Alle Artikel mit dem Schlagwort: facebook

Kirchliche Social Media in hektischen Zeiten

In einem früheren Beitrag hatte ich die kirchlichen Social Media Aktivitäten nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin kritisiert. Das ganze mündete in einer Art Predigt, was zu Missverständnissen führte. Darum hier noch einmal eine Zusammenstellung der Punkte, auf die es mir ankam: -Der Zeitpunkt: Noch bevor klar war, was überhaupt passiert ist, wurde auf der Facebook-Seite der evangelischen Kirche im Rheinland ein Fürbitten Gebet veröffentlicht, das auch schon bei dem Anschlag in Nizza gepostet wurde, wenngleich mit dem Hinweis, dass noch nicht geklärt sei , was sich zugetragen habe. Der frühe Zeitpunkt wurde mit Blick auf die Stimmung in den sozialen Medien gerechtfertigt. Man habe das beobachtet, was trending topic gewesen sei und darauf entsprechend reagiert. „Wäre die Alternative gewesen zu schweigen?“ –fragt ralpe. Ich meine: „Ja“. Der Verweis auf die Klagepsalmen „der hebräischen Bibel“, in der Menschen die ihnen angetane Gewalt vor Gott bringen, ist ein ungeeignetes Beispiel. Denn der Klagepsalm ist gerade kein „ad hoc-Gebet“ in der aktuellen Notsituation, vielmehr weist sein Aufbau darauf hin, dass ein innerer (vor Gott reflektierender!) …

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Ausstieg aus Facebook?

Photo Credit: Visual Content Flickr via Compfight cc Stichworte zum #bckirche am 24.9.2016 in Köln: Werbung, Tracking, Targeting -Sind notwendig, weil wir nicht mit Geld, sondern mit Daten bezahlen wollen. -Sind bequem, weil wir Angebote, Nachrichten, Trends gerne personalisiert nutzen. Tracking findet auch dann statt, wenn man nicht eingeloggt ist. -Daher sollte man einen Browser nur für Facebook „reservieren“ und einen anderen für „normales“ Surf-Verhalten nutzen. Das ist unkomfortabel, aber zweckmäßig. -Die Weitergabe der Mobilfunknummer durch Whatsapp an Facebook ist mehr als eine AGB Änderung. -Firmen werden in die Lage versetzt eindeutig personalisierte Werbebotschaften abzusetzen. -Das gilt folglich auch für das Targeting auf Fremdwebseiten. -Mobilfunkanbieter wollen ebenfalls am Datenbusiness teilnehmen und z.B. Standortdaten verkaufen(z.B. Telefonica). -Zusätzlich werden Mobilfunkdaten mit soziodemographischen Daten angereichert (z.B. Zeotap) . Ergebnis: Beim Gang durch die Fußgängerzone werden in Zukunft keine Rabatt-Anzeigen mehr zu sehen sein, stattdessen Push-Nachrichten auf das Handy mit Produkten, die uns Kunden garantiert interessieren und die wir eher zu kaufen bereit sind. Die offene Kommunikation im Internet ist bedroht, weil es unmöglich geworden ist sich anonym/pseudonym im …

Jesus ist keine „moralische Instanz“ Lk.19,1-10

Die Klage über den Zustand „der Kirche“ (oder auch die Zustände „der Gesellschaft“) reißt nicht ab. Immer wieder stößt man auf Sätze wie: „Es fehlt eine moralische Instanz, die in einer komplexen Welt Leitlinien vorgibt.“ Der Predigttext für den kommenden Sonntag aus dem Lukasevangelium http://www.ekir.de/url/KQP macht deutlich: Jesus will so eine moralische Instanz nicht sein. Seine Botschaft verhält sich quer zur gängigen Deutung von Erlaubtem und Verbotenem. Der kleine Mann, soll herunter vom Baum. Nichts muss er vorweisen. Keine Vorleistung. Im Gegenteil, jeder kannte seine Verstrickung in den Handel mit der Bestechlichkeit. Auch Buße fordert Jesus nicht. Was zu sagen ist, das geschieht. Sie kehren ein. Eine Provokation für alle Hüter moralischer Instanzen. Zuerst kommt das Evangelium. Mit Moral-Predigten steigt keiner vom Baum, selbst Katzen nicht. Die Liebe allein bringt es. Und diese Liebe gibt. Sie nimmt nichts, aber sie befreit zu geben. Wenn es nötig ist vierfach.

