Alle Artikel in: Predigt

Ladekabel, Monster, Chips und Ps139

Es ist Dienstag 17.00 Uhr. Ich betrete den großen Konfirmandenraum. Nein, halt, es ist 17.07 Uhr und ich betrete den Konfirmandenraum. Vor mir: 18 Jugendliche mit gefühlten 24 Smartphones! Es gibt kein Verbot, solange sie während der nun folgenden Stunde nicht angerührt werden. Das klappt. Mal mehr mal weniger. Dann lasse ich das Kollektenkörbchen rumgehen und habe danach eine ansehnliche Mobile Kollekte. Allerdings nur als Leihgabe. Es fällt sichtbar schwer sich von diesem „Körperteil“ zu trennen. Zu wichtig, was dort auf dem Display passiert. Zu viele Möglichkeiten sich mit ein und demselben Gerät zu entspannen und Spannung zu erzeugen, indem man und auch frau Nachrichten in die weite Welt sendet. Aber wehe! Wehe der Akku steht bei 3%. Panik bricht aus. Schweissnasse Hände drohen das Gorillaglas beschlagen zu lassen. „Hat jemand ein Ladekabel für ein… dabei?“ Meistens wird verneint, dann ist kurzzeitig Ruhe, jedenfalls bis die nächste Steckdose bereit ist die nötige Energie herzugeben.

Predigerinnen auf der re:publica

Ja, es gibt sie, die Predigerinnen und Prediger auf dem größten europäischen Internet Kongress, der in diesem Jahr auch hier und da als „Messe“ bezeichnet wurde. Auch wenn damit nicht die gemeint sind, die sonst auf Kanzeln anzutreffen sind. Derer war nur eine Hand voll anwesend. Und dennoch wurde „gepredigt“. Z.B. von Constantin Seibt. Seine Session erinnerte gelegentlich an die Klagelieder Jeremias, dem Propheten, der unter seinem Auftrag litt, wie kein zweiter. Er wird auch oft den Eindruck gehabt haben, dass sie ihm die „Kanzel unter dem Hintern weggezogen“ haben, als er forderte doch endlich „Haltung“ zu zeigen, statt sich in oberflächlichen Kleinigkeiten des Lebens zu ergehen. Keineswegs ein Klagelied stimmte dagegen Sarah Spiekermann an, die für die Entwicklung einer „ethischen Maschine“ eintrat. Psalm 8,6 wurde von ihr zitiert, wenngleich ohne Quellenangabe 😉

Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers

Morgen geht es um Johannes den Täufer. Bärtiger Typ in Kamelhaarjacke, Heuschreckenvertilger und Honigliebhaber. So steht er vor meinem inneren Auge. Doch halt: Der ausgewachsene Mann ist in der Geschichte ein Kind. Nocht nicht geboren, noch im Mutterleib. Und es geht um seinen Namen. Er soll Zacharias jr. heißen, wie der Senior, in der Erzählung den eine temporäre Stummheit und auch Taubheit überfällt. Ein ungeborenes Kind und ein gehörloser Greis künden davon „Gott ist barmherzig“ -Johannes. Sein Name ist Programm. Dass Gott eine Schwäche für Schwachheit hat verdeutlicht einmal mehr der Kontext. Unmittelbar vor dem Abschnitt über die Geburt des Täufers singt auch Maria (die Mutter Jesu) ihr Lied: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit. (LK1,52-55) Und: Wieder einmal steht ein Lied der Freude am Anfang des Eingreifens Gottes. Maria besingt den kommen Retter so, wie …

Predigt über Jesaja 50,4-9

Ich habe es nötig, es würde mir gut tun, ihnen vielleicht auch. Ja, ich meine es wäre gut für alle, wenn sie kommen würden. Sie die guten Nachrichten. Seit einigen Jahren gibt es Nachrichtenkanäle, die sich darauf spezialisiert haben nur gute Nachrichten zu senden. Eine Stunde täglich nur gute Nachrichten! Nur gute Nachrichten am laufenden Band. Das täte gut, das wäre ein notwendiges Gegengewicht gegen alles, was an schlechten Meldungen über die Sender und durch die Zeitungen rauscht. Aber, was sind eigentlich gute Nachrichten? Ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit Niederschlag ist dem Landwirt evtl. willkommen, dem Badeurlauber dagegen wohl weniger. Ist das nun gutes oder schlechtes Wetter? Eine ausgleichende ausgesprochen gute Nachricht wäre auch im Blick auf den Predigttext wünschenswert. Denn dort spricht jemand, dem es so geht, wie tausend anderen auch. Dem Sprecher geht es ausgesprochen schlecht: Er wird geschlagen, auf den Rucken und die Wangen, und er wird bespuckt.

