Pastorenstückchen

Blog eines Pfaffen

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…zu 150 Jahren Haft. Er hat Anleger um 65 Milliarden Dollar geprellt.

Dollar Strudel

foto: sxc.hu

Bild: Mr.Norell auf flickr.com

Die römischen Kaiser prägten das Bild selbst, das sich die Welt von ihnen machen sollte: Auf den Münzen, die sie schlagen ließen, sehen sie daher so aus, wie sie aussehen wollten –stark und machtvoll.
Kaiser Augustus zum Beispiel schaute auf seinen frisch geprägten Denaren … noch im Alter von siebzig so aus wie mit dreißig.
Die Münzbilder waren Propaganda. Sie brachten die richtige Botschaft unter das Volk: den ewig jungen Herrscher.“ * „Ihr kauft mit den Schneid nicht ab“, dass war die Botschaft, die unter das Volk sollte.
Heute gibt es diese Form der Münzenpropaganda nicht mehr. weiter lesen

Der streitbare Prof. Friederich Wilhelm Graf hat mal wieder ordentlich “seine” Kirchenleitung vorgeführt und (wie immer) deutliche Worte zu “überaus theologischer Übersichtlichkeit” gefunden. Der Artikel gefällt mir, gerade weil so wenig Kritik aus der akademischen Theologie an die Kirchen geübt wird.

Dabei gilt für Hochschullehrer nicht, was fürs Pfäfflein (meistens) gilt: “Wes Brot ich eß, des Lied ich sing”.

In meinem Briefkasten lag neulich die Werbung eines Finanzinstitutes: „Bringen Sie ihr Schäfchen ins Trockene!“ Freilich, das war noch vor dem Finanzcrash. Am Tag danach klingt das fast wie Hohn. Viele Kirchen nehmen den Zusammenbruch des Finanzmarktes bemerkenswerter Weise nur unter der Perspektive wahr, ob sie ihre kirchlichen Finanzen im Trockenen haben, oder nicht, wie z.B. die Oldenburgische Kirche, die Millionen bei der amerikanischen Lehmann Bank lassen musste. Dabei hätten die Kirchen doch dazu einiges zu sagen: Unverdächtig könnten sie Luther zitieren, der 1524 in einer kleinen Schrift („Von Kaufshandlung und Wucher“) schon wusste: „Geld ist erforderlich aber unfruchtbar!“ Oder sie könnten die 1975 vom ÖRK ins Leben gerufene Genossenschaft oikocredit als alternative Form des Wirtschaftens in das ihr zustehende Licht rücken. Stattdessen verfasste die EKD im Juli eine Denkschrift, die sich weitaus unkritischer mit der Praxis unseres Wirtschaftens auseinandersetzt als erwartet. Hat die Oldenburgische Kirche schlussendlich nur das praktiziert, was die Denkschrift empfiehlt? Hat die „Gottesanbeterin“ sich hier tief vor der „Heuschrecke“ verneigt? Fest steht: Hinter dem Crash entdecken nur die wenigsten einen Systemfehler. Fest steht aber auch: Letztlich entscheiden Sie, wo Sie Ihr Schäfchen ins Trockene bringen.

„Weniger ist mehr“!
Das sagt man so in genügsamer Bescheidenheit, oder wenn man und frau auf einen gewissen Luxus nicht verzichten ihn vielmehr bewusst genießen möchte.
„Weniger ist mehr“, lieber ein glas Wein weniger, dafür aber einen besseren.
Lieber einen Smart für den Stadverkehr, als gar keinen Parkplatz;
lieber walken statt joggen, das ist besser für die Gelenke;

„Weniger ist mehr“ das honoriert unserer Gesellschaft. Menschen wie der IKEA Gründer und Multimilliardär Ingvar Kamprad sind gerade wegen ihrer Knauserigkeit bekannt:

Sein Haus in der Nähe von Lausanne hat Kamprad mit Ikea- Ware möbliert.
Obst kauft Kamprad nachmittags auf dem Markt, dann ist es billiger.
Bus und Bahn sind seine Verkehrsmittel. Dabei nutzt er gerne den Pensionärsrabatt.
Kamprad gönnt sich immerhin ein Auto und zwar einen 15 Jahre alten Volvo.
Er beschreibt Papier stets beidseitig, seine Mitarbeiter sollen das auch so machen.
Der Friseur ist ihm zu teuer. Die Haare schneidet ihm seine Frau.

