Autor: knuuut

Kirche im WDR

Ein Herz für Streuner

Mein Nachbar glaubt jetzt an Gott. Also an eine höhere Macht. Also eigentlich an etwas, was größer ist als wir, aber dafür einen Plan hat. So hat er es mir gestern jedenfalls erzählt. Und das kam so: In unserer Gegend gibt es einen streunenden Kater und der Nachbar kümmert sich drum, denn er ist schon sehr alt. Also der Kater und der Nachbar übrigens auch. Vielleicht verstehen die beiden sich deswegen so gut. Jedenfalls darf der Kater beim Nachbarn kommen wann er will und auch wieder gehen so lange er will. Beiden ist diese Freiheit wichtig. Das gefällt nicht allen in der Nachbarschaft. Wer etwas gegen Katzen hat, hat auch etwas gegen Freiheit meint der Nachbar und meint damit die Dame aus dem Erdgeschoss gegenüber. Sie ist auch der Grund, warum er jetzt an Gott glaubt. Vor einigen Wochen, im April, als es noch einmal so richtig kalt wurde, hat er sie nämlich dabei beobachtet, wie sie den Kater zu verscheuchen suchte. Und zwar mit einem kalten Eimer Wasser, den sie über ihn schüttete. Daraufhin …

Kirche WDR2

Wir schaffen das

Der Fahrrad Verkauf über das Kleinanzeigen-Portal im Internet hat bisher immer gut geklappt. Besonders Räder für Kinder und Jugendliche gehen gut weg, schließlich werden sie verhältnismäßig wenig genutzt, denn irgendwann sind die Beine länger geworden, dann muss ein größeres Gerät her. Diesmal hatte ich etwas zu verkaufen. Der Hersteller bewirbt es mit: „Das Fahrrad, das mit wächst.“ Und in der Tat: Es war nicht nur einen Sommer, sondern ganze drei Jahre im Einsatz, dank der pfiffigen Konstruktion. Ein Anrufer meldete sich noch schneller als sonst auf die Anzeige und noch am selben Abend gab es einen Besichtigungstermin. Oma und Opa waren auf der Suche nach einem Geschenk für ihre Enkelin und der Geburtstag war schon morgen! Lange hatten beide gesucht und nicht das passende gefunden, denn das Mädchen war sehr klein für ihr Alter und die meisten Räder passten einfach nicht. Während ich Opa die Technik der Verstellmöglichkeiten erkläre, schaut Oma sich im Flur um. Zugegeben es ist ein großer Flur, wir stehen zu dritt samt Fahrrad drin und können uns auch noch alle um …

BWM

Stefan hat ´ne Neue

Stefan hat ne Neue! Einige hat das nicht überrascht. Er war schon länger nicht mehr mit ihr gesehen worden. Schließlich stand sie nur noch in der Garage, seine alte Vespa Baujahr 1988, 125 ccm Hubraum. Sie musste einem richtigen Mottorad weichen, das jetzt so viel PS hat wie der alte Motorroller Hubraum hatte. Es wurde Zeit, meinte Stefan, noch einmal richtig durchzustarten. 54 Jahre ist er jetzt, die Tochter geht weitgehend ihre eigenen Wege, das Haus ist abbezahlt, der Job sicher, die Karriereleiter ist erklommen. Andrea dachte, sie hätten jetzt etwas mehr Zeit zusammen, zu Reisen, zu Essen, zu Lieben, alles das zu machen, was sie am Anfang ihrer Ehe für später aufgeschoben hatten. Andrea ist nicht glücklich über Stefans Freiheitsdrang. Sie lässt ihn aber machen. Irgendwie war er schon immer wie ein großes Kind.Vor drei Wochen hat Stefan entschieden auszuziehen. Er brauche Abstand, müsse sich über einiges klar werden. Es wäre für alle besser, meint er. Zu Jesus kam einmal ein Mann, der war in einer ähnlichen Situation wie Stefan. Er fragte Jesus: „Was …

Bikini

Die Bikini-Kirche

Als ich gestern von einer „Bikini-Kirche“ las, dachte ich zunächst an eine Veranstaltung auf dem Kirchentag (DEKT), die ich im Programm vielleicht übersehen habe. Man übersieht ja sowieso viel im Programm und wundert sich auch nicht über Veranstaltungen die seltsam anmuten. Warum also sollte es also keine „Bikini-Kirche“ geben? Gut zwei Sekunden später dämmerte es dann aber: Das ist vielleicht doch Sexismus? Um es kurz zu machen, es ging um die neuste Veröffentlichung zur Mitglieder Entwicklung der beiden Kirchen, die erstmals eine Prognose bis 2060 wagt. In vierzig Jahren soll die Mitgliederzahl im Vergleich zu heute um gut die Hälfte gesunken sein. Schuld sei nicht der viel zitierte demographische Wandel, sonder vor allem die verstärkte Austrittswilligkeit der jüngeren Generation. Das sind -im kirchlichen Kontext- Menschen unterhalb eines Lebensalters von vierzig (!) Jahren. Wo es um „Abnehmen“ geht, ist der Bikini nicht weit. Soweit also der -zugegebener Maßen- etwas schlichte Vergleich. Wirklich neu an der Untersuchung ist nur der betrachtete Zeitraum bis 2060. Bisher galt als vermeintliches Schicksalsjahr immer 2030, weil bis dahin nur noch die Hälfte …

Entdecke was kommt!

