Autor: knuuut

Micha 5,1-4 statt Hashtag-Keule

Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede. Das kann –seit Martin Walser-nicht gut gehen. Zu verstrickt die Debatte, wenn es um ein „Wegschauen“ geht. Seitdem gilt: „Wegschauen“ ist nicht mehr. Stattdessen ereilt uns die Hashtag-Keule wie Salz in offener Wunde. Die Stimmen, die eine „geistliche Rettungsgasse“ freihalten wollen sind selten. Wer als erster #prayforXXX brüllt, gilt als am Puls der Zeit. Ich möchte das nicht. Gaffern gleich wälzt sich die News-Desk-Redaktion durch den Stream. Flugs ein gepostetes Bildchen zur Anteilnahme und das Fürbittengebet aus der Cloud, schnell noch eine virtuelle Kerze auf einer Gedenkseite entzündet, fertig. Der gekommen ist zu heilen, was zerbrochen ist, hat so keine Chance. Der Krummes gerade macht und zu Ende bringt, was abgebrochen erscheint, hat keinen Platz. Nachgedacht über den, der unscheinbar begann und unspektakulär beseitigt wurde, über den von dem dann behauptet, und erst recht geglaubt wurde, dass er es sei, der den Kreislauf der Bedeutungslosigkeit durchbrochen habe und damit etwas wahrhaft Neues begonnen hat? Kein Platz in der Herberge! -Wie, so fragen Christen, soll man in einer Welt leben, die …

Jesaja 43,1 Worte, die verändern

Worte gibt es mehr als genug. Täglich begleiten sie uns. Dem Eindruck, dass sie immer mehr werden, können wir uns nicht entziehen. Oft jedoch laufen sie ins Leere oder wiederholen sich sogar. Worte, die verändern, die wären was. Die wären eine Kostbarkeit. Ein solches Wort findet sich in der Bibel, beim Propheten Jesaja: „So spricht Gott der Herr, der dich geschaffen hat und der dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Jesaja 43,1 Warum dieses Wort eine Kostbarkeit ist? Zunächst radiert es die Buchnummer aus. Bei Gott zählt nicht als wer/was ich geführt oder gebucht werde. Menschen als Nummern, das gibt es bei Gott nicht! Der Zugang und zu ihm geschieht einzig und allein aufgrund unseres Namens. Mit diesem Namen müssen wir uns aber nicht etwa bei ihm „anmelden“ und er fragt uns auch nicht nach unserem Passwort. Im Gegenteil: Die Kontaktaufnahme geht von ihm aus. Er ruft an. Er nennt dich bei deinem Namen und spricht dich als den an, …

Kirche!

„Mein Bild von Kirche“ oder auch welche „Vision von Kirche“ habe ich? In unzähligen Runden meines Berufslebens wurde dieses Thema hin und her gewälzt. Um es vorweg zu nehmen: Der Erfolg ist mäßig. Ich kann nicht erkennen, dass sich an kirchlicher Praxis einschneidendes geändert hat. Irgendwann steht man im Basisgremium (Kirchenvorstand/Presbyterium) vor der Frage, was wünschbar wäre und was machbar ist. Meistens wird dann die Formel bemüht „Bewährtes erhalten und Neues wagen“. Leider ist dieses Konzept zum Scheitern verurteilt, denn die Kapazitäten reichen oft nur bis Erhaltung aller wichtigen Dinge, die man als Gemeinde so veranstaltet. Und da der eine diese und die andere jene Dinge für wichtig erachtet, ist schlussendlich „alles“ wichtig und erhaltenswert. „Neues“ birgt die Gefahr der Veränderung, die meistens als bedrohlich empfunden wird und setzt es sich tatsächlich einmal durch ist es oft der Beharrlichkeit einer einzelnen Person zu verdanken. Das klingt, als könne man getrost auf Visionen von Kirche verzichten. Doch so einfach ist das Thema dann doch nicht von der Tagesordnung zu bekommen, weil im Wesen der Kirche die …

Synodenbericht zur Gefängnisseelsorge

Seit einer viertel Stunde steht er in der prallen Sonne. Es ist über dreißig Grad an diesem Tag im August. An seinem karierten Hemd ist ein Schildchen angesteckt.: „Besucher“ ist darauf zu lesen. Für Walter* ist es ein besonderer Tag. Er will noch einmal an den Ort seiner Jugend. Walter ist inzwischen 86 Jahre alt geworden. Baseball Kappe auf dem Kopf, Bermuda und Sandalen. So steht er aufgestützt auf zwei Walking Stöcken auf dem Eingangsgelände der JVA. Er wolle sich das Gelände noch einmal ansehen, ob das möglich wäre, hatte er an der Pforte gefragt. Durch ein Missverständnis hatte man ihm Einlass gewährt. Für einen ehemaligen Beamten hatte man ihn gehalten und bei mir angefragt, ob ich mit ihm einen Rundgang über das Gelände machen könne. Ich strecke Walter zur Begrüßung die Hand entgegen und greife in einen Fahrradhandschuh. Wir gehen los. Er kennt die Wege besser als ich, der erst seit einem knappen Jahr in der Anstalt als Gefängnispfarrer arbeitet. Von 1945-1952 sei er hier gewesen erzählt er, während wir uns mit kleinen Schritten …

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Ausstieg aus Facebook?