Kurzum: Das „Weniger ist mehr Credo“ wird von unserer Gesellschaft respektiert und geachtet.

Ungeachtet dessen gilt allerdings genauso also das genaue Gegenteil das da lautet „mehr ist mehr“.
Verabredete alkoholische Massenexzesse, wie jüngst aus Spanien berichtet, sind da nur der Gipfel dessen, was als „Party machen“ als angesagt gilt.

„mehr ist mehr“

In der Kölner Innenstadt kann man US-Militärgeländewagen vom Typ Hummer entdecken, auf Hochglanz polierte Limousinen und natürlich tiefer gelegt, 4 smart lang und 2 smart breit.

„All you can eat“ Angebote werden ebenso gern genommen, wie Marathonläufe, die offenbar die Ostermärsche abgelöst haben. „Mehr ist mehr“ gilt auch hier: je extremer der event, desto größer die Aufmerksamkeit.

„Mehr ist mehr“ oder „weniger ist mehr“, beide Lebenseinstellungen gelten gleichermaßen und nebeneinander, in unserer Gesellschaft,
also auch unter uns, so wie wir heute morgen hier sitzen.

Warum das so ist, darüber könne Soziologen allerlei Gelehrsames sagen.
Dass es so ist, ist allerdings in der Kirchenjahrezeit in der wir uns im Moment befinden besonders interessant.

Die aus dem öffentlichen Bewusstsein fast gänzlich verdrängte Passionszeit thematisiert nämlich das säkularisierte „Weniger ist mehr“, ebenso wie das gleichermaßen säkularisierte „Mehr ist mehr“.

Verdeutlichen lässt sich das etwa an den Worten Jesu über die Nachfolge, die beim Evangelisten Lukas im Kontext der Leidensankündigung stehen.
Lukas 9, die VV 23+24:
„Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.24 Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s retten.“

Nun mag sich dem ein oder der anderen unter uns die Frage aufdrängen, wie die Passionszeit die beiden skizzierten Lebenshaltungen thematisiert.
Sie tut das zunächst einmal vordergründig, indem sie uns wahrnehmen lässt, dass sich hinter ihnen eine echte Frage nach dem verbirgt, wie wir leben sollen.
Theologisch gesprochen befinden wir uns also auf dem Gebiet der Ethik, der Fragestellung also, wie wir leben sollen.
Neutestamentlich ließe sich das auch „Nachfolge“ beschreiben.

Der Text erweitert nun gleichsam diese Fragestellung, indem er die Frage nach dem „wie wir leben sollen“ radikalisiert.

Und zwar dahingehend, dass er die Frage um die Dimension des „verlierens“ und der des „retten“ erweitert.

Radikalisiert deswegen, weil durch diese Dimesion des „verlorenen“ bzw. „geretteten“ Lebens die Frage in ihrer ganzen Bedrohlichkeit erscheint:

Kann ich mein Leben sozusagen verspielen, indem ich so lebe, dass ich die wichtigen Fragen des Lebensaus dem Blick verliere; oder habe ich einen Mehrwert, wenn ich mich an einige Leitlinien des Lebens halte?

Genau das ist auch die Kernfrage hinter den beiden skizzierten Lebenseinstellungen. Es ist dieselbe Frage die in die Nachfolge Jesu ruft.

Wer versucht –und zwar auf die ein oder andere Weise- sein Leben zu retten, der begeht einen katastrophalen Versuch!

Denn ich rette mein Leben gerade nicht, wenn ich es retten will.
Was der Text verurteilt ist eine Selbstrettung, bei der ich meine Hoffnung aus eigener Kraft verwirklichen will,
durch mein Tun, meine Anstrengung, meine Gedanken, meine Leistungen.
Ich verpasse also gerade worauf ich abziele, wenn ich mein Leben für mich selbst aufsparen will.
Gott schenkt mir mein Leben, das mir gehört, wenn ich es anderen schenke.
Das muss nicht, aber es kann soweit gehen wie bei Dietrich Bonnhoeffer, der genau heute vor 61 Jahren im KZ ermordet wurde.

Gott schenkt uns ein Leben, das uns gehört, wenn wir es anderen schenken, weil Gott selbst und nicht wir selbst der Grund und das Ergebnis dieses Lebens ist.

Gerät dieses Wissen und dieser Glaube in Vergessenheit, steht nicht nur unser Leben auf dem Spiel, sondern unser Überleben als Menschen überhaupt.
Denn wer für sich selbst sein Leben aufsparen will gerät in die Isolation, in die rein selbstbezogene Existenz.
Diese wird scheitern, weil sie die Qualität und die Wärme des menschlichen Miteinanders verpasst.

