Alle Artikel in: ekir Facebook „Periskope“

Streichholz

Nicht müde werden. Erneuerung zulassen.

foto: sxc.hu „Was den Zustand der Welt angeht, sehe ich -ehrlich gesagt- schwarz. Besonders nach den Ereignissen im letzten Jahr. Und dieses Jahr ging es schon genauso weiter“ – entfuhr es einer Synodalen der #LS2016 bei der Kaffeepause. Der helle Schein, von dem der Predigttext für den kommenden Sonntag redet, ist ihr mehr als fraglich geworden. Wer wollte es ihr verübeln? Bringt die These des Apostels Paulus, dass „durch uns Erleuchtung zur Erkenntnis Gottes“ gesehen soll, nicht einen enormen Druck? Zumal es auch noch um die „Herrlichkeit Gottes“ geht, die wir doch eher vermissen, denn vollmundig bekennen? Der Abschnitt aus dem 2.Korintherbrief will aber zu Ende gelesen werden. So erfahren wir, dass die Herrlichkeit Gottes eben keine gleißend, strahlende ist, die alle Dunkelheiten vertreibt. Im Gegenteil! Die christliche Sicht auf die Erfahrungen in der Welt werden gedeutet mit Blick auf das „Angesicht Jesus Christi“. Und das ist zunächst eins von wenig Glanz. Entbehrung, Not und Leid liegen auf diesem Gesicht und wir „tragen das Sterben Jesu allezeit an unserem Leibe“. Wer, wenn nicht die Getauften, könnte …

„Ewiges Leben“ – ein Erklärungsnotstand

Schnelle und einfache Antworten sind gefragt, besonders dann, wenn es kompliziert zugeht. Da mag man dem Predigttext aus dem 1.Johannes Brief mit Nachsicht begegnen, immerhin versucht er sich in der Beantwortung der Frage, wie sich Gottes Ewigkeit zu unserem Leben verhält. Da wir unser Leben nicht ohne das Vergehen von Zeit betrachten können, kommt eine Rede vom „ewigen Leben“ in Erklärungsnot. Was für die Rede von Gott als unverzichtbar erscheint, wird in der Übertragung auf den Menschen unvereinbar: Gott ist ewig, wir sind endlich. Gott ist im Himmel, der Mensch auf Erden. Hätten wir nicht gerade noch die Weihnachtsbotschaft im Ohr, dass Gott Mensch wird, würden wir dem vorbehaltlos zustimmen. So aber hören wir, dass Zeit und Ewigkeit einander nicht ablösen und auch nicht auseinander fallen. Wir hören es als Verheißung, die sich erfüllt hat und die sich im Glauben als wahr erschließt. Der Ort eines „ewigen Lebens“ ist darum dort, wo sich Bindung an den Mensch gewordenen Gott ereignet. Wer schnell und einfach antworten will, sagt dann auch Sätze wie: „Wer den Sohn hat, der hat …

Religion, Privatsache? Joh. 15,26

Photo Credit: nchenga via Compfight cc „Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen Bundeskanzlern. Weniger indes von Kanzeln. Woran liegt das? Zweifelsfrei am morgigen Sonntag! Denn der Predigttext bereitet gewissermaßen vor, dass des Evangelium nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern hinaus in die Welt soll: „Ich werde euch den Tröster senden, den Heiligen Geist, der Zeugnis geben wird von mir, aber auch ihr sollt meine Zeugen sein“. Joh.15,26 Hier werden persönliche Glaubensgewißheit und öffentliche Verkündigung als ineinander verschränkt und aneinander gekoppelt, verstanden. Die persönliche Überzeugung bleibt nicht privat. Was es mit Leben und Tod, Liebe und Hoffnung, Schuld und Verzweiflung auf sich hat, kann man nicht mit sich selbst ausmachen. Denn auch der „Tröster“ ist nicht individueller Besitz, sondern kollektives Geschenk. Mehr davon an Pfingsten, dem Tag der Abschaffung der Privatsache. Auch auf Facebook zu lesen 🙂 : Periskop über Joh.15,26-16,4 am 17.5.2015 (Exaudi)„Religion ist Privatsache“ Oft zu hören, nicht nur von ehemaligen… Posted by Evangelische Kirche im Rheinland on Samstag, 16. Mai 2015

