Alle Artikel mit dem Schlagwort: der Mensch

„Ewiges Leben“ – ein Erklärungsnotstand

Schnelle und einfache Antworten sind gefragt, besonders dann, wenn es kompliziert zugeht. Da mag man dem Predigttext aus dem 1.Johannes Brief mit Nachsicht begegnen, immerhin versucht er sich in der Beantwortung der Frage, wie sich Gottes Ewigkeit zu unserem Leben verhält. Da wir unser Leben nicht ohne das Vergehen von Zeit betrachten können, kommt eine Rede vom „ewigen Leben“ in Erklärungsnot. Was für die Rede von Gott als unverzichtbar erscheint, wird in der Übertragung auf den Menschen unvereinbar: Gott ist ewig, wir sind endlich. Gott ist im Himmel, der Mensch auf Erden. Hätten wir nicht gerade noch die Weihnachtsbotschaft im Ohr, dass Gott Mensch wird, würden wir dem vorbehaltlos zustimmen. So aber hören wir, dass Zeit und Ewigkeit einander nicht ablösen und auch nicht auseinander fallen. Wir hören es als Verheißung, die sich erfüllt hat und die sich im Glauben als wahr erschließt. Der Ort eines „ewigen Lebens“ ist darum dort, wo sich Bindung an den Mensch gewordenen Gott ereignet. Wer schnell und einfach antworten will, sagt dann auch Sätze wie: „Wer den Sohn hat, der hat …

Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit.

Von ihren Anfängen an haben Menschen die tragische Erfahrung des Bösen gemacht und versucht, die Wurzeln zu erfassen und Ursachen zu erklären. Das Böse ist keine anonyme Macht, die in der Welt am Werk ist. Das Böse nimmt seinen Lauf in der menschlichen Freiheit. Diese Eigenschaft steht im Mittelpunkt des Bösen und geht ständig mit ihm einher. Es hat immer ein Gesicht und einen Namen: das Gesicht und den Namen von Menschen, die es aus freien Stücken wählen. Die Bibel sagt, dass am Anfang der Geschichte Adam und Eva sich gegen Gott auflehnten und Abel von seinem Bruder Kain erschlagen wurde. Das waren die ersten Fehlentscheidungen, auf die im Laufe der Jahrhunderte zahllose weitere folgten. Jede von ihnen hat, eine klare Verantwortlichkeit von Menschen. Wenn man nach seinen tieferen Bestandteilen sucht, wird man feststellen, dass das Böse letztlich bedeutet, sich der Notwendigkeit der Liebe zu entziehen. Das Gute hingegen erwächst aus der Liebe, zeigt sich als Liebe und richtet sich an der Liebe aus. Die Logik der christlichen Liebe drängt, konsequent zu Ende gedacht, sogar …

Vom Kreuz mit dem Amtseid und Dackeln

Da gibt es also eine Verlegenheit bei den Kirchen, wenn eine Muslima ihren ministerialen „religiösen“ Amtseid spricht. Das ist auf evangelisch.de zu lesen. Ich finde es wesentlich schlimmer, wenn die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ihren Amtseid ohne „religiöse“ Formel spricht. Kann man wirklich auf „religöse“ Begründung von Recht (als ganz und gar menschliche Angelegenheit) verzichten? Dies ist eine verfassungsrechtlich wohl nicht minder schwer zu beantwortende Frage, wie die theologische nach dem Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam. Nach dem Ökumeniker Hans Küng ist das wohl ein äußerst zu begrüßender Vorgang. Aber die Bedenkenträger sind immer schnell bei der Sache. Ich halte es da mit Hermann Barth, dem Präsidenten des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zwischen Christen und Muslimen gebe es zwar erhebliche Unterschiede beim Gottesbild und im Verständnis von Jesus Christus, doch sei der Bezug auf Gott in der Eidesformel wie auch in der Präambel des Grundgesetzes nicht exklusiv an das christliche Gottesverständnis gebunden, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Ministerin habe damit zum Ausdruck gebracht, „dass sie ihre Verantwortung in einem …

