Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buße

Synodenbericht zur Gefängnisseelsorge

Seit einer viertel Stunde steht er in der prallen Sonne. Es ist über dreißig Grad an diesem Tag im August. An seinem karierten Hemd ist ein Schildchen angesteckt.: „Besucher“ ist darauf zu lesen. Für Walter* ist es ein besonderer Tag. Er will noch einmal an den Ort seiner Jugend. Walter ist inzwischen 86 Jahre alt geworden. Baseball Kappe auf dem Kopf, Bermuda und Sandalen. So steht er aufgestützt auf zwei Walking Stöcken auf dem Eingangsgelände der JVA. Er wolle sich das Gelände noch einmal ansehen, ob das möglich wäre, hatte er an der Pforte gefragt. Durch ein Missverständnis hatte man ihm Einlass gewährt. Für einen ehemaligen Beamten hatte man ihn gehalten und bei mir angefragt, ob ich mit ihm einen Rundgang über das Gelände machen könne. Ich strecke Walter zur Begrüßung die Hand entgegen und greife in einen Fahrradhandschuh. Wir gehen los. Er kennt die Wege besser als ich, der erst seit einem knappen Jahr in der Anstalt als Gefängnispfarrer arbeitet. Von 1945-1952 sei er hier gewesen erzählt er, während wir uns mit kleinen Schritten …

Betender Mann

Predigt zur Einführung im Knast

foto: sxc.hu Anlässlich einer Einführung in eine Gefängnispfarrstelle an einem Buß- und Bettag könnte einem in den Sinn kommen, dass zusammenkommt, was zusammengehört: Büßen und Beten! Knast trifft Kirche! Denn, dass das Büßen in der evangelischen Kirche ein Schattendasein führt, ist nicht erst seit der Abschaffung des Buß-und Bettages als gesetzlichem Feiertag wahrnehmbar. Dazu kommt, dass das Wort Buße im umgangssprachlichen Gebrauch lauter negative Assoziationen weckt: „Bußgeldbescheide“ sind die Strafen für Verkehrsvergehen. Wer in einer Haftanstalt seine Strafe „abbüßen“ muss, ist ein Mensch, dem die Freiheit der Lebensführung entzogen wird. „Etwas büßen müssen“ bedeutet auch sonst, die negativen Konsequenzen seines Tuns und Verhaltens ertragen müssen. „Buße“ hat es in all‘ diesen sprachlichen Wendungen immer mit einer Art Erleiden zu tun. Allerdings gilt auch, dass „Buße“ so etwas wie das erste Wort der Reformation ist: „Als unser Herr Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße‘, da meinte er, dass unser ganzes Leben eine Buße sein solle“. So lautet die erste der 95. Thesen, die Luther 1517 wenn auch nicht an die Kirchtür zu Wittenberg, so doch in großen …

Wir fahren VW Bus

Anlässlich der (voraussichtlichen) Einstellung der Produktion des Brasilienbusses veranstaltet unsere Regionalzeitung eine Reihe mit Geschichten rund um das Fahrzeug. Über Twitter hat mich der @gabonn gebeten eine kurze Geschichte zum Foto aufzuschreiben: Wir fahren T2 VW Bus seit 1995. Der abgebildete ist unsere zweites Exemplar Bj.1979 mit Westfalia Campingausstattung Modell „Berlin“. Sein Vorgänger aus demselben Baujahr war ein Selbstausbau mit Hochdach. Das Klapp-Schlaf-Dach hatte es uns schon lange angetan. Die Aufnahme ist aus dem Jahr 2003 und in Südfrankreich entstanden. Es war die erste Fahrt der neuen Kleinfamilie mit einjährigem Windelkind und haarendem Golden Retriever. Deswegen auch die Alubox in der Gepäckwanne. Zehn Jahre später (und einige tausend Euro Restaurationskosten ärmer) haben wir mit ihm wieder Urlaub gemacht. Mit fünfköpfiger Familie aber ohne Alubox in der Gepäckwanne. Da musste dann doch der andere Familien VW Bus Bj.2004 als „Begleitfahrzeug“ mitwirken. Warum wir seinen Durst und seine Unbequemlichkeit lieben liegt auf der Hand: Er ist das schönste Auto der Welt!

Blauer Brief. Werde wach!

Dieser Brief ist keine Weihnachtspost. Keine lieben Grüße. Kein Dank für die gute Zusammenarbeit im letzten Jahr. Der Predigttext Offb.3,1-6 für den dritten Sonntag im Advent ist eher ein „blauer“ Brief an die Gemeinde in Sardes. Damit passt er allerdings zu dem kirchenjahreszeitlichen Thema, dass die Umkehr (Neuanfang, Buße) im Blick hat. Als „blauer Brief“ ist er so etwas wie ein Weckruf. „Werde wach und stärke das andre, das sterben will.“ Es ist nicht die Zeit zu sterben, sondern die Zeit Neues zu erwarten. In 13 Tagen ist es soweit. Wir zählen die Tage im Advent zielgerichteter. Denn: Gott kommt uns entgegen. Er führt uns in Leben und nicht in den Tod!Eine Kirche die aus dieser Hoffnung Kraft schöpft, kann nicht langweilig bleiben. Sie ist Botschafterin der Zuversicht und der adventlichen Freude. „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist dem Gemeinden sagt!“ Lebe! Sei nicht tot!