Einfach bitte, bitte sagen. Joh. 16,23-28

foto: sxc.hu Einfach bitte, bitte sagen und es geschieht. Das wäre schön. Immer. Die Erfahrung sagt aber etwas anderes. Nicht jede Bitte wird gewährt, viele werden ausgeschlagen. Das ist auch nicht anders, wenn es um die Bitte in Form eines Gebetes geht. Manch einer wird sagen: „Na, da doch erst recht! Der liebe Gott, macht doch, was er will.“ Folgen wir dem Evangelisten Johannes im Predigttext für den morgigen Sonntag kommt es allerdings ganz anders: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.“ (V23) Ein riskanter Satz, der da Jesus in den Mund gelegt wird. Riskant, weil das naive Missverständnis jedweder Wunscherfüllung befeuert wird. Und riskant, weil die christologische Zuspitzung („in meinem Namen“) folgenlos überhört werden kann. Dabei ist das christliche Bittgebet, der Dreh- und Angelpunkt jeder theologischen Überlegung. Denn in diesem Gebet lassen wir uns auf die Gemeinschaft Jesu mit Gott so ein, dass wir sie zugleich an uns geschehen lassen. Beten ist daher bitten um dieses Geschehen-Lassen und staunend vor dem stehen, was Gott für mich …

Erfolg und Mißerfolg

Auch den Misserfolg loben. Mt.11-25-30

foto: sxc.hu Manchmal ist auch der Mißerfolg zu loben. Dazu gehört Mut. Wenn auch noch Weisheit abgewertet wird und Unmündigkeit als Gewinnerin erscheint, ist allerdings Stirnrunzeln angesagt. Erst recht, wenn die Empfehlung von Jesus selbst gegeben wird. Doch damit nicht genug: Der Evangelist Matthäus mag es gerne noch etwas spezieller. Nach einem kurzen Ausflug in die Gotteslehre (V27) folgt unvermittelt der sog. „Heilandsruf“ V28: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ und die Einladung in der Nachfolge Christi Ruhe zu finden. Dabei kann der Evangelist auch zugespitzter formulieren. Was er eigentlich sagen will ist schon zwanzig Verse vorher zu finden: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden auferweckt, und den Armen wird ´Gottes` gute Botschaft verkündet.“ (11, 5) Noch griffiger formuliert das Markusevangelium: „Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nicht hineinkommen.“ (10, 15) Die rettende Gegenwart Gottes in seinem Sohn erschließt sich nicht durch dessen geniales Gottesbewusstsein, sondern durch seine unumstößliche Bereitschaft alles von ihm zu empfangen. Wer empfängt, …

Mit Joh. 15 um die Ecke gedacht.

Photo Credit: s.r.shemul via Compfight cc Der morgige Sonntag trägt den schönen Titel „Jubilate“- Jauchzet, frohlocket und ist dem Psalm 66 entnommen. Beim dazu gehörigen Predigttext aus dem Johannes Evangelium, muss man schon etwas um die Ecke denken, um die kirchenjahreszeitliche Thematik zu ergründen.  Jesus bezeichnet sich als „Weinstock“, seine Jünger sind die „Reben“. Die Rede ist eingebettet in vier Kapitel des Evangeliums die sogenannten Abschiedsreden. Eigentlich liegt die Passionszeit hinter uns, jetzt schon wieder Abschied? Etwas Klarheit bringt der Wochenspruch: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5, 17) Schließlich wird auch noch die Schöpfungsgeschichte aus 1.Mose 1 als alttestamentliche Lesung zu Gehör gebracht. Tenor ist: Durch die Auferstehung Jesu ist alles neu geworden! Gerade so, wie zu Zeiten der Erschaffung der Welt. Heute soll entdeckt werden: Ihr seid dabei! Die Auferstehung ist nicht allein Gottes Handeln an Jesus. Gott will Euch viel mehr dabei haben. Wie Zweige zieht Ihr Euren Lebenssaft aus diesem Stamm. Darum freut euch, singt, trällert, lebt! Und denkt …