Autor: knuuut

Bikini

Die Bikini-Kirche

Als ich gestern von einer „Bikini-Kirche“ las, dachte ich zunächst an eine Veranstaltung auf dem Kirchentag (DEKT), die ich im Programm vielleicht übersehen habe. Man übersieht ja sowieso viel im Programm und wundert sich auch nicht über Veranstaltungen die seltsam anmuten. Warum also sollte es also keine „Bikini-Kirche“ geben? Gut zwei Sekunden später dämmerte es dann aber: Das ist vielleicht doch Sexismus? Um es kurz zu machen, es ging um die neuste Veröffentlichung zur Mitglieder Entwicklung der beiden Kirchen, die erstmals eine Prognose bis 2060 wagt. In vierzig Jahren soll die Mitgliederzahl im Vergleich zu heute um gut die Hälfte gesunken sein. Schuld sei nicht der viel zitierte demographische Wandel, sonder vor allem die verstärkte Austrittswilligkeit der jüngeren Generation. Das sind -im kirchlichen Kontext- Menschen unterhalb eines Lebensalters von vierzig (!) Jahren. Wo es um „Abnehmen“ geht, ist der Bikini nicht weit. Soweit also der -zugegebener Maßen- etwas schlichte Vergleich. Wirklich neu an der Untersuchung ist nur der betrachtete Zeitraum bis 2060. Bisher galt als vermeintliches Schicksalsjahr immer 2030, weil bis dahin nur noch die Hälfte …

Entdecke was kommt!

Entdecke was kommt!

Wenn die Kindheit zu ihrem Ende kommt herrscht Krisenzeit! Wie im Alter unserer 10-12 Jährigen, oder auch bei dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Irgendwann ist es da, das erste Achselhaar, lang ersehnt, oder mit Schrecken plötzlich entdeckt. Je nach dem, was der Bruder oder die Schwester dazu sagt, löst diese Entdeckung eine kleine Krise aus oder einen Glücksmoment. Noch nicht wirklich erfasst, und doch zum Greifen nah: Etwas geht zu Ende, etwas Neues kommt. Krisenzeit. Sie ahnen ja, dass sie ihrer Kindheit nichts mehr hinzufügen können. Sie ahnen an ihrer Kindheit nichts mehr ändern können. Die Kinder merken langsam, oder ahnen zumindest, dass sie ihre Kindheit jetzt verlassen werden. Sie leisten seelische Schwerstarbeit. Es ist eine Zeit, in der die Orientierung abhanden kommt. Und so schleicht sich dann und wann sogar Melancholie in die Stimmung. Das ist eine neue Erfahrung. Auch wenn die Ausbildung zu ihrem Ende kommt ahnen Jugendliche etwas davon, dass sie die Freiheit, den Aufbruch dieser Jahre nicht beliebig verlängern können, sondern Abschied nehmen müssen von der Freiheit, der Offenheit dieser Ausbidlungszeit. …

twitterfalle

„Digitale Kirche“ ein Missverständnis

Die Debatte um #digitalekirche ist beendet. Auch wenn der Hashtag sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Zur Erinnerung: Angefangen hatte es mit einem Printartikel, der viel Beachtung auch außerhalb (digitaler) sozialer Medien fand und darauf hin wiederum intensivere online Aufmerksamkeit erlangte. Nun hat Hannes Leitlein in einem Podcast deutlich gemacht, dass ihm die Debatte manchmal lästig ist. Vor allem, weil die diskutierten Aspekte in alle erdenklichen Richtungen laufen. Dabei war eigentlich etwas ganz banales gemeint: Der nächste Gottesdienst am Sonntag, der bekanntlich an jeder Ecke stattfindet, sollte möglichst schnell und benutzerfreundlich im Internet auffindbar sein. Soweit so schlicht! Und: Weitgehend ungelöst. Aber immerhin ist das Problem erkannt und Ausnahmen sind erfreulicher Weise auch zu finden. Schluss aber mit Debatten über Online-Abendmahl und „Digitale Theologie“ braucht kein Mensch!  Natürlich lassen sich Diskussionen nicht unterbinden. Durch stetige Impulse verändert sich immer wieder die Richtung. Vielleicht ist es Zeit für ein Zwischenfazit. Im Moment tendiere ich zu folgendem: Digitale Kirche ist zu einer Symptom-Beschreibung geworden, dass wir nicht in Kontakt sind mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie beschreibt …

Kronkorken

Vergibt Gott alles?

