Alle Artikel mit dem Schlagwort: der Mensch

Facebook, Freundschaft und Römerbrief Kapitel 7

Der amerikanische Kulturkritiker Deresiewicz in einem Gespräch über Freundschaft und Einsamkeit im Online-Zeitalter schreibt folgendes: „SZ:Wie konstruiert der Mensch zwischen Vernetzung und Einsamkeit seine Identität? Deresiewicz: Es gibt eine Lücke zwischen dem, was wir sind, und dem was wir darstellen. Oft ist es doch so: Je mehr Spaß Menschen an ihren Facebook-Statusnachrichten zu haben scheinen, umso weniger Spaß haben sie in ihrem echten Leben. Das kann dazu führen, dass wir uns zu Avataren unserer Selbst verwandeln: Plötzlich merke ich, dass mein digitales Ich auf Facebook ein aufregenderes Leben hat als ich selbst.“ Das erinnert mich an die paulinische Rede vom inneren und äußeren Menschen im Römerbrief Kapitel 7, 7-25: Die dortige anthropologische  Differenz zwischem inneren und äußeren Menschen ist zwar (kontextbedingt) das „Gesetz“ (das Paradiesgebot; nicht die Tora!), gleichwohl besteht eine Parallele in der sog. „Lücke“ zwischen „Etwas“, das soetwas wie „Identiät“ ermöglicht oder sogar erst (in der Interaktion zwischen beiden?) herstellt. Ich habe mich zwar schon mehrere Wochen mit dem Text befasst, er reizt mich aber immer wieder, ist er doch wahrscheinlich der dichteste …

Gottesdienst zum Valentinstag?

Alles Liebe zum Valentinstag!, ursprünglich hochgeladen von Carina Greger Der Valentinstag wird kirchlicherseits vollkommen übergangen, oft sogar gescholten, wegen der Kommerzialisierung der Liebe! (Wer so verfährt: Achtung! Weihnachten…). Andere Wege geht die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland: Sie bietet Gottesdienste für Liebende an! Hintergrund ist folgender:

Schlingensief Burkina Faso und Jes 40,3

Das hat schon fast etwas prophetisches. Würden Propheten heute Aktionskünstler heißen? Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet. 6 Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Odem bläst darein. Ja, Gras ist das Volk! Ich bewundere den Aktionskünstler Schlingensief. Er ist ein Prophet im wahrsten Sinne des Wortes: Jemand, der „hervorsagt“, nicht jemand der „vorhersagt.

Der Ethikrat und die Klappe

Zuweilen werden Diskussionen reichlich akademisch  geführt.  So auch in  der neusten  Empfehlung des  Deutschen Ethikrates die sog. „Babyklappen“ abzuschaffen. „Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe sind ethisch und rechtlich sehr problematisch, insbesondere weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen“, heißt es in der am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme. Mit derselben Logik ließe sich aber auch  sagen:  „Tote  Babys  brauchen keine Eltern!“ Statt an einer seit 1999 bestehenden Praxis weiterzuarbeiten und  ggfs. zu modifizieren, wird hier fast bildlich „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Die Ratsvorsitzende der EKD hat sich  weit  für  die  Babyklappen aus dem Fenster gelehnt. Gut So. Dafür hat sie dann auch  den ersten katholischen „Gegenwind“ zu spüren bekommen  (vom  SkF, Sozialdienst kath. Frauen). Allerdings  ist  auch  zu  hören,  dass die  kath. Vertreter im Ethikrat, der selben Meinung waren, wie die Bischöfin.

Telefonseelsorge für Muslime

Komme gerade von einer Veranstaltung in der über Islam und Christentum (wie immer) kontrovers diskutiert wurde. Es ist erschreckend wie über andere Religionen ge- und auch verurteilt wird. Statt dass für ein friedliches Miteinander der Religionen zu werben wird die Wahrheitsfrage in den Religionen zur alles entscheidenden Frage hochstilisiert. Auf der Strecke bleiben die Menschen, die nach Orientierung und Hilfe suchen! So ist es nur zur begrüßen, dass es nun auch eine TS (Telefonseelsorge) für Muslime gibt.

Wiedereinmal: Kündigung wegen Wurstbrot!

Die Meldungen werden häufiger. Gekündigt wegen vermeintlicher Bagatellen… Diesmal hat es ein Pflegeheim der Caritas fertig gebracht. Bald wird „Der Spiegel“ sicherlich auch von weiteren (auch evangelischen) Einrichtungen berichten. Wann sind die Redaktionen der Verlage und die Gewerkschaften dran, bei denen die Reinigungskräfte vom Buffet naschen?

Depression ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit.

Telefonseelsorge verzeichnet nach Enke-Suizid mehr Anrufe berichtet das Hamburger Abendblatt. Offenbar setzen Prominente durch ihre Verhaltensweisen Veränderungsprozesse schneller in Gang, als alle Beratungsstellen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit es je zustandebringen würden. Das ist für beide Seiten nicht gerade ermutigend. Promis stehen noch mehr mit ihrem Privatleben unter Beobachtung, gerade wenn sie der Meinung sind, dass ihr „Handicap“, „Schicksal“ es vielen Leidensgenossen mit ihrer Thematisierung leichter machen könnte. Und die Beratungsleute bohren oft jahrelang dicke Bretter, mit oft nur kleinen Erfolgen. Der Spagat zwischen verantwortunsvollem Öffnen und immer größer werdendem Voyorismus bleibt keinem erspart.