Entdecke was kommt!

Wenn die Kindheit zu ihrem Ende kommt herrscht Krisenzeit! Wie im Alter unserer 10-12 Jährigen, oder auch bei dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Irgendwann ist es da, das erste Achselhaar, lang ersehnt, oder mit Schrecken plötzlich entdeckt. Je nach dem, was der Bruder oder die Schwester dazu sagt, löst diese Entdeckung eine kleine Krise aus oder einen Glücksmoment. Noch nicht wirklich erfasst, und doch zum Greifen nah: Etwas geht zu Ende, etwas Neues kommt. Krisenzeit. Sie ahnen ja, dass sie ihrer Kindheit nichts mehr hinzufügen können. Sie ahnen an ihrer Kindheit nichts mehr ändern können. Die Kinder merken langsam, oder ahnen zumindest, dass sie ihre Kindheit jetzt verlassen werden. Sie leisten seelische Schwerstarbeit. Es ist eine Zeit, in der die Orientierung abhanden kommt. Und so schleicht sich dann und wann sogar Melancholie in die Stimmung. Das ist eine neue Erfahrung. Auch wenn die Ausbildung zu ihrem Ende kommt ahnen Jugendliche etwas davon, dass sie die Freiheit, den Aufbruch dieser Jahre nicht beliebig verlängern können, sondern Abschied nehmen müssen von der Freiheit, der Offenheit dieser Ausbidlungszeit. …

twitterfalle

„Digitale Kirche“ ein Missverständnis

Die Debatte um #digitalekirche ist beendet. Auch wenn der Hashtag sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Zur Erinnerung: Angefangen hatte es mit einem Printartikel, der viel Beachtung auch außerhalb (digitaler) sozialer Medien fand und darauf hin wiederum intensivere online Aufmerksamkeit erlangte. Nun hat Hannes Leitlein in einem Podcast deutlich gemacht, dass ihm die Debatte manchmal lästig ist. Vor allem, weil die diskutierten Aspekte in alle erdenklichen Richtungen laufen. Dabei war eigentlich etwas ganz banales gemeint: Der nächste Gottesdienst am Sonntag, der bekanntlich an jeder Ecke stattfindet, sollte möglichst schnell und benutzerfreundlich im Internet auffindbar sein. Soweit so schlicht! Und: Weitgehend ungelöst. Aber immerhin ist das Problem erkannt und Ausnahmen sind erfreulicher Weise auch zu finden. Schluss aber mit Debatten über Online-Abendmahl und „Digitale Theologie“ braucht kein Mensch!  Natürlich lassen sich Diskussionen nicht unterbinden. Durch stetige Impulse verändert sich immer wieder die Richtung. Vielleicht ist es Zeit für ein Zwischenfazit. Im Moment tendiere ich zu folgendem: Digitale Kirche ist zu einer Symptom-Beschreibung geworden, dass wir nicht in Kontakt sind mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie beschreibt …

Kronkorken

Vergibt Gott alles?

Er brauche eine ganz besondere Art von Vergebung meint Hartmut. Sein Blick geht stumpf gerade aus durch die Windschutzscheibe des Autos. Er sitzt auf dem Beifahrersitz, müsste eigentlich nur 50m zur Pforte des Krankenhauses gehen, aber er kann nicht. Zu oft ist er im letzten Jahr „eingefahren“ wie er es nennt. Als er endlich mit großer Mühe die Aufnahme erreicht hat, kann er auf die Frage, was er habe, gerade noch „Entgiftung“ sagen, dann verlässt ihn die Kraft. Zu schmerzlich die Erfahrung schon wieder versagt zu haben, zu niederschmetternd die Erkenntnis, dass die Droge größer ist als der Wille. Als Hartmut nach einer Woche Aufenthalt in der Klinik wieder zu klaren Gedanken fähig ist, frage ich ihn, was er denn gemeint habe mit dem Satz, er brauche eine „besondere Vergebung“. Zunächst druckst er rum, gibt vor, sich nicht mehr richtig erinnern zu können. Aber das stimmt nicht, wir haben schon mehrmals über Vergebung gesprochen. Dabei ist rausgekommen, dass Hartmut sich selbst nicht vergeben kann. Dass was er getan hat hält er für so schlimm, dass …