Photo Credit: Visual Content Flickr via Compfight cc Stichworte zum #bckirche am 24.9.2016 in Köln: Werbung, Tracking, Targeting -Sind notwendig, weil wir nicht mit Geld, sondern mit Daten bezahlen wollen. -Sind bequem, weil wir Angebote, Nachrichten, Trends gerne personalisiert nutzen. Tracking findet auch dann statt, wenn man nicht eingeloggt ist. -Daher sollte man einen Browser nur für Facebook „reservieren“ und einen anderen für „normales“ Surf-Verhalten nutzen. Das ist unkomfortabel, aber zweckmäßig. -Die Weitergabe der Mobilfunknummer durch Whatsapp an Facebook ist mehr als eine AGB Änderung. -Firmen werden in die Lage versetzt eindeutig personalisierte Werbebotschaften abzusetzen. -Das gilt folglich auch für das Targeting auf Fremdwebseiten. -Mobilfunkanbieter wollen ebenfalls am Datenbusiness teilnehmen und z.B. Standortdaten verkaufen(z.B. Telefonica). -Zusätzlich werden Mobilfunkdaten mit soziodemographischen Daten angereichert (z.B. Zeotap) . Ergebnis: Beim Gang durch die Fußgängerzone werden in Zukunft keine Rabatt-Anzeigen mehr zu sehen sein, stattdessen Push-Nachrichten auf das Handy mit Produkten, die uns Kunden garantiert interessieren und die wir eher zu kaufen bereit sind. Die offene Kommunikation im Internet ist bedroht, weil es unmöglich geworden ist sich anonym/pseudonym im …

Das Luther-Mem

Da stehst du nun, du kleines Männchen. Putzig in Plastik auf jedem Schrank derer, die predigen von den Kanzeln, dass das Wort Fleisch geworden sei. Fleisch! Nicht eingeschweißt in Folie; portionsgerecht verpackt, häppchengleich. Das hätte dir nicht gepasst, der du gerne trankest und aßest und aus dessen Arsch gern ein fröhlicher Furz quwoll. Quell des Lebens nach dem der Hirsch lechzt. Stern auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh… Das wolltest du, dass wir es sehen und uns freuen an IHM, der alle Wunder tut und alle Wunden heilt. Kein Hansa Plast auf aufgeschürfter Haut, welches verdeckt das Blut das wir trinken und Fleisch, das wir essen: „Hoc est corpus meum“ in Zeit und Ewigkeit. Für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet. Erstickungsgefahr! Da stehst du nun und kannst nicht anders als durch Blister gedrückt auf die Reise zu gehen. Ausverkauft nach 72 Stunden. Mit Bonbons und Socken im Gepäck, die deinen Namen tragen. Das mit „sub contraio specie“ hattest du dir anders vorgestellt. Wenngleich: Der Kirchenmann als Kinderspielzeug ist ebenso absurd wie …

Socken, und Bonbons -Protestantismus für Kinder

Ob Peter Hintze an der Einführung der Luthersocken („Deutsche Luthersocke – ‚Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.’Gr. 23-26, Kinder; rubinrot, türkis; EUR 5,50 brutto“) beteiligt war, ist nicht bekannt. Erfahrung mit Sockenkampagnen hätte er immerhin. Kurz vor dem Reformationsjubiläum 2017 nimmt die Gadget-Flut mit dem Konterfei des Reformators kein Ende. Ob Lutherbonbons, Lutherol, Lutherbier oder Plastik Püppchen, D. Martinus könnte es locker mit Jürgen Klopp als Werbeträger aufnehmen. Eigentlich warte ich nur noch auf die Erasco Werbung für Dickebohnensuppe („Das Gute daran ist das Gute darin“) mit dem Slogan „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ -aber das wäre vermutlich doch zu deftig. Indes: Die Marketing Abteilungen der verschiedenen Kirchen stricken an weiteren Produkten. Neuster Renner Lutherkaffe, „markant, kräftig, vollmundig“. Eine Mischung, die nicht jedem schmeckt, daher auch im Angebot die Mischung „Katharina von Bora“, die -kein Scherz, leider- „besser verträglich und für viele Gelegenheiten geeignet“ sei. Darauf für den Mann erst mal ein Lutherbier! Die Frauen müssen auf den „Katharina-Aperol-Spritz“ noch warten! Was lernen wir aus alledem über den Protestantismus? Offenbar ist die …