Alle Artikel in: ekirSpot(t)

Luther-Kondome: So geht’s auch nicht!

Freitags in der Kneipe. Mann trinkt Kölsch, Rheinland halt, nicht Düsseldorf. Ab Mitternacht fällt auf, dass der Pfarrer auch noch in der Runde sitz. Also Themenwechsel: Vom Kölsch, zu Kirche, von Kirche zu katholisch, von katholisch zu Kondom. Ein Grund, warum ich selten in die Kneipe gehe, denn leider ändert auch die Biersorte nichts am Gesprächsverlauf. Bald könnte das anders werden, denn die Evangelische Kirche im Rheinland (ekir.de) hat sich entschlossen Kondome aus dem Verkehr zu ziehen. Offenbar schmeckten die Luthergummis nicht jedem. Demnächst sitzen wir also beim Alt-Bier und diskutieren über Presbyterium, Präses und Präservative. Offenbar will die rheinische Kirche es so, denn gestern hat sie ein Video hoch geladen das nun auf YouTube steht. Einen Streisand-Effekt fürchtet sie offenbar nicht, es sei denn, sie wüsste nicht was das ist, oder aber der OKR (Oberkirchenrat) wollte es so, gegen besseres Wissen seiner Abteilung Kommunikation-Internet. Doch zum Video selber: Es lohnt sich tatsächlich bis zu Ende zu schauen und den Ton einzuschalten, denn Untertitel fehlen. Als der OKR das Kondom nämlich von seiner Verpackung „befreit“ …

Kirche kann nicht sterben lassen.

Im letzten Artikel ging es um die Angst der Ortsgemeinde vor Veränderung bzw. vor Bedeutungsverlust. Die folgenden Beobachtungen sind Variationen des Veränderungs-Themas: Nehmen wir einmal an eine junge Pfarrerin* nimmt ihren ganzen Mut zusammen, um das im Vikariat erlernte und erprobte in die Gemeindearbeit einzubringen. Nehmen wir weiter an, sie widmete ihre Aufmerksamkeit dem Gottesdienst: Neue Formen will sie entwickeln, ohne bewährte aufzugeben. Das Presbyterium ist begeistert, schließlich stand diese Formulierung schon in der Stellenausschreibung bei der Besetzung der Pfarrstelle. Ein Zusatz-Gottesdienst muss also her: Andere Uhrzeit, anderer Ort, weil das Kirchenzentrum (und alle Mitarbeitenden) ausgelastet sind. Wenn die junge Kollegin Glück hat sagt man ihr: „Machen Sie mal!“, oder es entspinnt sich eine Diskussion, ob dazu ein Beschluss gefasst werden muss. (Nur am Rande: Muss nicht!) Die Pfarrerin darf machen, geht in eine kleine katholische Kirche am Rande der Stadt, die oft leer steht aber sehr schön ist. Ihre Gottesdienstgestaltung kommt gut an, sie hat einige Menschen gefunden, die gemeinsam mit ihr den Gottesdienst vorbereiten, Konfession spielt eine untergeordnete Rolle, alle sind zufrieden. Der …

Die Angst der rheinischen Parochie

Kaum fordert der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland (ekir.de) ergänzende Angebote zu parochialem Handeln, setzt reflexartig die Ermahnung ein nur ja die Ortskirchengemeinde nicht zu vergessen, wie „langweilig und durchschnittlich sie auch sein mag.“ (Zitat des Synodalen im unteren Tweet) Und das, obwohl Rekowski mehrfach in seinem Bericht betont, wie wichtig der Kontext vor Ort sei und wie wenig Notwendigkeit er von Seiten der Kirchenleitung in Düsseldorf sehe zentralistisch einzugreifen. Auch auf der Ebene darunter (Kreissynode) verhält es sich nicht anders. Aus Sicht der Ortskirchengemeinde ist alles verdächtig, was jenseits des eigenen Kirchturms institutionell etabliert werden soll. Angesichts des sich wiederholenden rheinischen Rituals kann sich schon die Frage stellen, ob die presbyteriale-synodale Ordnung unserer Kirche wirklich eine gute Ordnung ist. Präses Manfred Rekowski hat in seinem Bericht auf der Landesynode 2017 in Bad-Neuenahr von einer „ziemlich“ guten Ordnung gesprochen. Diese Ordnung sei deswegen „ziemlich gut“, weil wir uns „gemeinsam bewegen lassen und darauf vertrauen, dass Gottes Geist wirkt und so die Kirche und die Welt verändert.“ Auf dem Weg der Veränderung nennt der Präses …

