Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ethik

SEO und Ethik

Kaum jemand wird bestreiten wollen, dass es schon einmal besserer Zeiten für die Kirchen gab. Der Skandal um Holocaust-Leugnung und sexuellen Missbrauch hat vor allem die katholische Kirche in solch einen Misskredit gebracht, dass sie einem „angeschlagenen Boxer“ gleichkam, der von einer Ecke in die andere taumele, wie Thies Gundlach es vor einiger Zeit (kirchenintern) formulierte. Die evangelische Kirche sah sich demgegenüber in einer Art „Haftungsgemeinschaft“, wie Nikolaus Schneider formulierte, was dazu führte, dass die ethische Urteilsgabe „der Kirche“ insgesamt bestritten wurde. Die alkoholisierte Autofahrt der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann kam da gerade recht. Wo sicher geglaubte Handlungsfelder weg brechen braucht es natürlich Zeit sich neu zu orientieren. Und das dauert in der verfassten Kirche nun mal seine Zeit. Kein Wunder, dass andere in den Markt drängen. Und dabei ist Markt wirklich als „Markt“ zu verstehen wie J.A. Männing sehr anschaulich in seinem Blogbeitrag zeigt. Auch eine andere Berufsgruppe stellt sich die Frage an welchen Urteilen sich menschliche Verhaltensweisen messen lassen sollte. Gilt für die SEOs wirklich: „Was Moral ist definiert derjenige mit den meisten …

Twitter ist auch böse!

Kaum drückt man in einer Schnapslaune den „Retweet-Button“ auf Twitter und hat seine Beiträge auch noch in seinem Blog verlinkt, kann man sich vor Suchanfragen kaum retten. Als Motiv zur Suchanfrage ist Boshaftigkeit nicht auszuschließen, wenngleich im Fall des Außenministers schon einiges aufgewendet werden muss, um wirklich böse zu sein! So jedenfalls geht es mir mit einem Zitat aus den letzten Mitternachtsspitzen: Herbert Knebel brachte in seiner Rolle als Helmut Schmidt (in „Loki und Smoki“) das Zitat: „Wenn man einen Vollpfosten wie Westerwelle zum Außenminister macht, braucht das Volk nicht weniger, sondern mehr Alkohol.“ Der erste, der dieses Zitat twitterte war muehlenwind und sein tweet wurde 89 mal weiterverbreitet, u.a. auch von mir. Dass Twitter als Suchmaschine „Google“ (und die sind ja seit Street View auch böse) immer mehr abzulösen scheint, ist offensichtlich. Was ich mir zusätzlich wünschen würde wäre eine #hashtag Einbindung in den Fließtext von Blogs, dann könnte man diejenigen, die mit Kanonen auf Spatzen schießen (wie #westerwelle auf #hartzIV Empfänger) noch schneller und effizienter belangen. Dazu ist, neben den technischen Voraussetzungen, vor …

Keine weichgespülte Nächstenliebe. Philipper 2,5-11

Die römischen Kaiser prägten das Bild selbst, das sich die Welt von ihnen machen sollte: Auf den Münzen, die sie schlagen ließen, sehen sie daher so aus, wie sie aussehen wollten –stark und machtvoll. Kaiser Augustus zum Beispiel schaute auf seinen frisch geprägten Denaren … noch im Alter von siebzig so aus wie mit dreißig. Die Münzbilder waren Propaganda. Sie brachten die richtige Botschaft unter das Volk: den ewig jungen Herrscher.“ * „Ihr kauft mit den Schneid nicht ab“, dass war die Botschaft, die unter das Volk sollte. Heute gibt es diese Form der Münzenpropaganda nicht mehr.

Über den Antisemitismus bei Katharina von Bora

Der streitbare Prof. Friederich Wilhelm Graf hat mal wieder ordentlich „seine“ Kirchenleitung vorgeführt und (wie immer) deutliche Worte zu „überaus theologischer Übersichtlichkeit“ gefunden. Der Artikel gefällt mir, gerade weil so wenig Kritik aus der akademischen Theologie an die Kirchen geübt wird. Dabei gilt für Hochschullehrer nicht, was fürs Pfäfflein (meistens) gilt: „Wes Brot ich eß, des Lied ich sing“.

Schäfchen im Trockenen?

In meinem Briefkasten lag neulich die Werbung eines Finanzinstitutes: „Bringen Sie ihr Schäfchen ins Trockene!“ Freilich, das war noch vor dem Finanzcrash. Am Tag danach klingt das fast wie Hohn. Viele Kirchen nehmen den Zusammenbruch des Finanzmarktes bemerkenswerter Weise nur unter der Perspektive wahr, ob sie ihre kirchlichen Finanzen im Trockenen haben, oder nicht, wie z.B. die Oldenburgische Kirche, die Millionen bei der amerikanischen Lehmann Bank lassen musste. Dabei hätten die Kirchen doch dazu einiges zu sagen: Unverdächtig könnten sie Luther zitieren, der 1524 in einer kleinen Schrift („Von Kaufshandlung und Wucher“) schon wusste: „Geld ist erforderlich aber unfruchtbar!“ Oder sie könnten die 1975 vom ÖRK ins Leben gerufene Genossenschaft oikocredit als alternative Form des Wirtschaftens in das ihr zustehende Licht rücken. Stattdessen verfasste die EKD im Juli eine Denkschrift, die sich weitaus unkritischer mit der Praxis unseres Wirtschaftens auseinandersetzt als erwartet. Hat die Oldenburgische Kirche schlussendlich nur das praktiziert, was die Denkschrift empfiehlt? Hat die „Gottesanbeterin“ sich hier tief vor der „Heuschrecke“ verneigt? Fest steht: Hinter dem Crash entdecken nur die wenigsten einen Systemfehler. …

Weniger ist mehr (Predigt über Lukas 9)

„Weniger ist mehr“! Das sagt man so in genügsamer Bescheidenheit, oder wenn man und frau auf einen gewissen Luxus nicht verzichten ihn vielmehr bewusst genießen möchte. „Weniger ist mehr“, lieber ein glas Wein weniger, dafür aber einen besseren. Lieber einen Smart für den Stadverkehr, als gar keinen Parkplatz; lieber walken statt joggen, das ist besser für die Gelenke; „Weniger ist mehr“ das honoriert unserer Gesellschaft. Menschen wie der IKEA Gründer und Multimilliardär Ingvar Kamprad sind gerade wegen ihrer Knauserigkeit bekannt: Sein Haus in der Nähe von Lausanne hat Kamprad mit Ikea- Ware möbliert. Obst kauft Kamprad nachmittags auf dem Markt, dann ist es billiger. Bus und Bahn sind seine Verkehrsmittel. Dabei nutzt er gerne den Pensionärsrabatt. Kamprad gönnt sich immerhin ein Auto und zwar einen 15 Jahre alten Volvo. Er beschreibt Papier stets beidseitig, seine Mitarbeiter sollen das auch so machen. Der Friseur ist ihm zu teuer. Die Haare schneidet ihm seine Frau. Kurzum: Das „Weniger ist mehr Credo“ wird von unserer Gesellschaft respektiert und geachtet. Ungeachtet dessen gilt allerdings genauso also das genaue Gegenteil …