Er brauche eine ganz besondere Art von Vergebung meint Hartmut. Sein Blick geht stumpf gerade aus durch die Windschutzscheibe des Autos. Er sitzt auf dem Beifahrersitz, müsste eigentlich nur 50m zur Pforte des Krankenhauses gehen, aber er kann nicht. Zu oft ist er im letzten Jahr „eingefahren“ wie er es nennt. Als er endlich mit großer Mühe die Aufnahme erreicht hat, kann er auf die Frage, was er habe, gerade noch „Entgiftung“ sagen, dann verlässt ihn die Kraft. Zu schmerzlich die Erfahrung schon wieder versagt zu haben, zu niederschmetternd die Erkenntnis, dass die Droge größer ist als der Wille. Als Hartmut nach einer Woche Aufenthalt in der Klinik wieder zu klaren Gedanken fähig ist, frage ich ihn, was er denn gemeint habe mit dem Satz, er brauche eine „besondere Vergebung“. Zunächst druckst er rum, gibt vor, sich nicht mehr richtig erinnern zu können. Aber das stimmt nicht, wir haben schon mehrmals über Vergebung gesprochen. Dabei ist rausgekommen, dass Hartmut sich selbst nicht vergeben kann. Dass was er getan hat hält er für so schlimm, dass …

Karneval

Narrenkappe, Babymütze und Schlüsselgewalt

Wir wissen wie es heute ausgeht. Trotzdem sind viele live dabei um den Schaukampf um die Macht mitzuerleben. Oder schauen WDR Fernsehen, wo das Bonn-Beuler Rathaus zum Mittelpunkt karnevalistisch interessierter Öffentlichkeit wird. Wer die Schlüssel hat, hat die Macht. Das wissen nicht nur rheinische Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Aber sie sind bereit sich dem närrischen Gesetz zu beugen und dem Damenkomitee für einige Tage die Herrschaft zu überlassen. Die einen mögen die ironisch inszenierte Brechung der Rollen, die anderen suchen lieber das Weite. Sie finden Karneval ist allenfalls ein Fest für die Kinder. Auch gut, denn jeder Jeck ist bekanntlich anders. Die Bibel beantwortet die Frage wer die Herrschaft hat übrigens eindeutig: Gott hat das Regiment, auch wenn es aussieht als würde er den Schlüssel vorübergehend anderen überlassen haben. Jesus hat in vielen Geschichten von der Gottesherrschaft gesprochen und bei denen, die mit ihm unterwegs waren die Frage provoziert, welchen Rang sie denn in dieser Geschichte einnehmen würden. Bürgermeister müsste mindestens drin sein, -meinten sie. Jesus antwortet aber überraschend: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, …

Aushalten statt Abschaffen

Sie haben Freude am Ausmisten? Beschäftigen Sie sich mit dem Protestantismus, denn der ist „semper“ dabei sich aufgeräumt zu präsentieren! Er hat viel Erfahrung mit Ballast, der unnütz geworden zu sein scheint: Bilder, Heilige, Papst, Tod und Teufel, Plastikverpackungen, Dieselfahrzeuge und Massentierhaltung –alles weg, selbst Kirchentage. Warum nicht auch die Predigt abschaffen? Es ist besser gar nicht zu predigen, als schlecht zu predigen, oder auch umgekehrt. Die alljährliche Diskussion um die Qualität der Weihnachtspredigt ist diesmal schon früh dran. Wer mag kann sich selbst auf Spurensuche begeben und unter #abkanzeln fündig werden oder im eulemagazin die Binnendebatte verfolgen. Erhellende Einsichten wird man dabei vor allem über den Level der Ambiguitätstoleranz innerhalb der evangelischen Kirche erhalten. Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten ertragen können ohne dabei handlungsunfähig zu werden, das könnte zu einem probaten Mittel gottesdienstlicher Gestaltung insgesamt werden. Denn was für die einen unerträgliches „Gebastel“ und „Wildwuchs“ ist, erheben andere gerade zum Programm. Dass Predigt und Gottesdienst eine Zumutung bleiben, ist in Zeiten in denen alles auf den Prüfstein muss, vielleicht sogar nützlich. Wenn es doch nur etwas …

Umkehr, Buß- und Bettag

Warum ist der heutige Tag im Kalender rot?

Das habe ich mich in der letzten Woche tatsächlich auch kurz gefragt. Das zeigt, wie wenig Feiertage ins Bewusstsein treten, wenn sie nicht arbeitsfrei sind und man sich weitgehend im nicht kirchlichen Kontext aufhält. Heute ist Buß- und Bettag ein evangelischer Feiertag, der seit 1994 kein gesetzlicher, sondern nur noch ein kirchlicher Feiertag ist. Abgeschafft wurde er zur Finanzierung der Pflegeversicherung, was allerdings überhaupt nicht geklappt hat. Schon im gleichen Jahr mussten die Beiträge erhöht werden. Wenn man der Besoldungsstelle richtig Arbeit machen will, kann man sich in einigen Bundesländern („zur Ausübung religiöser Pflichten“) von der Arbeit freistellen lassen, muss also keinen Urlaubstag nehmen, allerdings auf Lohn für diesen Tag verzichten. Es sei denn man wohnt in Sachsen dort ist der Feiertag noch gesetzlicher Feiertag. (*Keine Bemerkungen über Sachsen einfügen*) Vor drei Jahren fand sogar erstmalig ein Gottesdienst an dem Ort statt, wo ich jetzt arbeite. Am Buß- und Bettag ein Gottesdienst in einem Gefängnis, das scheint vielen einsichtig, vielleicht sogar geboten. Allerdings hat das kirchliche Wort Buße nichts mit dem juristischen Begriff zu tun …