Kirchliche Social Media in hektischen Zeiten

In einem früheren Beitrag hatte ich die kirchlichen Social Media Aktivitäten nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin kritisiert. Das ganze mündete in einer Art Predigt, was zu Missverständnissen führte. Darum hier noch einmal eine Zusammenstellung der Punkte, auf die es mir ankam: -Der Zeitpunkt: Noch bevor klar war, was überhaupt passiert ist, wurde auf der Facebook-Seite der evangelischen Kirche im Rheinland ein Fürbitten Gebet veröffentlicht, das auch schon bei dem Anschlag in Nizza gepostet wurde, wenngleich mit dem Hinweis, dass noch nicht geklärt sei , was sich zugetragen habe. Der frühe Zeitpunkt wurde mit Blick auf die Stimmung in den sozialen Medien gerechtfertigt. Man habe das beobachtet, was trending topic gewesen sei und darauf entsprechend reagiert. „Wäre die Alternative gewesen zu schweigen?“ –fragt ralpe. Ich meine: „Ja“. Der Verweis auf die Klagepsalmen „der hebräischen Bibel“, in der Menschen die ihnen angetane Gewalt vor Gott bringen, ist ein ungeeignetes Beispiel. Denn der Klagepsalm ist gerade kein „ad hoc-Gebet“ in der aktuellen Notsituation, vielmehr weist sein Aufbau darauf hin, dass ein innerer (vor Gott reflektierender!) …

Micha 5,1-4 statt Hashtag-Keule

Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede. Das kann –seit Martin Walser-nicht gut gehen. Zu verstrickt die Debatte, wenn es um ein „Wegschauen“ geht. Seitdem gilt: „Wegschauen“ ist nicht mehr. Stattdessen ereilt uns die Hashtag-Keule wie Salz in offener Wunde. Die Stimmen, die eine „geistliche Rettungsgasse“ freihalten wollen sind selten. Wer als erster #prayforXXX brüllt, gilt als am Puls der Zeit. Ich möchte das nicht. Gaffern gleich wälzt sich die News-Desk-Redaktion durch den Stream. Flugs ein gepostetes Bildchen zur Anteilnahme und das Fürbittengebet aus der Cloud, schnell noch eine virtuelle Kerze auf einer Gedenkseite entzündet, fertig. Der gekommen ist zu heilen, was zerbrochen ist, hat so keine Chance. Der Krummes gerade macht und zu Ende bringt, was abgebrochen erscheint, hat keinen Platz. Nachgedacht über den, der unscheinbar begann und unspektakulär beseitigt wurde, über den von dem dann behauptet, und erst recht geglaubt wurde, dass er es sei, der den Kreislauf der Bedeutungslosigkeit durchbrochen habe und damit etwas wahrhaft Neues begonnen hat? Kein Platz in der Herberge! -Wie, so fragen Christen, soll man in einer Welt leben, die …

Kirche!

„Mein Bild von Kirche“ oder auch welche „Vision von Kirche“ habe ich? In unzähligen Runden meines Berufslebens wurde dieses Thema hin und her gewälzt. Um es vorweg zu nehmen: Der Erfolg ist mäßig. Ich kann nicht erkennen, dass sich an kirchlicher Praxis einschneidendes geändert hat. Irgendwann steht man im Basisgremium (Kirchenvorstand/Presbyterium) vor der Frage, was wünschbar wäre und was machbar ist. Meistens wird dann die Formel bemüht „Bewährtes erhalten und Neues wagen“. Leider ist dieses Konzept zum Scheitern verurteilt, denn die Kapazitäten reichen oft nur bis Erhaltung aller wichtigen Dinge, die man als Gemeinde so veranstaltet. Und da der eine diese und die andere jene Dinge für wichtig erachtet, ist schlussendlich „alles“ wichtig und erhaltenswert. „Neues“ birgt die Gefahr der Veränderung, die meistens als bedrohlich empfunden wird und setzt es sich tatsächlich einmal durch ist es oft der Beharrlichkeit einer einzelnen Person zu verdanken. Das klingt, als könne man getrost auf Visionen von Kirche verzichten. Doch so einfach ist das Thema dann doch nicht von der Tagesordnung zu bekommen, weil im Wesen der Kirche die …

Digitale Souveränität gewinnen

Unter diesem Motto findet morgen in Köln ein Studientag der Evangelischen Kirche im Rheinland statt. Grund genug einige Punkte aufzuzählen bei denen man nicht auf die Kirche warten muss, sondern selbst tätig werden kann: Auf Facebook verzichten. Oder wenigstens einen separaten Browser benutzen, damit beim Surfen  nicht alle Webseitenaufrufe protokolliert werden. (Die Alternative „ausloggen“ ist keine Alternative.) Auf WhatsApp ganz verzichten und stattdessen Signal oder Threema verwenden. Beim Smartphone Cyanogen als Betriebssystem nutzen, oder ein Ubuntu-Fon. Einen PC mit Tails im Haus bereitstellen, falls man der Süddeutschen Zeitung mehrere TB an Daten zur Verfügung stellen möchte 😉 Alternative Suchmaschinen wie Startpage oder Duckduckgo benutzen. Statt iCloud oder Google Drive Owncloud verwenden oder das neue Portal der ekir nutzen. Keine Urlaubsbilder Backup bei Amazon oder Google, auch wenn (oder gerade weil) es kostenlos ist. Mails verschlüsseln, oder einen sicheren Anbieter wie ProtonMail auswählen. Geld für eine VPN-Verbindung bei TunnelBear oder einem anderen Anbieter zahlen. Als Familie oder Kirchengemeinde über die Anschaffung eine Protonet-Servers nachdenken. Immer daran denken, dass der Unsicherheitsfaktor vor der Maschine sitz.   Just my …