Predigt über Jeremia 9, 22+23

Dank Spotlight lässt sich auf dem Mac die gesamte Festplatte schnell durchsuchen. Normalerweise mache ich das selten. Doch jetzt war ich fest davon überzeugt irgendwo müsse es noch eine Predigt von mir zu Jeremia 9,22 geben. Und tatsächlich, war in die Untiefen der alten Atari 1040ST Daten eine Predigt zu finden. Aus dem Jahr 1994. Auch wenn ich heute nicht mehr so predige (das war das erste Jahr in der Zeit des Vikariats) dachte ich: „Probiers doch mal mit einem alten Hund“. Und: Siehe da, die Rückmeldungen darauf waren so zahlreich, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht sollte ich zu meinem „alten Predigtstil“ zurückkehren? Hier nun die leicht überarbeitete Version (die dicksten alten Hunde sind schon rausgekürzt) 😉 „Sparen, liebe Gottesdienstgemeinde, sparen lautet das Motto der Stunde. Überall muss gespart werden. Öffentlich wie Privat, Staatlicht wie kirchlich. Auf allen Ebenen, vom Land oder Ministerium bis zum kleinen Betrieb von der Landeskirche bis zur einzelnen Gemeinde. Und das schon seit Jahren. Etliche Zahlen erhitzen Finanz- und Haushaltsausschüsse, eine Flut von Daten hält Presbyterien in Atem. Nein, …

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

Noch jung der Vorsatz. Wenige Stunden erst. Vielleicht Tage oder Wochen schon. Doch ab heute zählt’s. Es geht los. Der Vorsatz gilt. Die Strategie ist klar. Die Ziele sind gesetzt. Wohl dem, der das schon mal geleistet hat. Denn dann ist Orientierung gegeben und für Umsetzung gesorgt. Starke Leistung, wer dazu in der Lage ist: Ziele formulieren, Pläne machen. Und wenn es gut gelingt sogar die Strategien zu Selbstüberwindung mit einbauen. Dann geht es in großen Schritten auf das Ziel zu. Grandios. Da kann man und Frau nur sagen Hut ab. Applaus. Doch: Das Jahr ist jung. Der Kalender noch unbeschrieben, aber die Ahnung, dass alles so unberührt, so chancenreich und mit völlig offenen Möglichkeiten vor mir liegt, ist in Wahrheit wirklich nur eine Ahnung. Und diese Ahnung bleibt. Sie hängt gewissermaßen schon als Begleitfaktor mit über dem neuen, noch jungen Jahr. Schnell ist manchmal verflogen, was kraftvoll begann. Und Biblische Weisheit geht in den Volksmund über: „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.“ So schleicht er sich ein dieser Gedanke. So mischt er …

Das besondere „Gefühl an Weihnachten“

Lieder haben es in sich! Weihnachtslieder allzumal! „Es stellt sich ein besonderes, unverwechselbares Gefühl ein; das verliere ich nie. Die Weihnachtslieder tragen mich jedes Jahr wieder in der Erfahrung des Besonderen“; so beschreibt ein Prominenter sein Empfinden. Selbst ein „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus dem dumpfen Lautsprecher eine Kinderkarusells gehört wohl auch ein wenig zu diesem „Besonderen“. An Weihnachten ist das Besondere, dass es eine scheinbar identische Situation gibt. Eine identische Situation die sich gleichwohl jährlich wiederholt. An Weihnachten klingt in uns an, was wir sonst immer meiden, weil es nämlich leicht langweilig wird; an Weihnachten suchen wir das Besondere im Identischen. Das Besondere im Identischen? Erklärt das dieses besondere unverwechselbare Weihnachtsgefühl? Geht es nicht genau darum, diesem Weihnachtsgefühl nachzuspüren? Es für mich fruchtbar zu machen, als eine Botschaft, als eine Lebenshaltung, die weit über diesen Heiligen Abend hinausreicht? Eben das Besondere im identischen zu entdecken? Das nun freilich schafft man nicht so leicht. Man und frau muss es sich vornehmen und wollen, dann kann so etwas gelingen: -Dass ich mich neu sehe. Meine Person in neuem Licht. -Dass …