Wie wichtig und lebensnotwendig menschliches Miteinander und menschliche Wärme sind erkenne wir erst dann, wenn wir an die Ränder unseres Lebens schauen: Den Beginn und das Ende menschlichen Lebens.
Dort, bei den Kindern und bei denen, die an das Ende ihres Lebens gekommen sind, entscheidet sich ganz extrem, ob wir für uns oder für andere da sind.

Die Passionsgeschichte in ihrem Ruf in die Nachfolge stellt uns nicht vor die falschen Alternativen des Verzichtes oder des Schwelgens, vielmehr überschreibt sie unsere Vorstellung von gelungenem Leben
mit „unseren mehr´s oder weniger´s“ zugunsten eines geretteten Lebens.

Ich bin gerettet, weil Gott in Jesus Christus beschlossen hat sein Leben zu verlieren, damit ich meins durch ihn retten lasse.

Ich muss mich nicht immer wieder in die Entscheidungssituation bringen, ob und wie ich das beste aus meinem Leben mache, oder gemacht habe.
Von diesem Zwang sind Christen gerade befreit.

Gerettes Leben liegt nicht in unsere Hand, sondern wird durch Gott an Gott vollzogen, damit wir gerettet werden.

So können wir dann auch wieder wählen, zwischen einem „weniger ist mehr“ oder einem „mehr ist mehr“ wohlwissend, das dadurch nicht unsere Rettung kommt.
Ob ich walke oder Marathon laufe, was ich esse, welches Auto ich fahre, ob ich Sekt oder Selters trinke ist dann nur noch eine Geschmacksfrage, aber nicht mehr eine, an der sich mein Leben entscheidet.

Über mein Leben ist entschieden und zwar zugunsten von Rettung. „Der Herr macht Gefangenen frei“, wie der Psalmbeter bekennt. Als von Lifestylfragen befreite können wir unser Leben von nun an führen; bereit unsere Leben vom anderen zu empfangen.

Amosbuch 5.  Kapitel  die  Verse 21-24:

„Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“

I.) Hatte Amos  hatte  unser Gesundheitssystem   im  Sinn,  als  er diese Worte sprach?
Amos- und die unser Gesundheitssystem?
Das klingt doch wirklich wie an den Haaren herbeigezogen!
Doch klingen seine Worte für mich  zunächst  so, als wolle er sich in  die  Diskussion  um  unser Gesundheitswesen und die Streichung von Feiertagen einschalten:
“Ich hasse eure Feiertage; ich verwerfe eure Feste”
Weg  also  mit  Pfingstmontag;  wozu  einen  zweiten Weihnachtfeiertag?  Der Buss- und Bettag ist je bereits nicht mehr arbeitsfrei.
Immer wenn es um die Streichung von Feiertagen zugunsten unseres Gesundheitssystems geht, werden diese nur unter dem Kostenfaktor gesehen. Wenn die Menschen mehr arbeiten, arbeiten sie folglich auch mehr für die Allgemeinheit,  was sich dann wiederum als soziale Errungenschaft feiern lässt.
Aber wird in dieser Diskussion nicht der kulturelle Wert der Feiertage vergessen; (kirchlich besteht der Buss-und Bettag ja weiterhin als Feiertag, aber wie schwer es ist einen Feiertag als einen solchen auch zu halten, wenn alles seinen gewohnten Gang geht, das merken wir in der Kirche doch schon)
Es ist zu fragen, ob bei der Diskussion um die Feiertage nicht einiges verschleiert wird

II.) Auch z.Zt. des Amos wurde vieles verschleiert.
Es ist eine verhältnismäßig lange Friedenszeit gewesen, damals 760 v. Chr.: außenpolitische Ruhe, wirtschaftlicher Wohlstand.
In dieser Zeit erfahren auch Kultur und Gottesdienst einen merklichen Aufschwung.
Die Rückseite dieser Entwicklung ist, dass die Reichen und Einflußreichen immer reicher und einflußreicher,die Armen und Ohnmächtigen immer ärmer und macht und hilfloser werden.
In  diese  Situation  hinein  hat  Amos  eine  unerhört neue Botschaft in  Israel  zu  sagen.
Eine  Botschaft, die alles das, was Israel bis dahin gesagt wurde infragestellt, -Ja schlimmer noch: geradezu negiert.