Schleiermacher über Vulkane

„Alle Räder stehen still, wenn der starke Arm es will“. Im aktuellen Fall ist der starke Arm ein isländischer Vulkan und wir müssen als moderne Gesellschaft feststellen, wie abhängig wir von Naturgewalten sind. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, das gilt im Moment nur für eine Flughöhe über elft tausend Metern. Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl liegen offenbar sehr dicht beieinander. Das reizt den Theologen natürlich und ruft fast unweigerlich nach der Lektüre des großen Friedrich Schleiermacher. (Eine ganz kurze Einführung in Schleiermachers Denken -aus fundamental barthianischer Sicht- gibt Theoblog (link zum PDF-File). In Schleiermachers §4 der Glaubenslehre heißt es: Denken wir uns nun Abhängigkeitsgefühl und Freiheitsgefühl in dem Sinne als eines, daß nicht nur Subjekt, sondern auch das mitgesetzte Andere in beiden dasselbige ist: so ist dann das aus beiden zusammengesetzte Gesamtselbstbewußtsein das der Wechselwirkung des Subjektes mit dem mitgesetzten Anderen. (…) Demnach ist unser Selbstbewußtsein als Bewußtsein unseres Seins in der Welt oder unseres Zusammenseins mit der Welt, eine Reihe von geteiltem Freiheitsgefühl und Abhängigkeitsgefühl; … Wir mögen unsere Verhältnisse zur Natur …

Ein schlechter Tag für den Protestantismus

Nun ist sie weg, die erste Ratsvorsitzende, die wir hatten. Das ist ein herber Verlust. Sie war die beste Besetzung, die die Evangelische Kirche je hatte! Aber die Entscheidung passt zu ihr. Andere hätten versucht im Amt zu bleiben. In einem Jahr hätte keiner mehr darüber gesprochen, wenn Sie ein Mann wäre. Wie ein anderer Bischof, der auch schon einmal seinen Führerschein aus dem gleichen Grund abgeben musste und nun die sueddeutsche Zeitung wegen übler Nachrede zu einer Gegendarstellung bewegen will. Selbst in ihren kurzen Worten  der Pressekonferenz vermag sie schlüssig und einsehbar zu machen, warum sie nun nicht „weiter so“ machen kann. Wirklich bedauerlich ist aber, dass nun der „höchste Repräsentant der zweitgrößten evangelischen Landeskirche“, wie er sich in Pressemitteilungen seiner rheinischen Landeskirche nennen lässt, offenbar ihr Nachfolge antritt. Damit weichen nachdenkliche und intelligente, weibliche Sätze den hemdsärmeligen und aktionistischen Macho-Sprüchen eines unbekannten Nikolaus Schneider. Ein schlechter Tag für den deutschen Protestantismus. Die Erklärung im Wortlaut: Hannover (ots) – Es gilt das gesprochene Wort! Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den …

Die menschliche Bischöfin

Die Menschlichkeit der Ratsvorsitzenden Bischöfin Margot Käßmann wird immer wieder gelobt und herausgestellt. Ihre gescheiterte Ehe war (ist) allerdings vielen ein Dorn im Auge. Und nun ist sie (ganz menschlich) betrunken am Steuer ihres Autos erwischt worden, wie sie über eine rote Ampel fährt. Das wird für manchen nun wieder Wasser auf die argumentativen Mühlen geben. Das erste Schmähforum hat in der „Welt“ hat längst geöffnet. Ich wünsche ihr viel Standfestigkeit in den kommenden Anfeindungen die da kommen werden. Diejenigen, die sich nicht um ihre Afghanistan-Äußerungen gekümmert haben, werden ihr diesen menschlichen Zug ganz gewiss nachsehen.