Alle Artikel mit dem Schlagwort: Finanzkrise

Neues altes System

Was sich in der Überschrift der Süddeutschen Zeitung, die sich auf den Spiegel beruft, zunächst anhört wie eine Ankündigung zur Überwindung der Krise des Kapitalismus, entpuppt sich dann doch als ein „Nachrichtlein“ bezüglich der Umstrukturierung in der Führungsetage des Deutschen Bank. Wiedereinmal ein kleiner Beweis die Krise des kapitalistischen Systems kleinzureden als sogenannte Finanzkrise: „Krisen kommen, Krisen gehen, spätestens 2010 ist heile heile Gänschen, alles wieder gut. Das alles waren doch nur böse Banker Buben, die den Hals nicht voll kriegen konnten. Keiner hat ihnen schließlich Geld gegeben, niemand Aktien gekauft, „blue chips“ war ein Fremdwort und der Dax ein schwarz-weiss-gestreiftes Tier. Wir haben von nichts gewusst! Keiner hat die Volksaktie der Telekom gekauft und niemand ist bei der (Bank!) Allianz versichert.“ Partielle teutonische Amnesie: Die da oben waren es! Wenn die gegenwärtige Krise des Kapitalismus mit ihren Einschnitten vergleichbar ist dem Mauerfall von 1989 (wie der ehemalige Außenminister Fischer meint) müsste doch statt der „Heile Gänschen-Rhetorik“ das Hohelied des Paradigmenwechsels gesungen werden. Die Kirchen könnten es beginnen zu singen. Seit 1975 versuchen sie ein …

Schäfchen im Trockenen?

In meinem Briefkasten lag neulich die Werbung eines Finanzinstitutes: „Bringen Sie ihr Schäfchen ins Trockene!“ Freilich, das war noch vor dem Finanzcrash. Am Tag danach klingt das fast wie Hohn. Viele Kirchen nehmen den Zusammenbruch des Finanzmarktes bemerkenswerter Weise nur unter der Perspektive wahr, ob sie ihre kirchlichen Finanzen im Trockenen haben, oder nicht, wie z.B. die Oldenburgische Kirche, die Millionen bei der amerikanischen Lehmann Bank lassen musste. Dabei hätten die Kirchen doch dazu einiges zu sagen: Unverdächtig könnten sie Luther zitieren, der 1524 in einer kleinen Schrift („Von Kaufshandlung und Wucher“) schon wusste: „Geld ist erforderlich aber unfruchtbar!“ Oder sie könnten die 1975 vom ÖRK ins Leben gerufene Genossenschaft oikocredit als alternative Form des Wirtschaftens in das ihr zustehende Licht rücken. Stattdessen verfasste die EKD im Juli eine Denkschrift, die sich weitaus unkritischer mit der Praxis unseres Wirtschaftens auseinandersetzt als erwartet. Hat die Oldenburgische Kirche schlussendlich nur das praktiziert, was die Denkschrift empfiehlt? Hat die „Gottesanbeterin“ sich hier tief vor der „Heuschrecke“ verneigt? Fest steht: Hinter dem Crash entdecken nur die wenigsten einen Systemfehler. …