Jesaja 55,1-3

Wenn jemand als „marktschreierisch“ bezeichnet wird, ist das meistens nicht sehr schmeichelhaft. Es sei denn, es handelt sich um einen Verkäufer auf einem Wochenmarkt. Von ihm wird das sogar erwartet. Der darf das. Im Predigttext für den kommenden Sonntag, stellt der Prophet Jesaja Gott als jemanden vor, der sich auf den Markt begibt. Dort hat Gott nichts Besseres zu tun als sein Wort anzupreisen. Und die Preise für seine „Ware“ sind äußerst günstig. Sein Wort ist auf dem „Markt der religiösen Möglichkeiten“ sogar gratis zu haben. Die damaligen potentiellen Käufer schreckt das dennoch ab: „Was nichts kostet, ist nichts wert!“ „Kauft ohne Geld ein!“ –wo bleibt da der Spaßfaktor? Alle Unterschiede werden eingeebnet, alle Differenzen aufgehoben. Plötzlich ist jeder gleich vor einem Gott, der als Marktschreier daher kommt. Sich das gefallen zu lassen ist schwer. Es nötigt zum Umdenken. Es ruft zur Umkehr. Und dennoch: Wer diesen Marktschreier hört wird leben!

Matthäus 9, 35-39

Ist denn heute schon Erntedank? Wem beim Lesen der Predigttextes für den kommenden Sonntag solche Gedanken kommen, hat sie nicht zu Unrecht. Schließlich sind auch die Erntehelfer genannt, deren Aufgabe das Einfahren des Geernteten ist. Dass „Ernte“ im vorliegenden Abschnitt des Matthäus Evangeliums für ein „Weltgericht“ am Ende der Zeit steht, erschließt sich nicht von selbst. Dass nahe herbeigekommene „Himmelreich“, so die Botschaft des Evangelisten, wird am Ende die Unterscheidung von Gut und Böse bringen. Dann wird Klarheit herrschen, auch im Hinblick auf Erlösung und Verdammnis. Dass Klarheit erst am Ende der Zeit herrschen wird, bewahrt menschliches Urteilsvermögen vor Absolutheitsanspruch. Und es verdeutlicht: Ein „alles wird gut“ springt zu kurz. Wir haben Hoffnung auf Erlösung durch das Gericht hindurch, nicht aber an ihm vorbei. Was sonst noch über Gericht zu sagen wäre, muss warten, bis es wieder Karfreitag und Ostern ist. Vorher jedoch kommt wirklich Erntedank.

Joh 20,11-18 zum Ostersonntag

„Dich hätte ich jetzt aber nicht erkannt!“ Was uns beim vielleicht beim Einkaufen passiert, dann, wenn wir jemanden jahrelang nicht gesehen haben, oder ihn/sie gerade vor dem Frisiersalon in die Arme laufen: In der Ostererzählung des Johannesevangeliums geht es Maria Magdalena genau so. Sie hält den Auferstandenen für den Gärtner, der ihr sagen soll, wo Jesu Leichnam abgeblieben ist. Neben einer fast banal anmutenden Alltagserfahrung lässt der Evangelist es theologisch allerdings „krachen“: Joh. 20,11-18 „Halt, ich bin in einem Zwischenzustand; ich bin zwar da, aber doch nicht so, wie ihr meint. 40 Tage werde ich noch so bei euch sein, dann aber werde ich zu meinem Vater -der auch euer Vater ist- zurückkehren. Das sollt ihr weitersagen.“ Das haben Christinnen und Christen dann auch gemacht. Sie sind losgelaufen und haben die Botschaft von der Auferweckung Jesu unter die Leute gebracht. Ohne diese Verkündigung ist Kirche nicht Kirche. Ohne Auferweckung ist christlicher Glaube leer. Indem Gott den Gekreuzigten auferweckt, zeigt er seine schöpferische Kraft. Die Erzählung vom leeren Grab lässt sich ohne den Zusammenhang von Leiden, …