Alle Artikel mit dem Schlagwort: EKD

Im Pfarrhaus soll es rein zu gehen!

Zumindest „rein evangelisch“. Das ist der Wille der Mehrheit der Synode der EKD, und gehört seit einem Jahr zum Bestand des neuen EKD Pfarr-Dienstrechtes, dass Eheschließungen von Pfarrerinnen und Pfarrern (zunächst einmal) nur unter konfessionell evangelischen Partner_innen möglich sein lässt. Das wundert nur Außenstehende, denn in den meisten Landeskirchen findet dieses Vorgehen den gesetzlichen Rückhalt in bestehenden Pfarrdienstgesetzen. Nun hat der Fall einer Vikarin aus der Würtembergischen Landeskirche für größere Resonanz gesorgt. Man darf vermuten, dass es in diesem Fall zu enormen Kommunikationsstörungen gekommen sein muss, denn im Regelfall werden derartige Fälle überaus geräuschlos geklärt. Meistens wird nämlich von den (gesetzlich vorgesehene) Ausnahmeregelungen Gebrauch gemacht. Ein „Im Prinzip schon, aber…“ ist besonders bei Kirchen synodal verfasster Struktur beliebt, da die Freiheit des Leitungsgremiums in seinen Entscheidungskompetenz als höchstes Gut betrachtet wird. Da wundert es nicht, dass die Synode der EKD so weiter zu machen gedachte. Allerdings hat eine andere Synode, die der reformierten Kirche unlängst in Emden darauf hingewiesen, dass diese Anwendung pfarrdienstrechtlicher Praxis schlichtweg überflüssig sei. Es kann der reformierten Synode nicht hoch genug …

Jochen Vollmer im deutschen Pfarrerblatt

Zur Zeit wird ein Artikel im deutschen Pfarrerblatt heftig angefeindet. Hier eine kurze Einschätzung zur Problematik: Ich teile die Meinung des Autors nicht. Dennoch kann es m.E. nicht angehen eine Meinungsäußerung (noch dazu in einem Printmedium einer „Splittergruppe“) zur Chefsache des Ratvorsitzenden erklären lassen zu wollen. Wir diskutieren viel (auch theologischen) „Mist“ z.B. von Alt-Bischöfen, aber beim Israel Thema sollen alle plötzlich einer Meinung sein? Bedenklich finde ich, dass nur laut genug „rheinischer-Synodalbeschluss von 1980“ gebrüllt werden muss um den vermeintlichen „Gegner“ zum Schweigen bringen zu wollen. Das ist im Rheinland schon der Fall, wenn die Barmer Theologische Erklärung wie das Weihnachtsevangelium des Lukas zitiert werden kann, obwohl es EKDweit theologisch strittig ist, ob diese Erklärung den Rang einer reformatorischen Bekenntnisschrift hat. Eine ähnliche Entwicklung sehe ich, wenn es um die Kritik am Synodalbeschluss „Christen und Juden“ geht. Vielleicht bin ich da als reformierter und rheinischer Pfarrer etwas zu kleinlich. Aber ich finde der Präses sollte so mit dem Text umgehen, wie mit einigen Texten der evangelischen Allianz oder Gruppen, die eine Judenmission befürworten: Nicht erwähnen oder kommentieren! …

Arbeiterkind an der Spitze der EKD

Herkunft darf nicht über Bildung entscheiden, meint die evangelische Kirche in Deutschland. Das ist mehr als ein Lippenbekenntnis schließlich steht mit Nikolaus Schneider ein „Arbeiterkind“ an der Spitze des Kirchenbundes. Auch seine Vorgängerin Dr. Margot Käßmann ist ein „Arbeiterkind“. Den Karriere-Chancen in der Kirche tut das offenbar keinen Abbruch. Ob sich dieser „Trend“ durchsetzten wird bleibt abzuwarten. Mit Prof. Dr. W. Huber bekleidete immerhin jemand das Amt des höchsten evangelischen Repräsentanten, der auf gute akademische Bildung mehrerer Generationen zurückblicken konnte. Ob Hermann Gröhe Arbeiterkind ist, geht aus seinem Lebenslauf nicht hervor. Immerhin unterstützt er aber die Initiative arbeiterkind.de. Weil ein Arbeiterkind diese Zeilen schreibt, versichere ich hiermit ausdrücklich, dass ich weder das Amt des CDU-Generalsekretärs, noch den Ratsvorsitz in der EKD anstrebe! Es braucht auch bloggende Pfäfflein. (@meinesupervisorin: Pfäfflein ist keine Abwertung, ebenso sowie Arbeiterkind. „Warum glaubt mir armem Wurm eigentlich nie jemand etwas“…)