Israel kann sich nicht mehr auf seine Erwählung in den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob berufen; der Auszug aus Ägypten und der Einzug in gelobte Land also alles Handeln Gottes an seinem Volk wird radikal erschüttert,  angesichts  dessen,  was  Amos  zu verkündigen hat. Er muss sagen:  “Das  Ende  ist  gekommen für mein Volk Israel.”

Gott sagt durch seinen  Propheten:  Es  ist  zu  Ende;  endgültig Schluss.
Ende, Aus!

Das ist neu in Israel; vorher noch nicht da gewesen.

Gott sagt “Nein” und zwar zu seinem erwählten Volk.

Hinter diesem “Nein”,-nach  dem  angekündigten  Gericht, kommt für Amos keine neue Zuwendung Gottes in Sicht. Er verkündet nur das unausweichliche eintreten des Endes.

Amos war ein ausschließlicher “Neinsager”

Auch wenn Amos ausschließlich Unheil und das kommende  Gericht  Gottes  ankündigte,  hat  er  immerhin eine Begründung zu geben versucht, warum es  sich so und nicht anders verhalten wird.
Solch eine Begründung ist auch der heutige Predigttext:”Ich will nichts wissen von euren Festen; bleibt mir weg mit dem Geplärr deiner Lieder; ich will euch hinaus in die Verbannung führen spricht der Herr”. Allerdings ist der Text eher untypisch für Amos. Er zeigt nämlich hier die Schuldverfallenheit des Volkes anhand des Gottesdienstes auf.

Viel häufiger aber, als Kritik an den Feiertagen tauchen Themen auf wie: Bedrückung von Armen, Handelsbetrug, Ansammlung von Haus und Grundbesitz,Errichtung von Prachtbauten auf Kosten der Armen,Luxus als Zeichen von Hochmut, Rechtsbeugung und Amtsmißbrauch.
Abgekürzt würde man heute von “Sozialkritik” sprechen.
Der Text gleicht daher einer Beschimpfung der Gottesdienstgemeinde; -einer Gemeinde deren Selbstgerechtigkeit  angesichts  eklatanter  Ungerechtigkeit angegriffen wird.

Eine Festgemeinde, feierlich gestimmt -wahrscheinlich im Staatsheiligtum zu Bethel- erfährt also einen Einspruch: Amos ist vermutlich mitten in  der  Versammlung aufgestanden und hat seine Kritik dazwischen geschrien -mitten in die Liturgie hinein. Der notorische “Neinsager” wurde zum Störfall. Sinngemäß hätte er etwa folgendes sagen können:

“Am  Heiligtum  seid  ihr  fromm  und  feiert,  aber draußen in den Dörfern haben die Leute gar nichts zu feiern. Dort mißachtet ihr das Recht. Die Bauern und Tagelöhner ernten Wein und Oliven und die Priester und  Großgrundbesitzer  nehmen  es  ihnen  weg.  Sie unterdrücken nach Bedarf und beuten zu ihrem eigenen Nutzen und Vorteil aus. Wollt ihr etwa Gott mit euren Festen bestechen? Soll Gott euer Unrecht etwa auch noch segnen? Am Sabatt fromme Lieder singen, Opfer bringen und um Vergebung bitten und alltags den Menschen das Fell über die Ohren  ziehen.  Das kann Gott nicht riechen! Das stinkt zum Himmel.”

Amos lehnt den Gottesdienst also ab, weil Recht und Gerechtigkeit  mißachtet  werden.  Er  stellt  klar: Rechtbrechen,  also  aktiv  am  Unrecht tun  teilhaben und fromme Lieder singen,  das paßt nicht zusammen.

