Alle Artikel mit dem Schlagwort: Abschied

Abschied

Es sei ihr wichtig, ihrem Mann noch einmal zu sagen, dass er die Liebe ihres Lebens ist. Außerdem wolle sie in die Kirche aufgenommen werden.“ In welcher Reihenfolge machen wir das denn“, fragt sie und lacht. „Sowas kommt bestimmt nicht oft vor, oder? Naja, passt irgendwie zu mir: Erst Taufe von wegen Aufnahme in die Kirche und dann Trauung beides innerhalb einer Stunde. Spontan kann ich ganz gut“; Dabei wirft sie einen verliebten Blick zu ihrem Mann. Die Zahl der Hochzeitsgäste war überschaubar, alle hatten Platz an der großen Tafel. Die Speisekarte versprach ein üppiges Menü. Nur wenige wussten, dass diese Hochzeit das letzte große Familienfest mit ihr sein würde. Am Nachmittag hatte das Brautpaar noch in der Kirche gesessen, dabei waren die beiden schon seit 40 Jahren ein Paar. Doch kirchlich heiraten wollten sie damals nicht. „Ich hatte damals einfach kein Bedürfnis danach“, sagt sie. „Ich war nicht in der Kirche und hätte das auch komisch gefunden, auf einmal zu sagen, das gehört noch dazu.“ – Zwei Monate später sitzt sie mir im Krankenbett …

„minidecki“

Auch wenn es dem ein oder der anderen fast inflationär vorkommt, es ist wichtig weiter zu machen mit #refugeeswelcome. Dazu wurde in meiner ehemaligen Kirchengemeinde ein Projekt durchgeführt, das ich mit der Kamera begleitet habe. Das Ergebnis findet ihr auf http://minidecki.knuuut.de oder auch auf http://minidecki.evangelisch-meckenheim.de Ich werde übrigens am 31.10.2015 um 18.00 Uhr in der Friedenskirche in Meckenheim entpflichtet und verabschiedet. Seit 1.9.2015 habe ich eine neue Pfarrstelle als Gefängnisseelsorger in der JVA Euskirchen übernommen. Das ist auch der Grund, warum hier augenblicklich nichts erscheint. Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern.

Scheiden tut weh

Manchmal in diesen Tagen beschleicht es uns. Wir nehmen heimlich oder offen Abschied von den letzen schönen, sonnigen Tagen. Wir stellen uns ein auf rauhere Witterung. Wir werden im Einkaufsmarkt angehalten Lebkuchen und Printen zu kaufen. Und einige Weihnachtsmärkte haben schon seit drei Wochen geöffnet. Haben wir es vielleicht verlernt Abschied zu nehmen? Meist fängt gibt es diesen Punkt im Spätsommer, wenn die Luft auf einmal nach Herbst riecht. „Das wars dann wohl“ denke ich wehmütig. Doch im Hinterkopf lauert die Hoffnung auf eine Verlängerung des Sommers: Vielleicht im Herbst doch noch einmal in den Süden. Dem Herbst entfliehen, den Sommer verlängern… Fängt es damit schon an, dass wir Abschied nur schwer nehmen können? Auch am Bahnhof, wenn der ICE einfährt und Menschen ein- und aussteigen hat sich der Abschied verändert. Durch getönte Scheiben kann man kaum noch erkennen ob jemand richtig den Zug auch bestiegen hat. Kein zu öffnendes Fenster, kein Händehalte bis der Zug anfährt. Kein letztes Nachrufen eines „AUFWIEDERSEHEN“. Stattdessen die Geste ans Ohr: Wir telefonieren! Ist das wirklich nur eine banale Alttagsbeobachtung oder spiegelt sich darin schon unser Verdrängen notwendiger …