Nikolaus Schneider: Der Islam gehört auf andere Weise zu Deutschland

Präses Schneider hat in einem Interview in der „WELT“ über seine Motivation gesprochen Ratsvorsitzender der EKD zu werden. Daneben sprach er auch über die andauernde Integrationsdebatte, ja sogar über Theologie. Auf die Frage an seiner Freude an dem Amt des Ratsvorsitzenden „bekannte“ er: Es ist wunderbar zu erleben, wie mir hier in der EKD zugearbeitet wird, und die Möglichkeit zur Teilnahme an öffentlichen Debatten ist verlockend groß. Das heißt frei übersetzt:

Nikolaus Schneider zu Gast bei Tacheles

Unser (ekir) Präses und Ratsvorsitzender gefällt mir in seinen aktuellen Äußerungen immer besser. Am kommenden Sonntag wird er in einer Fernsehdiskussion zu sehen sein (Phoenix: 17.10.2010 um 13 Uhr und am 24.10.2010 um 22.30 Uhr ) Sein Statement zur aktuellen Debatte um den Islam ist jedenfalls mehr als beachtlich: Wenn wir über Jugendgewalt sprechen, müssen wir die Gründe genau betrachten. Dass gerade junge Muslime zur Gewaltbereitschaft neigen, wie die Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gezeigt hat, hängt vor allem mit der Lebenssituation und Perspektivlosigkeit dieser jungen Menschen zusammen. Wenn sie keine Chance bekommen, wenn sie sozial benachteiligt werden, wenn sie frustriert sind und sich dann auf Gewalt rechtfertigende aussagen ihrer Religion beziehen, kann das in Gewalt enden. Diese Jugendlichen leben in unserer Gesellschaft. Sie könnten von dieser Gesellschaft profitieren. Sie haben Angebote und Möglichkeiten. Aber sie nutzen sie nicht. Da müssen wir fragen: Woran liegt das? Wir können allerdings nicht alle Problem auf die Gesellschaft schieben. Diese jungen Menschen müssen auch selber Verantwortung tragen. Aber den Islam als Ursache zu suchen, greift zu kurz. Der …

Nikolaus Schneider zu Atomkraftwerken

Nikolaus Schneiders deutliche Töne kommen in der Frage der Atomtechnologie deutlich zum tragen. Auf der EKD-Seite ist heute zu lesen: (epd) Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, kritisiert die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke als unverantwortlich. „Der Atommüll strahlt derart lange, dass wir für einen Zeitraum Verantwortung übernehmen müssen, der von Menschen real nicht übernommen werden kann“, sagte der rheinische Präses der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwochsausgabe). „Wir überschreiten hier das menschliche Maß.“ Durch die von der Bundesregierung beschlossene Laufzeitverlängerung werde weiter Atommüll in Massen erzeugt. Bis heute sei unklar, wo dieser Abfall gelagert werden könne. Schneider: „Es ist nicht zu verantworten, dass kommenden Generationen ein solch ungelöstes und weiter wachsendes Problem hinterlassen wird.“ Richtig sei zwar, „dass wir voraussichtlich eine Technologiebrücke hin zu den erneuerbaren Energien benötigen“, fügte der Präses hinzu. Man werde tatsächlich auf Kohle und Gas nicht verzichten können. „Die Energiebrücke kann aber aus Sicht der EKD nicht die Atomtechnologie sein.“ Denn diese erfordere in einer Weise Perfektion, „wie sie Menschen zu leisten nicht in der Lage sind“. Die Vorkommnisse …

Komm zurück Margot!

Dass die ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann aus den USA ihre Erfahrungen auf evangelisch.de bloggt findet in der Presse hohen Anklang. Nicht nur dass sie schreibt, sondern besonders wie sie schreibt hinterlässt offenbar bleibenden Eindruck. Sie ist nach wie vor das menschliche Gesicht des deutschen Protestantismus. Und medial präsenter als ihr Nachfolger im Amt Nikolaus Schneider. Während Käßmann ein sympathisches und bemerkenswertes Interview in der Zeit gibt, gibt es ein nicht sehr professionelles Interview mit ihm zum Thema „Neue Medien“ (Tenor: Man darf die Menschen nicht überfordern). Während Käßmann bloggt liest man dort sehr viel kritisches, vor allem, wenn es um das Thema „Geschwindigkeit“ geht. (Ich frage mich manchmal, ob wir die Menschen in unseren Gottesdiensten nicht eher mit dem „nicht-singbaren“ Wochenlied überfordern…) Gleichzeit sieht Schneider, dass das Netz auch „in der klassischen Frauenhilfsstunde“ bald eine große Rolle spielen wird, und auch unsere Gremienarbeit sich im Netz abspielen wird. Gut, wenn wir den sarrazinschen Betrachtungszeitraum auf die nächsten 120 Jahr legen, könnte das durchaus angehen… Die kirchlichen Realitäten sehen anders aus: -nein, keine Aufzählung, das wäre …