mit einem Link zum Papier belohnt 🙂 Es „versteht sich als ein Beitrag aus evangelischer Perspektive, basiert aber zugleich auf der ökumenischen Denkschrift ‚Chancen und Risiken der Mediengesellschaft‘, sowie auf jüngsten Stellungnahmen der katholischen Schwesterkirche“ und ist durch die letzte Synode der EKD motiviert. Die hatte nämlich gefordert: „Wir müssen uns als evangelische Kirche verstärkt in den medienethischen Diskurs einbringen, der neben den technischen auch die rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen beschreibt, um Privatheit und Öffentlichkeit in ein Freiheit förderndes Verhältnis zu setzen, das dem christlichen Verständnis der Würde des Menschen und seiner Verantwortung im Zeichen von Schuld und Vergebung entspricht.“ Bisher konnte ich nur die Einleitung („Von der Kunst, die instrumente der Freiheit zu bedienen“) lesen, diese macht jedoch Lust auf die fünf Kapitel: I.“Leuchttürme im Nebel. Vom Rauschen zum Verstehen“, II.“Selbstoptimierung und Gnade. Das vernetzte selbst“, …

Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit.

Von ihren Anfängen an haben Menschen die tragische Erfahrung des Bösen gemacht und versucht, die Wurzeln zu erfassen und Ursachen zu erklären. Das Böse ist keine anonyme Macht, die in der Welt am Werk ist. Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit. Diese Eigenschaft steht im Mittelpunkt des Bösen und geht ständig mit ihm einher. Es hat immer ein Gesicht und einen Namen: das Gesicht und den Namen von Menschen, die es aus freien Stücken wählen. Die Bibel sagt, dass am Anfang der Geschichte Adam und Eva sich gegen Gott auflehnten und Abel von seinem Bruder Kain erschlagen wurde. Das waren die ersten Fehlentscheidungen, auf die im Laufe der Jahrhunderte zahllose weitere folgten. Jede von ihnen hat, eine klare Verantwortlichkeit von Menschen. Wenn man nach seinen tieferen Bestandteilen sucht, wird man feststellen, dass das Böse letztlich bedeutet, sich der Notwendigkeit der Liebe zu entziehen. Das Gute hingegen erwächst aus der Liebe, zeigt sich als Liebe und richtet sich an der Liebe aus. Die Logik der christlichen Liebe drängt, konsequent zu Ende gedacht, sogar …

Exodus 32, 7-14 Gottes Freiheit ist Barmherzigkeit

Lassen wir den Streit um den wahren und die falschen Götter mal beiseite. Lassen wir auch den monumental zu verfilmenden „Tanz um das goldene Kalb“ weg, auch wenn es bei den morgigen Predigten in Euren Gottesdiensten sicher darum gehen wird. Richten wir den Blick stattdessen auf die beiden Hauptakteure. Beide haben sich verändert. Miteinander und aneinander. Der eine wird vom Totschläger zum ständigen Gesprächspartner Gottes.  Der andere hielt es nicht für einen Verlust von Majestät seine einmal getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Ginge es bei den beiden nicht um „Mose“ und „JHWH“ seinen Gott, wäre diese Beziehungsgeschichte sicher nicht durch die Jahrtausende tradiert worden. Gott verändert! Er verändert Menschen und sich selbst. Er lässt sich bitten und ist der, der Hoffnung vermittelt. Beide, Gott und Mensch, sind frei und bewegen sich in ihrer Freiheit aufeinander zu. Gottes Freiheit ist seine Barmherzigkeit! Eigentlich ist damit der Streit um den wahren und die falschen Götter auch entschieden. Gott sei Dank. Marina del Castell via Compfight

Im Pfarrhaus soll es rein zu gehen!

Zumindest „rein evangelisch“. Das ist der Wille der Mehrheit der Synode der EKD, und gehört seit einem Jahr zum Bestand des neuen EKD Pfarr-Dienstrechtes, dass Eheschließungen von Pfarrerinnen und Pfarrern (zunächst einmal) nur unter konfessionell evangelischen Partner_innen möglich sein lässt. Das wundert nur Außenstehende, denn in den meisten Landeskirchen findet dieses Vorgehen den gesetzlichen Rückhalt in bestehenden Pfarrdienstgesetzen. Nun hat der Fall einer Vikarin aus der Würtembergischen Landeskirche für größere Resonanz gesorgt. Man darf vermuten, dass es in diesem Fall zu enormen Kommunikationsstörungen gekommen sein muss, denn im Regelfall werden derartige Fälle überaus geräuschlos geklärt. Meistens wird nämlich von den (gesetzlich vorgesehene) Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht. Ein „Im Prinzip schon, aber…“ ist besonders bei Kirchen synodal verfasster Struktur beliebt, da die Freiheit des Leitungsgremiums in seinen Entscheidungskompetenz als höchstes Gut betrachtet wird. Da wundert es nicht, dass die Synode der EKD so weiter zu machen gedachte. Allerdings hat eine andere Synode, die der reformierten Kirche unlängst in Emden darauf hingewiesen, dass diese Anwendung pfarrdienstrechtlicher Praxis schlichtweg überflüssig sei. Es kann der reformierten Synode nicht hoch genug …