III.) Nun gibt es zu der äußeren gesellschaftlichen Situation in die Amos hinein spricht offenbar Entsprechungen:
Auch wir sind Teil einer Gesellschaft, der es wirtschaftlich gut sehr geht,  die  ihren  Reichtum  erkauft  mit der Not anderer. Nicht nur weltweit, auch bei uns in der Bundesrepublik klafft die Schere zwischen Arm und Wohlhabend immer weiter auseinander.
Oft scheint unsere Gesellschaft auch an ein Ende gekommen zu  sein:  die  Gewaltbereitschaft  nimmt  zu, die Bereitschaft zur Gestaltung öffentlichen Lebens dagegen  ab;  einige  sehen  schon  die  Demokratie  in Gefahr.
Kriege rücken immer näher; mit politischen Mitteln ist ihnen offenbar nur schwer oder gar nicht beizukommen. Deswegen besinnt man sich neuerdings wieder auf Bomben.
Die Verelendung ganzer Völker in der nimmt ständig zu; dadurch strömen immer mehr Flüchtlinge in den reichen Norden; Und auch ökologisch steht es nicht zum besten. Trotz  allem  gibt  es  einen  entscheidenden  Unterschied:
Das  Ende,  das  Amos  angekündigt  hatte,  traf  vier Jahrzehnte  später  tatsächlich  ein:  Das  Ende  der staatlichen Existenz des nördlichen Teils von Israel war gekommen. Unweigerlich,  so wie Amos es angesagt hatte.
Heute ist  uns  das  Ende  keineswegs  angesagt.
Alle Datierungsversuche sind pure Spekulation.
Wann das Ende kommt weiß Gott allein.
Heute kann keiner mehr wie Amos auftreten und sagen.”So spricht der Herr”. Und weil das so ist können  auch  die  kritischen  Worte  zum  Gottesdienst nicht  einfach  auf  unsere  Feiern  heute  übertragen werden.

Gott hasst nicht notwendig und seit Amos nun jeden Gottesdienst.  Vielmehr  soll  unser  Gottesdienst  zu einem  Dienst  Gottes  an  uns  werden,  der  dann  zu unserem Dienst an der Welt führt.

Nicht wir bringen einen Dienst  für  Gott,  indem  wir  uns  hier versammeln. Wir haben Gott als Gemeinde, als Kirche nicht in der Hand, verfügen nicht über ihn.
Davor warnt der Text allerdings: Gott handhabbar zu machen, über ihn bestimmen zu können.
Vielmehr dient uns Gott im Gottesdienst, indem er uns nah kommt und  uns  zu  neuen  Menschen,  zu  seiner  Gemeinde macht. Er tut es von sich aus ohne unser aufeinander-zugehen, ja sogar über alle aufgerichteten Barrieren hinweg.
Aber hat das gerade Gesagte wirklich  noch  etwas mit dem Amos Wort zu tun? Wie paßt das Wort vom im Gottesdienst nahen Gott  zum  Wort  Gottes,  das unweigerlich  das  Ende  ankündigt?

Wird  hier  nicht aus dem richtenden Gott  zu  schnell  ein  liebender gemacht?

In der Tat zeigt Amos einen Gott der Schluss macht, der ein Ende setzt; daran gibt es keinen Zweifel und nichts zu rütteln!
Aber Gottes Gericht und seine Liebe sind nicht zwei Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen.
Heil, also Zusammensein mit Gott, Leben  in  seiner Gemeinschaft  ereignet  sich  nach  dem  Zeugnis  der ganzen Bibel erst nach dem Gericht; erst durch das Todesgericht hindurch, nie daran vorbei gibt es eine heilvolle Zukunft.

Ich betone noch einmal, dass das für die ganze Bibel gilt!
Es kann nicht aufgeteilt werden: der zornige, richtende Gott ins Alte, der liebende, vergebende  Gott ins Neue Testament.
Der Gott des Alten ist ebenso ein liebender, wie die Gott des Neuen Testaments ein richtender ist.
Aber trotzdem hat Gott nicht zwei Gesichter. Er ist nicht mal so, mal so.
Gott hat sich eindeutig als ein liebender bestimmt, als einer, der in Gemeinschaft mit seinem Volk leben will. Weil er mit seinem Volk zusammen sein will erträgt er es nicht, dass der Gottesdienst, in dem er sich den Menschen schenken will, zu einer religiösen Selbst Versicherungsveranstaltung  wird.

Darum sagt  er Schluss, Ende, Aus.

Gottes Gericht ergeht gerade, weil er solch ein liebender Gott ist.
Dass Gott sich eindeutig als ein liebender bestimmt hat,  erkennen  Christen  an  Jesus  Christus,  in  dem Gott selbst das Gericht auf sich nimmt. Der richtende Gott, der, der Schluss, Ende, Aus sagt, ist zugleich der gerichtete Gott, der das Ende erträgt.
So  bestimmt  Gott  sein  Wesen  als  Liebe,  dass  er selbst in den Tod geht, selbst Gericht erleidet, um Leben zu schenken.
Dieser Gott will uns  dienen,  seine  Nähe  schenken.  Auf  diesen Gott dürfen wir hoffen.